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Schulausschuss : Helene-Lange-Schule wird aufgelöst

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Mindestschülerzahl von 240 auf Dauer nicht zu erreichen. Schulausschuss kritisiert Beratungsfolge bei Schulsanierung in Einfeld

Gunnar Reimers hat als Schulleiter bereits die Wippendorfschule abgewickelt. Jetzt wird er quasi zum Nachlassverwalter auch der Helene-Lange-Schule. Die Regionalschule soll ab dem kommenden Schuljahr keine Fünftklässler mehr aufnehmen und schrittweise auslaufen.

„Das Ende einer Schule ist emotional immer eine blöde Sache“, sagte Reimers am Donnerstag im Schulausschuss. „Aber es gibt Fakten, über die man nicht hinwegsehen kann“, sagte er. Noch hat die Hela 320 Schüler. Doch in diesem und schon im vergangenen Schuljahr konnte gerade mal eine fünfte Klasse gebildet werden – und das auch nur durch Zuweisungen. Bei den Eltern war die Schule nur zweite oder dritte Wahl.

„Auf Dauer ist Schule so nicht machbar, wir sind an einer Grenze“, sagte Reimers. Selbst die Schulkonferenz empfiehlt die schrittweise Auflösung. CDU-Ratsfrau Britta Einfeldt zeigte sich überrascht: „Vor einem Jahr war noch von einer Zusammenlegung mit der Wilhelm-Tanck-Schule und einem Neubau die Rede.“ Schuldezernent Günter Humpe-Waßmuth verwies auf die demografische Entwicklung: „Wir können Pläne machen noch und nöcher. Letztlich entscheiden die Eltern, und es gibt weniger Kinder.“

Die Helene-Lange-Schule werde die für eine Gemeinschaftsschule nötige Schülerzahl von 240 nicht erreichen. Dass die Schulkonferenz selber die Auflösung vorschlage, nannte Humpe-Waßmuth „ungewöhnlich und gut. Hier wurde über den Tellerrand geschaut.“ Wie die Gebäude der Hela künftig genutzt werden können, steht laut Gabriele Bartelheimer von der Schulverwaltung noch nicht fest.

Verärgert zeigte sich der Schulausschuss-Vorsitzende Bernd Delfs (SPD) über das Vorgehen bei der millionenschweren Sanierung der Grund- und Gemeinschaftsschule Einfeld. Der Bau-, Planungs- und Umweltausschuss hatte bereits am 6. Februar 200 000 Euro für die Beauftragung von Fachingenieuren freigegeben. Dem Schulausschuss blieb nur die nachträgliche Kenntnisnahme.

Delfs: „Wir wollen zum Wohle der Schüler nichts verzögern.“ Aber der für die fachliche Beratung zuständige Ausschuss sei nun einmal der Schulausschuss, und der hätte zuerst gehört werden müssen. „Der Startschuss für ein Bauvorhaben mit Kosten von 10,5 Millionen Euro muss rechtssicher sein“, sagte Delfs. Auch Britta Einfeldt rügte: Der von der Bauverwaltung angeführte Zeitdruck sei „hausgemacht“. Die marode Bausubstanz sei schon seit 2012 bekannt. Humpe-Waßmuth versuchte, die Wogen zu glätten. Es gehe erstmal nur um Planungskosten von 200 000 Euro. Dafür sei auch eine Deckung da. „Die anderen Summen haben eine politische Dimension. Das sollte in aller Ruhe politisch diskutiert werden“, so Humpe-Waßmuth.

Der Courier-Kommentar:

So schnell sind Pläne Makulatur

Wie schnell der Schulentwicklungsplan überholt sein kann, zeigt die Helene-Lange-Schule. Vor einem Jahr noch hieß es, sie solle mit der Wilhelm-Tanck-Schule zu einer neuen Gemeinschaftsschule vereinigt werden. Jetzt sagt selbst die Schulkonferenz: Das macht keinen Sinn. Es ist besser, die Schule aufzulösen. Entscheidungen dieser Art wird es künftig öfter geben. Die Eltern stimmen mit den Füßen ab, es gibt es keine sicheren Einzugsgebiete mehr. Und noch wichtiger wird der demographische Faktor: Es gibt immer weniger Schüler, dazu noch Konkurrenz durch neue Oberstufenangebote im Umland, die sogar Gymnasien wie die Alexander-von-Humboldt-Schule (derzeit 70 Prozent auswärtige Schüler) in Schwierigkeiten bringen können. Um so sorgfältiger müssen Millionen Euro schwere Investitionen in Schulneubauten bedacht und geplant werden. Die Hela wird nicht die letzte Schule sein, die schließt.

Rolf Ziehm
 

 

 

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erstellt am 15.Feb.2014 | 07:00 Uhr

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