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GS Brachenfeld : "Hemden werden nicht aufgeknöpft, sondern aufgerissen"

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Pilotprojekt: Schüler lernten Herz-Lungen-Wiederbelebung.

von
erstellt am 01.Feb.2017 | 09:21 Uhr

Neumünster | Statt Mathematik oder Deutsch stand für die Siebtklässler der Gemeinschaftsschule Brachenfeld gestern das Thema Herz-Lungen-Wiederbelebung auf dem Stundenplan. Die Einrichtung am Pestalozziweg ist eine von drei Pilotschulen in Schleswig-Holstein, die an dem Projekt „Schüler retten Leben“ teilnehmen.

Die Aktion wurde von der Landesarbeitsgemeinschaft Erste Hilfe Schleswig-Holstein und dem Institut für Rettungs- und Notfallmedizin des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein ins Leben gerufen. Ziel der Initiative ist es, landesweit Schüler der 7. und 8. Klassen darin fit zu machen, einen Herz-Kreislauf-Stillstand zu erkennen und einen Notruf sowie Wiederbelebungsmaßnahmen vornehmen zu können.

Das Konzept sieht vor, dass zunächst drei Lehrer der jeweiligen Schule vom Institut für Rettungsmedizin ausgebildet werden und ihr Wissen dann an die Schüler weitergeben. Einer von ihnen ist Lars Pohl, der an der Gemeinschaftsschule Brachenfeld den Sanitätsdienst leitet. In einer Theorie-Einheit ging er mit den Schülern zunächst die wichtigsten Grundlagen durch. „Wenn das Herz aufhört zu schlagen, kann das Gehirn bereits nach drei bis fünf Minuten unwiederbringlich geschädigt sein. Ein Rettungswagen braucht im Schnitt sieben Minuten. Ihr müsst daher diesen Zeitraum überbrücken, um zu helfen. Der Mensch, der vor euch auf dem Boden liegt, wird es euch danken“, sagte Pohl und erklärte, wie seine Schüler im Ernstfall eingreifen können. „Als erstes müsst ihr prüfen, ob die Person bei Bewusstsein ist. Wenn das nicht der Fall ist, ruft ihr zunächst um Hilfe, dreht die Person dann auf den Rücken, macht die Atemwege frei und überstreckt den Kopf“, sagte Pohl.

Auch die Wiederbelebung erklärte er detailliert. „Zunächst legt ihr die Hand auf die Mitte des Brustkorbs, die andere Hand darüber und dann drückt ihr fest und schnell 100 Mal pro Minute auf den Brustkorb“, sagte er. Wichtig sei, vorher den Oberkörper frei zu machen. „Schiebt einfach die Kleidung nach oben, es muss ja schnell gehen. Hemden werden nicht aufgeknöpft, sondern aufgerissen“, machte der Lehrer deutlich. Bei der Beatmung gelte es, den Kopf nach hinten zu überstrecken, das Kinn anzuheben, die Nase mit Daumen und Zeigefinger zu verschließen, den Mund des Bewusstlosen mit den Lippen zu umschließen und Luft hereinzupusten, bis sich der Brustkorb hebt. „Ihr müsst abwechselnd 30 Mal drücken und 2 Mal beatmen und hört erst auf, wenn Hilfe eintrifft“, sagte Pohl.

Für Joke Meier aus der Klasse 7a war der gestrige Unterricht ein besonderes Erlebnis. „Man weiß zwar grob, wie das Ganze funktioniert, aber die Details waren mir neu. Das war wirklich sehr lehrreich“, sagte die 13-Jährige, die das gerade Erlernte im Anschluss an die Theorie an einer Puppe ausprobierte. Auch Moritz Rüschmann (14) übte die Wiederbelebung und war nach einer Minute erstaunt, wie viel Kraft eine Herzmassage kostet. „Wenn man das über einen längeren Zeitraum machen muss, ist das vermutlich ganz schön anstrengend. Aber es ist gut, zu wissen, dass man im Notfall helfen könnte.“

Kommentar: Jeder Helfer zählt!

Mehr als 100000 Menschen in Deutschland sterben jedes Jahr  am plötzlichen Herztod oder einem Kreislaufstillstand.  Damit es erst gar nicht so weit kommt, sind Ersthelfer unersetzlich. Sie überbrücken die Zeit, bis der Rettungswagen eintrifft und verhindern durch ihren Einsatz, dass es zu irreparablen Hirnschäden kommt. Doch viele Menschen haben Angst, im Ernstfall etwas falsch zu machen, und machen daher lieber gar nichts. Umso wichtiger ist es, dass möglichst viele Menschen die Grundlagen der Wiederbelebung kennen und dadurch Sicherheit erlangen. Es wäre wünschenswert, dass sich das Pilotprojekt etabliert und das Konzept flächendeckend umgesetzt wird. Wenn dadurch nur ein einziger Mensch gerettet wird, hat es seinen Zweck bereits erfüllt.

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