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Holsteinischer Courier

12. Dezember 2017 | 19:18 Uhr

Kabarett : Heitere Wortsalven aus Niederbayern

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Kunstflecken: Der deutsch-türkische Kabarettist Django Asül begeisterte sein Publikum in der ausverkauften Werkhalle

shz.de von
erstellt am 11.Sep.2014 | 11:00 Uhr

Neumünster | „Hast du irgendwo Notizen gesehen?“ Ungläubig wandte sich Inge Lorenz während der Pause an Heike Lassen. Knapp eine Stunde hatte Django Asül da bereits so viele Wortsalven auf sein Publikum abgefeuert, dass nicht nur den beiden Freundinnen aus Itzehoe schwindlig werden konnte. Zeit für Zwischenapplaus ließ der Kabarettist aus Niederbayern den 320 Besuchern am Donnerstagabend in der Werkhalle kaum. Im Sekundentakt konfrontierte er sein Publikum mit immer neuen Aspekten zur Lage der Nation im Allgemeinen und Bayern im Speziellen.

Ein Niederbayer in Neumünster? Passt das? Die Sorge von Johanna Göb als Verantwortliche des Kunstfleckenprogramms war unnötig. Laut Django Asül gibt es nämlich durchaus Berührungspunkte. „Dass ihr die Haderthauer habt’s zieh’n lassen, damit habt’s ihr Weitsicht bewiesen“, gab er in Anspielung auf die gebürtige Neumünsteranerin und kürzlich zurückgetretene CSU-Ministerin unumwunden zu. Auch für den Veranstaltungsort hatte Asül nur Lob übrig: „Diese Halle diente bestimmt als Vorbild für die Elbphilharmonie, mit dem Unterschied: Die hier ist fertig“, stellte er zur Freude des Publikums fest.

Die ewig Gestrigen der katholischen Kirche nahm der Bayer mit türkischen Wurzeln kräftig aufs Korn: „Es gibt Leute, die behaupten, das ist nicht der Bischof von Limburg, das ist der Tebartz-van Elst. Ja, batzt der Tee, oder was?“

Aber auch Klaus Wowereit bekam für seine Erklärungsversuche zum verschobenen Eröffnungstermin des Berliner Flughafens sein Fett ab: „Ich weiß auch nicht, wie es zu diesem Zahlendreher kommen konnte.“

Seine besten Szenen hatte Django Asül, wenn er volkstümlich wurde. Eindeutige Aussagen aus dem Munde eines bayrischen Stammtischbruders. („Mia brauche de Türk – aber nicht bei uns“) duldeten ebenso wenig Widerspruch, wie der Rat eines türkischen Bekannten. (Musst Du morgen einschalten Fernsehen, da kommt Streichzapfen für Gauck. Kennst Du nicht Streichzapfen? Streichzapfen, das ist wie Kindergeburtstag mit Bundeswehr. Schäuble hat abgesagt. Er lieber bleibt daheim im Parlament und spielt Sudoku. Hast du gewusst dieser Schäuble ganze Tag nur spielt Sudoku? Ich gar nicht habe gewusst, was ist Sudoku – das ist wie Kreuzworträtsel für Analphabeten...“.

Hier zeigte sich Asül als brillanter Charakterdarsteller. Für jede seiner Figuren fand er blitzschnell die richtigen Worte und setzte bei Bedarf die clowneske Mimik auf. Während seines zweistündigen Programms erwies sich Django Asül als virtuoser Heiterkeitserreger, der lässig und en passant Tragisches menschlich servierte.

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