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Neues Angebot : Hilfe für das traumatisierte Kind

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Zahlreiche Vertreter von Kitas nahmen gestern an einer Auftaktveranstaltung teil. Ein neues Projekt soll Erzieher schulen und unterstützen.

von
erstellt am 30.Jun.2016 | 12:00 Uhr

Neumünster | Nicht jedes Kind erlebt eine glückliche, stabile Kindheit. In der einen Familie hat ein Elternteil eine schwere Krankheit. In der anderen kommt es zu häuslicher Gewalt oder Vernachlässigung. Aber auch Unfälle, der Tod einer Bezugsperson, Krieg, Flucht und Vertreibung oder Naturkatastrophen können Kinder extrem aus der Bahn werfen und psychische Probleme bis hin zu einem Trauma hervorrufen. Gestern wurden Vertreter aus zahlreichen Kindertagesstätten und Familienzentren in der Stadt im Kiek In über ein neues, wichtiges Angebot zu dieser Thematik informiert.

Seit diesem Jahr hat das Sozialministerium des Landes das Projekt „Traumapädagogik in Kindertagesstätten und Familienzentren“ (Tik) ins Leben gerufen. Es geht darum, dass landesweit Fachkräfte in den Kitas im Umgang mit schwer belasteten und traumatisierten Kindern durch Fortbildungen qualifiziert, beraten und begleitet werden. Sie sollen Sicherheit im Umgang mit dem Thema bekommen und gleichzeitig wissen, wann sie wo fachliche Hilfe bekommen können. Deshalb werden Fortbildungen in ganz unterschiedlichem Umfang (ein bis neun Tage) sowie Traumaberatungen und Supervisionen angeboten. Für die Kitas entstehen dadurch keine Kosten, denn das Land stellt zur Finanzierung eine Million Euro pro Jahr zur Verfügung.

Für die fachliche Unterstützung im Raum Neumünster wurde der Verein Wendepunkt mit Hauptsitz Elmshorn betraut, der gestern auch zu der regionalen Auftaktveranstaltung eingeladen hatte. In Neumünster stieß das Angebot auf große Resonanz. Von den 36 Kitas unterschiedlicher Träger schickten 30 Einrichtungen Vertreter zu dem ersten informativen Treffen. „Wir haben zusätzlich zu den Kitas noch 200 Kinder in Kindertagespflege hier in der Stadt. Insgesamt werden rund 2800 Kinder betreut. Da gibt es natürlich auch entsprechende Fälle“, meinte Jörg Asmussen, Leiter des Fachdienstes Frühkindliche Bildung, der ebenfalls an der Einführung teilnahm. Er möchte deshalb auch die Kindertagespflege mit in den Fokus des Programms nehmen und mit einer Veranstaltung für die Familienzentren beginnen. „Wir wollen gut aufgestellt sein für die Familien, die hier schon leben und für die, die noch kommen“, so Asmussen. Er erinnert daran, dass ab Januar für die Stadt die Zuweisung von Flüchtlingsfamilien startet.

Auch wenn das neue Augenmerk auf die Traumapädagogik insgesamt wichtig für die Kitas ist, so habe sie durch die Flüchtlingsproblematik noch eine zusätzliche Bedeutung erlangt, erklärte Ingrid Kohlschmitt, Geschäftsführerin von Wendepunkt. „Tik ist ins Leben gerufen worden, als die Flüchtlingsproblematik noch nicht so aktuell war. Um so wichtiger ist es jetzt, auch darauf vorbereitet zu sein“, erklärte sie.

In einem Einstiegsvortrag gab der Psychologe Dirk Jacobsen, Leiter der Trauma-Ambulanz beim Projekt Tik, erste Einblicke in das Thema Traumatisierung. Unter anderem erläuterte er typische Auslöser sowie Symptome und Reaktionen der Kinder und stieß damit bei den Vertretern der Kitas auf großes Interesse.



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