OB-Wahl : Heiße Debatte kurz vor der Wahl

Rund 300 Besucher verfolgten die Podiumsdiskussion im Restaurant der Holstenhallen. Bevor es losgehen konnte, mussten eine Zwischenwand beiseite geschoben und weitere Stühle herangetragen werden. Die Gäste erlebten eine lebendige Diskussion.
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Rund 300 Besucher verfolgten die Podiumsdiskussion im Restaurant der Holstenhallen. Bevor es losgehen konnte, mussten eine Zwischenwand beiseite geschoben und weitere Stühle herangetragen werden. Die Gäste erlebten eine lebendige Diskussion.

Elke Christina Roeder und Dr. Olaf Tauras lieferten sich bei der Podiumsdiskussion von HC und KN einige Wortgefechte.

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08. Mai 2015, 05:30 Uhr

Neumünster | Gleich beim Thema Verkehr ging es zum ersten Mal hoch her. „Sie müssen endlich aufhören, Verkehrsplanung nur in Briefmarken zu denken und sich die ganze Stadt anschauen. Dazu gehören auch die Autobahnzufahrten, auf denen die Besucher doch in die Stadt fahren“, spottete Elke Christina Roeder (SPD) in Richtung von Dr. Olaf Tauras und erhielt dafür spontanen Applaus vom Publikum. Der OB konterte: „Ich bin für pragmatische Planungen und nicht für große Konzepte, die dann in der Schublade verschwinden.“ Es blieb nicht das einzige Wortgefecht der beiden aussichtsreichsten Kandidaten für den Posten des Oberbürgermeisters. Der Verwaltungschef (47) und seine Herausforderin (48) zeigten sich bei der Diskussion mit Courier-Lokalchef Thorsten Geil und Sven Detlefsen von den Kieler Nachrichten im Restaurant der Holstenhallen vor rund 300 Gästen gut vorbereitet und in Wahlkampfstimmung.

Bevor das Wortduell begann, durften die Besucher aber erstmal wählen: Mit Aufklebern konnten sie die ihrer Meinung nach wichtigste Aufgabe bestimmen, die der/die neue OB anpacken soll. Am Ende votierten die Meisten dafür, Kitas und Schulen auszubauen oder zu verbessern. Knapp dahinter lagen „das Image von Neumünster verbessern“ und „Arbeitsplätze schaffen“.

Das ist auch das wichtigste Anliegen von Tauras. Er ging mehrmals auf die Wirtschaftserfolge seiner ersten Amtszeit ein und nannte die Ansiedlung des Designer-Outlet-Centers oder der Holsten-Galerie. „Wir haben über 3000 sozialversicherungspflichtige Jobs in sechs Jahren geschaffen.“ Diese Linie wolle er weiterverfolgen und vor allem Logistik und Handel in der Stadt stärken. Für den an der A7 entstehenden Gewerbepark Eichhof versprach er: „In fünf Jahren ist der 1. Bauabschnitt voll. Es gibt aussichtsreiche Gespräche mit Interessenten.“

Tauras’ weitere Ziele: keine Schulden auf Kosten der nächsten Generationen, ein Leerstandsmanagement für die Innenstadt, eine Aufwertung des Großfleckens und ein Stadtteil-Entwicklungskonzept. „Wir müssen Wohnraum für Ältere schaffen. Niemand verlässt im Alter gerne seinen Stadtteil“, sagte er.

Für Elke Christina Roeder stehen dagegen Bildung sowie die Ansiedlung von mehr Industrie in der Stadt ganz oben auf der Agenda. „Handel und Logistik sind gut, reichen aber nicht aus. Wir brauchen auch mehr Handwerk und Industriebetriebe.“ Hier wolle sie ein neues Konzept der Landesregierung aufgreifen.

Sie forderte eine bessere Kooperation der Schulen, einen Ausbau der Hort- und Ganztagsplätze, den Bau von Mensen an allen Grundschulen sowie eine Jugendberufsagentur als Unterstützung beim Übergang von der Schule ins Berufsleben. Kritik übte sie am Baustellenmanagement und an der Unterhaltung der öffentlichen Gebäude in der Stadt. „Wenn man seine Häuser nicht instand hält, muss man irgendwann viel Geld investieren“, sagte sie mit Blick auf die Grund- und Regionalschule in Einfeld, die nun neu gebaut wird. Tauras konterte die Angriffe ein ums andere Mal mit dem Argument der Finanzierung: „Ich weiß nicht, wie Sie das bezahlen wollen, Frau Roeder!“

Komplett unterschiedliche Ansichten hatten die beiden Kandidaten auch bezüglich der Erreichbarkeit der Innenstadt und des Parkplatzkonzepts. Roeder würde sich im Falle ihrer Wahl von Verkehrsexperten beraten lassen. „Ich kann mir mehr ‘Park&Ride-Plätze’ vorstellen“, sagte sie. Für Tauras ist die derzeitige Verkehrsführung in die Innenstadt dagegen „die beste mögliche Lösung. Aber wir schauen natürlich immer, wo wir nachbessern können.“

Nach gut anderthalb Stunden konnten dann die Besucher ihre Fragen an die Kandidaten loswerden – und davon gab es einige. Im Zuschauerraum hörten unter anderem Sven Schmidt, Kandidat der Alternative für Deutschland (AFD), und der AFD-Kreisvorsitzende Jannick Joost zu. Joost wollte von Tauras wissen, warum er ein Angebot der Volksbank an die Stadt abgelehnt habe, ihr Gebäude am Kuhberg zu kaufen, abzureißen und somit den Weg für eine direkte Zufahrt zum Parkhaus der Holsten-Galerie frei zu machen. Tauras gab darauf eine kurze Antwort: „Weil es keinen Sinn macht.“

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