Diakonie Altholstein : Hilfe macht Mut: Frauen wagen den Neuanfang

Sie beraten Frauen in Neumünster: Susanne Harder (rechts) und Susann Willrodt-Schmidtke.
Sie beraten Frauen in Neumünster: Susanne Harder (rechts) und Susann Willrodt-Schmidtke.

Die Beratungsstelle Frau & Beruf in Neumünster registriert steigende Zahlen – und kann auf Erfolge verweisen.

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06. Januar 2018, 12:56 Uhr

Seit sich der Fachkräftemangel verstärkt bemerkbar macht, wendet sich der Fokus der Politik zunehmend Potenzialen zu, die lange vernachlässigt wurden. Dazu zählen Frauen, die aus der Elternpause in den Beruf zurückkehren, eine prekäre oder Teilzeitbeschäftigung hinter sich lassen wollen. Hilfestellung beim Wiedereinstieg bietet die Beratungsstelle Frau & Beruf, die sich in den vergangenen Jahren unter dem Dach der Diakonie Altholstein etabliert und wachsenden Zulauf hat.

Weil das Angebot der Beratungsstelle durch das Land gefördert wird, gibt Kiel eine Quote vor, die die Beraterinnen von Frau & Beruf erfüllen müssen. Als die Diakonie Altholstein im Jahr 2014 die Trägerschaft für die Stadt Neumünster und den Kreis Rendsburg-Eckernförde übernahm, sagt Fachbereichsleiterin Susanne Harder, habe man das noch nicht geschafft. Es dauerte bis 2016, und im vergangenen Jahr sei die Sollzahl von 263 Erstberatungen deutlich übertroffen worden. 307 Frauen wandten sich Rat suchend an Frau & Beruf, allein 110 von ihnen in Neumünster. „Und die Tendenz ist weiter steigend“, sagt Harder.

Der Altersschnitt der Frauen, die den Weg in den Beruf oder zurück in den Job suchten, lag 2017 bei 39,7 Jahren, die jüngsten waren 18, die ältesten weit über 60. Ein Umstand, der den beiden Neumünsteraner Beraterinnen – neben Harder ist dies Susann Willrodt-Schmidtke – trotz aller positiven Erfahrungen und Erfolge zu denken gibt: „Die Gruppe der Rentnerinnen steigt stetig an“, sagt Harder. Und das zeige, dass es immer mehr Senioren gebe, denen die Rente nicht zum Leben ausreiche. Sie müssen etwas dazuverdienen.

Gleichwohl zeigt die Beratungsarbeit sogar Erfolge, die eigentlich gar nicht in die Verantwortlichkeit der Einrichtung fallen. Harder: „Wir können sagen, dass cirka 20 Prozent der Frauen aus der Beratung direkt in eine sozialversicherungspflichtige Arbeit münden. Unser eigentlicher Auftrag ist das nicht. Vielmehr sollen wir die Frauen der Agentur für Arbeit zuführen, die sich dann um die Arbeitsvermittlung kümmert.“ Bei mehr als 300 Frauen sind das 60 zusätzliche Beschäftigungsverhältnisse für Frauen.

Susann Willrodt-Schmidtke: „Ich freue mich immer sehr, wenn wir nach einigen Monaten die Rückmeldungen bekommen, dass eine Frau es in den Job geschafft hat.“ Denn viele Frauen kommen zunächst stark verunsichert in die Beratung. „Sie sagen uns: Ich kann doch gar nichts, aber das stimmt eben nicht“, sagt Willrodt-Schmidtke. In solchen Fällen gelte es, Mut zu machen und im Gespräch die eigenen Stärken herauszuarbeiten.

Kommunikationsfähigkeit, Entscheidungsfreude, die Fähigkeit zur Konfliktlösung – das etwa seien Kompetenzen, die auf dem Arbeitsmarkt zunehmend gefragt seien und die viele Frauen gerade in der Erziehungspause ausprägten, sagt Harder, nur vielen sei das gar nicht bewusst.

Ganz sorgenfrei ist der Blick in die Zukunft nicht. Denn Mitte des Jahres läuft die Befristung für das Angebot aus. Dann liege es an der Politik, ob es aufrecht erhalten werde und ob die Diakonie es weiterführen könne. Grund genug dafür sieht Harder: „Wir bieten eine Individualität, die die Agentur für Arbeit in ihrer Beratung nicht bieten kann. Und eines steht fest: Frauen werden auf dem Arbeitsmarkt noch immer benachteiligt.“

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