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Holsteinischer Courier

20. Oktober 2017 | 00:08 Uhr

Tungendorf : Henning Möbius tritt ab

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Stadtteilvorsteher will nach 32 Amtsjahren Jüngeren im Beirat Platz machen

von
erstellt am 28.Jan.2014 | 05:00 Uhr

Nein, er sei nicht erkrankt oder amtsmüde. Und ja, er habe das Amt des Stadtteilvorstehers in Tungendorf sehr gerne ausgefüllt. Und doch machte Henning Möbius (70) jetzt Ernst und hat Stadtpräsident Friedrich-Wilhelm Strohdiek gebeten, ihn von dieser Aufgabe zu entbinden. „Ich möchte das Amt in jüngere Hände geben“, sagte Neumünsters dienstältester Stadtteil-„Bürgermeister“.

Seit der Konstituierung der Stadtteilbeiräte vor 36 Jahren gehört Möbius dem Gremium an. Seit 1982 leitet der frühere Schulleiter der Wichernschule den Beirat. Einfach fällt der Abschied nicht. „Da musste sich der Kopf gegen das Herz durchsetzen“, sagte Möbius zur lange gereiften Entscheidung: „Ich wollte meinen Abschied bewusst und aktiv gestalten und nicht als lahme Ente zum Gehen gedrängt werden.“

Der Entschluss, jetzt abzutreten, falle ihm leichter, da ein geeigneter Nachfolger in Aussicht sei. „Er passt gut zu Tungendorf, ist bestens vernetzt und hat die nötigen Fachkenntnisse“, so Möbius, ohne einen Namen zu nennen. Das wäre wohl auch schlechter demokratischer Stil, denn der Beirat wählt seinen Vorsitzenden oder vielleicht ja auch eine Vorsitzende (?) selbst aus den eigenen Reihen. In Frage kämen sicherlich mehrere Kandidaten, etwa Dietmar Hirsch, Jürgen Böckenhauer (beide SPD) oder auch Möbius’ derzeitiger Stellvertreter Klaus Grassau (CDU). „Bis zur Neuwahl bleibe ich im Amt“, sagte Möbius, der dann ganz aus dem Stadtteilbeirat ausscheidet. Die Ratsversammlung wählt am 18. Februar ein neues Beiratsmitglied, das Vorschlagsrecht hat die SPD.

Sie ist seit 1972 die politische Heimat des allseits geachteten Sozialdemokraten. „Die Sacharbeit für Tungendorf stand im Beirat über alle Parteigrenzen hinweg immer im Vordergrund“, sagte Möbius und ist sich sicher: „Das wird auch künftig so sein. Deswegen kann ich auch ruhigen Gewissens mein Amt abgeben.“ Als interessierter Bürger werde er das Geschehen aber weiter verfolgen.

Und er wird sich weiter ehrenamtlich engagieren. Etwa im Förderkreis des Volkshauses, den er mit begründete. Oder im Beirat des Mehrgenerationenhauses, im Vorstand des Fördervereins Museum Tuch + Technik, als Vorsitzender des Runden Tisches für Toleranz und Demokratie oder im Förderkreis christlicher Pfadfinder. Die „intensive Erholung“ bei all diesen Aktivitäten bieten das Singen im Bach-Chor und die Familie. Henning Möbius ist seit 44 Jahren mit seiner Frau Astrid verheiratet, hat drei erwachsene Kinder und drei Enkelkinder. Das vierte hat sich für März angekündigt

Der Zeitaufwand für das Amt des Stadtteilvorstehers habe für seine Entscheidung keine Rolle gespielt. Möbius: „Hier kann der Griff zum Telefonhörer schon viel ausrichten. Die Kontakte zur Verwaltung und Selbstverwaltung sind gut, ebenso die Vernetzung im Stadtteil mit den Kirchen, dem SVT und den Feuerwehren. Mir war es immer Lohn genug, etwas mit anderen für den Stadtteil Tungendorf bewirken zu können.“ Nicht zuletzt diese Bescheidenheit und Fähigkeit zur Integration führte dazu, dass die Courier-Leser Henning Möbius 2012 zum „Neumünsteraner des Jahres“ gewählt haben.

 

Der Courier-Kommentar:

In Tungendorf tritt eine Institution ab


In anderen Stadtteilen waren Rücktrittsmeldungen von Stadtteilvorstehern meist Ausdruck tiefer Zerwürfnisse. Davon kann in Tungendorf keine Rede sein. Mit Henning Möbius sagt hier eine weit über Tungendorf hinaus bekannte und geschätzte Persönlichkeit, dass es nun genug sein soll und auch mal Jüngere ran sollen. Das hatte er öfter immer wieder einmal angedeutet, doch so richtig geglaubt hatte es wohl niemand. Der Zeitpunkt des Rücktritts nicht einmal ein Jahr nach der Kommunalwahl im Mai 2013 kommt überraschend. Doch wann ist ein guter Zeitpunkt? Wenn man gedrängt wird abzutreten? Nein, Henning Möbius geht zum richtigen Zeitpunkt. Die Arbeit im Beirat bewegt sich in ruhigem Fahrwasser, das Feld für den Nachfolger ist bestellt. Vermissen werden die Tungendorfer Möbius in diesem Amt dennoch. 32 Jahre lang leitete der frühere Schulleiter mit großer Souveränität die Sitzungen im Stadtteilbeirat. Nie schulmeisterlich, immer auf Ausgleich und Kompromiss bedacht war er dabei doch stets ein Mann fester Auffassungen und klarer Worte. Mit dieser Art ist er ein Vorbild für bürgerschaftliches demokratisches Engagement in unserer Stadt. Und die Neumünsteraner wissen das zu schätzen, das zeigt die Wahl zum Neumünsteraner des Jahres 2012. Erstaunlich, dass die Stadt ihn noch nicht mit der Caspar-von-Saldern-Verdienstmedaille geehrt oder für die Freiherr-vom-Stein-Medaille des Landes vorgeschlagen hat. Aber das kann ja noch kommen.

 

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