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Café Jerusalem : Herzlichkeit und ein wenig Halt

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Das Café Jerusalem an der Bahnhofstraße lud zur Weihnachtsfeier ein. 80 bis 150 Essen werden täglich an Bedürftige ausgegeben.

Neumünster | Auf der einen Seite lockt glitzernd und blinkend der Konsum in die Holsten-Galerie, auf der anderen Seite der Bahnhofstraße liegt das Café Jerusalem, wo in der Regel Menschen mit klammem Geldbeutel einkehren. Um Menschen unabhängig von ihrer sozialen Herkunft zusammen zu bringen, hatte Andreas Böhm, der Leiter des Cafés, am Sonnabend wieder zu einer gemeinsamen Weihnachtsfeier geladen.

„Wir wollen Beziehungen schaffen zwischen Gesellschaftsschichten. Dafür eignet sich ein Weihnachtsfest besonders“, erklärte Andreas Böhm. Das Konzept ging auch im 22. Jahr seit der Gründung des Cafés wieder auf, denn 170 Besucher waren der Einladung gefolgt. Darunter waren ehrenamtliche Mitarbeiter, finanzielle Unterstützer und natürlich Kunden.

80 bis 150 Essen geben die Mitarbeiter täglich an Menschen aus, die dafür nichts bezahlen müssen. „Dabei ist es egal, ob jemand bedürftig ist oder nicht. Hierher kommen auch Menschen, denen das Herz aufgeht, wenn ihnen jemand zuhört“, sagte Böhm über die soziale Bedeutung der Begegnungsstätte.

Das Ehepaar Kempcke spendet seit zehn Jahren regelmäßig ans Café. Der Rentner Manfred Kempcke geht hin und wieder auch einfach mal so dort einen Kaffee trinken. „Ich kann es nicht sehen, wenn Menschen darben und hungern“, begründete der ehemalige Angestellte der Stadtwerke seine Unterstützung. „Die Welt wird immer kälter. Viele sind alleine und suchen gerade zu Weihnachten Halt“, ergänzte Rosita Kempcke. Das konnte Andreas Böhm bestätigen: „Weihnachten ist für viele Besucher eine emotional besonders belastende Zeit. Aber schon mit Beginn des schlechten Wetters steigt die Zahl der Besucher. Das ändert sich erst im April.“

Dennoch ist die Stimmung unter den Gästen meistens gut, wie Heinke Kekeritz (66) berichtete, die seit vier Jahren zweimal wöchentlich am Tresen Kaffee und Kuchen ausgibt. „Viele der Besucher sind regelmäßig hier, duzen sich und gehen herzlich miteinander und mit uns um.“

Pastor Hans-Christian Hübscher erklärte: „Jesus hat auch keinen Unterschied gemacht zwischen den Menschen.“ Der Vorsitzende des Trägervereins erzählte zwischen musikalischen Einlagen eines Hamburger Trios die Weihnachtsgeschichte in moderner Form. Nach einem gemeinsamen Gebet und Gesang durften sich die Besucher aus den zahlreichen gestrickten und gespendeten Wintersachen etwas aussuchen. Mit den Nachbarn des Cafés klappt es übrigens prima. „Wir haben eine super Beziehung zum ECE. Zwei Verkäufer unseres Straßenmagazins haben dort ihren Platz“, sagte Andreas Böhme.

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