zur Navigation springen

Gemeinsames Theaterstück : Heimat und Flucht auf der Bühne

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Junge Flüchtlinge und Walther-Lehmkuhl-Schüler haben gemeinsam ein Theaterstück erarbeitet.

shz.de von
erstellt am 22.Jun.2016 | 10:00 Uhr

Neumünster | „Wir stehen zusammen.“ So lautete das Motto zum Weltflüchtlingstag am 20. Juni, und so könnte man auch eine gemeinsame Projektarbeit von Daz- (Deutsch als Zweitsprache) und Walther-Lehmkuhl-Schülern beschreiben. Zeitgleich mit dem Weltflüchtlingstag feierte ihr Dokumentar-Theaterstück „Zwischenraum – Flucht in eine neue Welt“ von Andreas Gilles am Mittwochabend Premiere im Theater in der Stadthalle.

65 Millionen Menschen sind laut der UN weltweit auf der Flucht, und acht Flüchtlinge standen jetzt auf der großen Bühne in Neumünster. Gemeinsam mit acht einheimischen Oberstufenschülern zeichneten die jungen Darsteller aus dem Daz-Kursus eindrucksvoll die Flucht eines jugendlichen Geschwisterpaares aus Libyen über das Mittelmeer nach Istanbul nach. Dort werden sie an eine Diebesbande verkauft. Es dauert anderthalb Jahre, bis ihnen nach etlichen Übergriffen und Repressalien eine weitere Flucht gelingt. In einem Lkw versteckt erreichen sie Deutschland und versuchen, hier eine neue Heimat zu finden. Das ist ein schwerer Prozess, in dem sich die beiden Geschwister immer fremder werden.

„Wenn man bedenkt, dass die jungen Darsteller vor ihrer Flucht keine Deutschkenntnisse hatten, traumatische Erlebnisse hinter sich haben und noch nicht einmal ein Jahr in Deutschland sind, kann man ihre schauspielerischen und sprachlichen Leistungen gar nicht hoch genug würdigen“, sagte die Theaterpädagogin Nadeshda Gerdt nach der Vorstellung. Ein halbes Jahr betreute sie das Bühnenprojekt. Mit einfachen Sprach- und Leseübungen startete sie, Anfang Juni waren alle Rollen besetzt, und zur Premiere spielte jeder Darsteller seinen Part auswendig und mit Leidenschaft. „Die Aussicht, auf der großen Bühne zu spielen, war für viele ein Ansporn“, sagte Nadeshda Gerdt. Auch die Zusammenarbeit mit den deutschen Schülern sei ein großer Gewinn für beide Seiten. „Aus der gesichtslosen Masse der Flüchtlinge treten Menschen mit eigenen Geschichten hervor. Für die Akzeptanz untereinander ist das gemeinsame Theaterspiel von großer Bedeutung“, sagte sie. Als Schauspieler müsse man sich öffnen – egal, aus welchem Land oder aus welchem Kulturkreis man komme.

Gestern Vormittag wurde das einstündige Stück noch einmal aufgeführt. 300 Schüler und Jugendliche zeigten sich tief beeindruckt.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen