zur Navigation springen

Beratung und Untersuchung : Hilfe auch ohne Krankenversicherung

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Das Medi-Büro am Goebenplatz vermittelt kostenlose medizinische Beratung und Erstversorgung. Die Patienten kommen vielfach aus EU-Balkanländern.

Neumünster | Seit kurzem gibt es auch in Neumünster ein Medi-Büro: Die Arbeiterwohlfahrt (Awo) bietet in ihrem Integrationscenter am Goebenplatz 2 jeweils am Mittwoch von 15 bis 17 Uhr mit dem Medizinischen Praxisnetz Neumünster (MPN) eine anonyme und kostenlose medizinische Beratung und Untersuchung durch Ärzte an.

Ziel ist es, Menschen ohne Papiere und damit ohne Aufenthaltsstatus medizinisch zu versorgen. Betroffen sind auch legale Zuwanderer aus EU-Staaten. „Ein Großteil der Migranten kommt aus Bulgarien und Rumänien, und die haben oft keinen Versicherungsschutz, weil sie in ihrer Heimat keine Krankenversicherung abgeschlossen haben“, sagt der MPN-Vorsitzende Dr. Johannes Kandzora. Diese Menschen seien nicht völlig mittellos, arbeiteten häufig „schwarz“, so Kandzora, der die Arbeit des Medi-Büros gestern vorstellte.

„Wir wollen ihnen eine Perspektive schaffen für einen Krankenversicherungsschutz und eine Legalisierung“, sagt Kandzora. Das Medi-Büro könne nur eine Überbrückung für eine generelle Lösung sein. Kandzora: „Alle müssen krankenversichert sein können.“ Im Fall der „Selbstständigen“ aus Bulgarien oder Rumänien sei das auch nachträglich im Heimatland oder durch eine Versicherung in Deutschland möglich.

Polizei und Ausländerbehörde sind über die Arbeit des Medi-Büros informiert. „Wir garantieren unseren Patienten vollen Datenschutz“, betont Kandzora. Ihre Daten würden nicht weiter gemeldet. „Wir sind Ärzte und keine Politiker oder Juristen“, sagt Kandzoras Stellvertreter im MPN, Hannes Graeser.

Trotz der finanziellen Förderung durch das Landessozialministerium steckt viel ehrenamtliches Engagement in der Arbeit. So haben sich viele Ärzte aus dem Medizinischen Praxisnetz bereit erklärt, für die Sprechzeiten im Medi-Büro zur Verfügung zu stehen, aber auch in der eigenen Praxis kostenlos zu helfen, sofern die Notwendigkeit dafür im Medi-Büro erkannt wurde. Standesrechtlich ist es eigentlich nicht zulässig, dass Ärzte ohne Bezahlung arbeiten. „Aber wir setzen Reisende oder Menschen ohne Versicherung nicht einfach vor die Tür“, sagt MPN-Vize Graeser zum Courier.

Zuwanderer ohne Papiere kommen oft durch die Vermittlung von Einrichtungen wie der Awo, Diakonie, Deutsches Rotes Kreuz oder Caritas, die hier an einem Strang ziehen. Vorbild sind andere Medi-Büros, etwa in Hamburg oder Kiel. „Allerdings signalisierte das Kieler Medi-Büro schon 2015: ‚Wir können die Menschen aus Neumünster nicht mehr mehr mitversorgen. Ihr müsst selbst ein Büro aufmachen‘“, sagt Michael Treiber, der beim Awo-Landesverband die Abteilung Interkulturell leitet.

Kommentar: Der Ansatz verdient Anerkennung

Der Ansatz von Medizinern des Praxisnetzes und den Wohlfahrtsverbände n verdient Anerkennung: Das Medi-Büro bietet Soforthilfe im  Notfall und versucht zugleich Perspektiven aufzuzeigen, wie Menschen ohne Papiere einen legalen Status und eine Krankenversicherung erlangen  können.   Die Schwellen sind bewusst niedrig gelegt, der humanitäre Gedanke ist richtig.  Nur weil die Menschen  nicht legal hier sind, darf man ihnen sicher nicht die medizinische Hilfe verweigern.

zur Startseite

von
erstellt am 03.Mär.2016 | 08:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert