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Erster Weltkrieg : Heute vor 100 Jahren starb der erste Soldat

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Jakob Sommerfeld aus Brachenfeld fiel in der Schlacht von Gumbinnen an der Ostfront. Gedenkstätte an der Hauptstraße erinnert an die Toten.

Neumünster | Am 19. August 1914, also vor genau 100 Jahren, trauerte die Gemeinde Brachenfeld um ihren ersten Toten im Ersten Weltkrieg: Jakob Sommerfeld fiel an der Ostfront in „Walterköben i.O.“ (in Ostpreußen). So steht es auf dem 1921 eingeweihten Kriegerdenkmal vor der alten Schule an der Ecke Hauptstraße/Pestalozziweg. Die heißt heute Timm-Kröger-Schule, und die damals noch selbstständige Gemeinde Brachenfeld wurde 1938 eingemeindet und ein Stadtteil Neumünsters.

„Jakob Sommerfeld stammte aus eine Brachenfelder Tuchmacherfamilie“, weiß Hermann Büttner (79). Der gelernte Tuchmacher und Textilingenieur ist gebürtiger Brachenfelder und Heimatforscher aus Passion. 1939 zog Büttners Familie nach Pommern, nach der Flucht 1945 kehrte Hermann Büttner ins großelterliche Haus zurück. „Ich bin ein Einheimischer mit Flüchtlingsausweis“, sagt er mit einem Schmunzeln.

Die Gedenkstätte besteht aus drei Teilen und nennt die Namen von 37 gefallenen Söhnen der Gemeinde. Weitere sechs Brachenfelder sind im Lazarett gestorben, der letzte war Rudolf Weinrich am 11. April 1919. Gleich beim ersten Ortseintrag Walterköben könnte es sich um einen Irrtum handeln: Gemeint ist wohl Walterkehmen im Kreis Gumbinnen/Ostpreußen. In der Schlacht von Gumbinnen kam es am 19./20. August 1914 zum ersten großen Aufeinandertreffen der Deutschen mit den angreifenden russischen Truppen.

„Unter den Gefallenen ist auch Karl Hanssen, der am 28. März 1916 am Narocz-See starb“, sagt Büttner. Die bekannte Fabrikantenfamilie, nach der auch die heutige Hanssenstraße benannt ist, hatte an der Hauptstraße eine Tuchfabrik und stiftete 30 000 Mark für das Denkmal – eine damals sehr große Summe. Insgesamt kostete es 36 000 Mark. Das Denkmal wurde 1920 gebaut und am Karfreitag, 25. März 1921, eingeweiht. Das weiß Hermann Büttner aus der alten, in Sütterlinschrift verfassten Schulchronik, die er im Stadtarchiv aufgetrieben und in mühevoller Kleinarbeit in lateinische Buchstaben übertragen hat. „Fast die gesamte Einwohnerschaft des Ortes nahm daran teil. Außerdem hatten sich viele Neugierige aus der Stadt eingestellt“, heißt es in der Chronik. Die Vereine und Schulkinder nahmen damals an der Waldwiese Aufstellung. Die Spitze des Zuges bildete die Schule, dann kamen die Feuerwehrkapelle und schließlich die Vereine wie der Kriegerverein, der Bürgerverein, der Frauenverein und die Freiwillige Feuerwehr. Voran schritt die Gemeindevertretung.

„Wenn man das Mahn- und Denkmal heute sieht, ist es doch etwas in Vergessenheit geraten“, bedauert Hermann Büttner und hat noch eine Anekdote parat. Erst bei der Erweiterung der Timm-Kröger-Schule um die Pavillonbauten in den 1960er-Jahren stellte die Stadt fest, dass sie gar nicht Eigentümer des Denkmal-Grundstücks ist. Es war im Grundbuch noch dem Nachbarn Lutschewitz an der Hauptstraße 58 zugeschrieben. „Es gab dann eine einvernehmliche Lösung“, sagt Hermann Büttner: „Nach einer Berichtigung des Grundbucheintrags gehört das Denkmal heute eindeutig der Stadt.“

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erstellt am 19.Aug.2014 | 07:00 Uhr

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