Neumünster : Hilfe für Flüchtlinge beim Berufsabschluss

In der Küche des Hotels Prisma zeigt Mahdi Sayed Hosseini (von links), Bildungsministerin Karin Prien und Margit Haupt-Koopmann, was er gelernt hat.
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In der Küche des Hotels Prisma zeigt Mahdi Sayed Hosseini (von links), Bildungsministerin Karin Prien und Margit Haupt-Koopmann, was er gelernt hat.

Land und Arbeitsagentur beschließen Kooperation.

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13. Februar 2018, 08:00 Uhr

Neumünster | Als der aus Afghanistan stammende Mahdi Sayed Hosseini vor zwei Jahren über die Balkanroute nach Deutschland flüchtete, kannte er gerade einmal Floskeln wie „Hallo, wie geht’s“. Inzwischen spricht der 24-Jährige, der in Bad Bramstedt wohnt, nahezu perfekt Deutsch, macht im Hotel Prisma eine Ausbildung zum Koch und strebt selbstbewusst den Meistertitel an.

Der Vorzeige-Azubi ist ein Beispiel, wie die Integration junger Flüchtlinge durch eine Berufsausbildung funktionieren kann. „Die Anstrengung lohnt sich“, sagte Margit Haupt-Koopmann, die Chefin der Regionaldirektion Nord der Agentur für Arbeit. Schon die Altersstruktur der arbeitssuchenden Flüchtlinge in Schleswig-Holstein zeige das Potenzial: 60 Prozent der Flüchtlinge seien unter 35 Jahre alt, 20 Prozent jünger als 25 Jahre.

Hosseinis Chef Burghard Wesselmann hält große Stücke auf den jungen Mann. „Wir sind ein Multikulti-Hotel was unsere Gäste, aber auch unsere Mitarbeiter betrifft“, sagte Wesselmann. Die 60 Hotelmitarbeiter stammen aus zehn verschiedenen Nationen. Wesselmann: „Unsere Branche hat große Probleme, Auszubildende zu finden.“ Die Tourismusdestinationen im Land benötigten dringend Mitarbeiter – egal welcher Herkunft.

Wesselmann regte an, die starren Rahmen- und Prüfungsbedingungen der Industrie- und Handelskammern flexibler zu gestalten. Nichts sei schlimmer, als einen Auszubildenden, der in der Praxis gut sei, am Ende zu verlieren, weil er in der Prüfung scheitere.

Damit die Ausbildung nicht an zwei Achillesfersen – den nötigen Deutsch-, aber auch Fachkenntnissen in Grundlagenfächern – scheitert, unterzeichneten Margit Haupt-Koopmann und Bildungsministerin Karin Prien gestern in Neumünster eine „Rahmenvereinbarung zur Förderung von Auszubildenden mit Migrationshintergrund“.

An den beruflichen Schulen des Landes werden 20 zusätzliche Lehrer eingestellt, die die jungen Migranten durch individuelle fachliche Unterstützung auf die Prüfungen vorbereiten sollen. In Schleswig und Elmshorn sind die ersten neuen Lehrkräfte schon im Einsatz. „Wir gehen davon aus, dass wir keine Probleme haben, die Stellen zu besetzen“, sagte Bildungsministerin Karin Prien.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge finanziert zusätzlichen Sprachunterricht, die Arbeitsagentur die Einstiegsqualifizierung genannten Langzeitpraktika. Auf diese Weise kam auch Mahdi Sayed Hosseini zu seiner Lehrstelle. Erste Erfolge sind messbar: 319 junge Flüchtlinge in Schleswig-Holstein haben 2017 eine Ausbildung begonnen. Im Jahr zuvor waren es erst 106.

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