Helga Hein: Porträt als Mahnung

'Schaut mal, so war das vor zehn Jahren.' Helga Hein erklärt ihrer Tochter Kari-Ann Wulf (von rechts), Ehemann Wolfgang und den Enkeln Tim Winkelmann (11) und André Wulf (11) die Szene, die auf ihrem Gemälde dargestellt ist. Foto: Ziehm
"Schaut mal, so war das vor zehn Jahren." Helga Hein erklärt ihrer Tochter Kari-Ann Wulf (von rechts), Ehemann Wolfgang und den Enkeln Tim Winkelmann (11) und André Wulf (11) die Szene, die auf ihrem Gemälde dargestellt ist. Foto: Ziehm

Zehn Jahre nach ihrer Amtszeit 2002/03 hängt nun auch die SPD-Kommunalpolitikerin in der Bildergalerie der Stadtpräsidenten

Avatar_shz von
27. Juli 2013, 05:59 Uhr

Neumünster | Das Motiv hat Symbolkraft: Die Sozialdemokratin Helga Hein steht im roten Kostüm mit einem Manuskript am Mikrofon auf dem Großflecken. Die Szene gibt den 5. April 2003 wider, als in der Stadt die Ausstellung "Verbrechen der Wehrmacht" eröffnet wurde. Helga Hein war damals Stadtpräsidentin und Vorsitzende des Runden Tisches für Toleranz und Demokratie und sprach unter dem Motto "Für Frieden und Wahrhaftigkeit" zusammen mit dem Landtagspräsidenten Heinz-Werner Arens und dem Schriftsteller Ralph Giordano. Im Hintergrund hält ein massives Polizeiaufgebot linke und rechte Störer auseinander.

"Das Interesse der Bevölkerung war leider nicht sehr groß und nicht zu vergleichen mit der Veranstaltung im vergangenen Jahr", sagte Helga Hein mit Blick auf die Anti-NPD-Kundgebungen im Mai 2012. Sie selbst hat diese Begebenheit als Thema für ihr Porträt in der Galerie der Stadtpräsidenten ausgewählt. Gestern wurde es feierlich an seinem Platz zwischen ihrem Vorgänger Helmut Loose und ihrem Nachfolger Hatto Klamt enthüllt.

Die Szene ist zehn Jahre her, aber immer noch aktuell. "Die Rechtsradikalen sind nicht leiser geworden. Im Gegenteil, jetzt haben wir sogar einen davon in der Ratsversammlung", sagte Helga Hein und sieht ihr Porträt daher auch als Mahnung: "Neumünster ist kein Platz für Nazis."

Auf Leinwand gebannt hat Helga Hein bereits vor zehn Jahren der Maler Jan Helbig (42), der auch schon das Porträt von Hatto Klamt anfertigte. "Dr. Martin Sadek kannte ihn von einem Stipendium in Neumünster und hat ihn mir empfohlen", sagte Helga Hein. Dass das Porträt erst jetzt enthüllt wurde, entspricht gutem Brauch: Stadtpräsidenten kommt diese Ehre erst nach ihrer aktiven Zeit in der Ratsversammlung zu. 35 Jahre lang, von 1978 bis zur Kommunalwahl im Mai 2013, gehörte die Ruthenbergerin der Ratsversammlung an. Damit war die frühere Geschäftsführerin des Steuerberaterverbandes und ehemalige Kulturdezernentin in der vergangenen Legislatur das mit Abstand dienstälteste Ratsmitglied. Ihre knapp einjährige Amtszeit als Stadtpräsidentin vom 10. Mai 2002 bis zum 15. April 2003 gehört dagegen zu den kürzesten.

Zur kleinen Feierstunde im Rathaus hatte Helga Hein Wegbegleiter wie ihre Sekretärin Andrea Eggert, Fahrer Uwe Pries, SPD-Fraktionschef Andreas Hering, Stadtrat Günter Humpe-Waßmuth oder auch ihren Stellvertreter und dann CDU-Nachfolger Hatto Klamt eingeladen. Helga Hein: "Die Zusammenarbeit war sehr angenehm, es gab keine Eifersüchteleien." Zuallererst nannte sie aber ihren Mann Wolfgang, "der mich klaglos überall hin begleitete". Und ein Döntje aus den ersten Amtstagen gab es auch noch. "Es begann im Mai 2002, 8 Uhr, mit dem Vogelschießen der Jacoby-Bürgergilde. 60 Männer standen auf dem Rathaushof und riefen laut und fröhlich Guten Morgen, Frau Stadtpräsidentin. Ich fand das so komisch", sagte Helga Hein.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen