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Holsteinischer Courier

19. August 2017 | 13:41 Uhr

Boostedt : Helfer sollten ihre Grenzen kennen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Boostedter Kirchengemeinde stellte den Arbeitskreis „Flüchtlingspartnerschaft“ vor. Außerdem wird der Verein „Willkommen in Boostedt“ gegründet.

Boostedt | Die Kirchengemeinde Boostedt hat einen Arbeitskreis „Flüchtlingspartnerschaft“ gegründet und lud am Donnerstagabend zu einer Informationsveranstaltung ein. Etwa 110 Besucher wollten mehr darüber wissen. Schließlich sollen in der Gemeinde ab 2015 bis zu 500 Flüchtlinge in vier Blöcken der Rantzau-Kaserne untergebracht werden.

„Wir wollen auf die Ängste und Sorgen reagieren, die auf der Einwohnerversammlung zutage traten, und Schritte in Richtung Flüchtlingsarbeit leisten“, erklärte Pastor Thomas Lemke. Der Arbeitskreis hatte zehn Fachreferenten eingeladen. Der Ablauf eines Asylverfahrens wurde erläutert, und ein virtueller Rundgang durch die Rantzau-Kaserne geboten.

Andrea Dallek vom Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein erklärte, dass im vergangenen Jahr 3756 Menschen nach Schleswig-Holstein aus Krisengebieten gekommen seien. Die Zahl werde sich in diesem Jahr vermutlich verdoppeln. Wer sich ehrenamtlich für Flüchtlinge engagieren wolle, der müsse genau wissen, wie viel Zeit er investieren und was er leisten könne. „Fragen Sie sich immer, wo Ihre Grenzen liegen“, riet Andrea Dallek und warnte davor, sich zu überfordern. Michael Frenzel von der Diakonie Altholstein machte dazu deutlich: „Der gesamte Rechtsbereich gehört in die Hände von Fachleuten.“

Pastorin Isabel Frey-Ranck aus Neumünster und Rieke Müller schilderten ihre Erfahrungen im insbesondere für Flüchtlinge offenen Café Vis-a-vis und aus der Seelsorge. Und auch Flüchtlinge kamen zu Wort. Ein Dolmetscher übersetzte die Wünsche und Bedürfnisse von mehreren iranischen Flüchtlingen. „Wir möchten ein normales Leben haben und Deutschkurse besuchen“, erklärten sie und machten auch deutlich: „Ich wünsche mir, dass ich wieder nach Hause komme.“

Für die Außenstelle des Landesamts für Ausländerangelegenheiten in Boostedt wird Katja Ralfs zuständig sein (siehe nebenstehenden Bericht). Sie erklärte unter anderem, dass der Zaun als Zugangskontrolle von außen gilt und den Flüchtlingen Schutz gewähren soll. Die Flüchtlinge dürfen das Gelände jederzeit verlassen.

„Das war eine anregende Veranstaltung, bei der die Flüchtlinge im Mittelpunkt standen und keine Zahlen“ äußerte ein Boostedter im Anschluss. Etwa 30 Bürger gaben ihre Kontaktdaten ab und stellten sich als Helfer zur Verfügung..

Neben dem kirchlichen Arbeitskreis „Flüchtlingspartnerschaft“ soll es ein weiteres Angebot für Helfer geben. Frank Strompen (62) aus Boostedt berichtete von der Gründung des Vereins „Willkommen in Boostedt“. Gegenüber dem Courier erklärte er: „Wir wollen einen koordinierten, kirchen- und gemeindeunabhängigen Verein. Als Verein haben wir auch die Möglichkeit, finanzielle Förderungen aus dem Ministerium für Soziales zu erhalten.“ Strompen hat bereits mit jungen, unbegleiteten Flüchtlingen aus Afghanistan gearbeitet und hat konkrete Pläne: „Wir wollen gemeinsam zum Einkaufen gehen, ein Handy mit einer Notrufnummer einrichten und erste Eindrücke in Sachen Kultur vermitteln.“ Dem kommissarischen Vorsitzenden des bisher elf Mitglieder zählenden Vereins ist wichtig, dass „Doppelaktivitäten“ mit der Kirche vermieden werden. „Wir wollen helfen und uns ergänzen, nicht konkurrieren.“

Weitere Veranstaltungen für Helfer gibt es

> am Dienstag, 25. November, 19 Uhr, vom kirchlichen Arbeitskreis „Flüchtlingspartnerschaft“, Tel. 01 76/

54 35 04 78, im Gemeindehaus.

> am Mittwoch, 26. November, 20 Uhr, vom Verein „Willkommen in Boostedt“ im Hof Lübbe.
 

Katja Ralfs wird die Außenstelle leiten

Katja Ralfs (47) ist Dezernentin im Landesamt für Ausländerangelegenheiten in Neumünster und wird in dieser Funktion auch die Boostedter Außenstelle in  Teilen der Rantzau-Kaserne übernehmen. Die gebürtige Baden-Württembergerin kümmert sich am Haart um die Aufnahme oder Weiterverteilung von neu eintreffenden Menschen, die einen Asylantrag stellen. „In Boostedt wird laut Planung keine Erstaufnahme stattfinden, das regelt weiterhin die Einrichtung in Neumünster.“ In Boostedt ist aber eine Erweiterung der Asylbewerberunterkunft geplant. Ihr Büro am Haart wird Katja Ralfs um eines in Boostedt erweitern und also regelmäßig vor Ort sein. „Wenn ich in Neumünster bin, gibt es natürlich dennoch einen Ansprechpartner in Boostedt“, sagt sie.

 Wann sie ihren neuen Posten beziehen wird, steht noch nicht fest. „Wir stimmen zur Zeit die Organisationsstrukturen ab. Einen Startzeitpunkt kann ich daher noch nicht genau benennen. Sicherlich werden wir aber eine Entscheidung noch in diesem Jahr fällen.“ Auch der Umfang des Verwaltungsstabs in Boostedt wird derzeit organisiert. Katja Ralfs ist stellvertretende Leiterin des Landesamts für Ausländerangelegenheiten, ihr Vorgesetzter ist und bleibt Ulf Döhring. Katja Ralfs ist verheiratet, hat Kinder und wohnt nördlich von Kiel. Über ihre neue Aufgabe sagt sie: „Ich freue mich darauf. Wir werden viel gemeinsam entwickeln.“  Sie werde engen Kontakt mit der Gemeinde Boostedt halten.bry


 

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