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Bund der Vertriebenen : Heimat in Neumünster gefunden

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der Bund der Vertriebenen und die Landsmannschaften gedachten mit Gottesdienst und Empfang im alten Ratssaal ihrer Gründung vor 65 Jahren.

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erstellt am 16.Jan.2014 | 07:30 Uhr

Mit einem gut besuchten Gottesdienst in der Vicelinkirche und einem Empfang im historischen alten Ratssaal gedachte gestern der Bund der Vertriebenen (BdV) der Gründung der Landsmannschaften der Schlesier und Sudetendeutschen vor genau 65 Jahren.

31 534 Vertriebene – so auch der Titel einer Dokumentation des BdV-Kreisvorsitzenden Willi Treetzen – fanden nach dem Zweiten Weltkrieg eine neue Heimat in Neumünster, das durch Luftangriffe selbst schwer gezeichnet und zu einem Drittel zerstört war. „Nissenhütten prägten in dieser Zeit das Bild der Stadt“, sagte Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras und nannte es einen „tiefen Ausdruck von Menschlichkeit und Zusammengehörigkeitsgefühl“, dass man in Zeiten großer Not zusammenstand. Die Vertriebenen seien schnell zu einem Teil der Neumünsteraner Gesellschaft geworden und hätten sich hier neue Existenzen aufgebaut.

Tauras bekundete den Stolz der Stadt, „dass hier in Neumünster eine so aktive Vertriebenenarbeit geleistet wird“. Eine der Aufgaben und Leistungen der Vertriebenen sei es, die Erinnerung zu wahren, damit es nicht wieder zu solchen Gräueltaten wie im Krieg und im Nationalsozialismus kommen kann. Diese Erinnerung helfe auch beim Blick auf das aktuelle Tagesgeschehen, sagte Tauras mit Blick auf Millionen Menschen, die heute Krieg und Vertreibung erleben. Tauras: „Vor dem Hintergrund unserer Geschichte und mit der Erinnerung, was Krieg auslöst, sehen wir das Leid der zum Beispiel syrischen Flüchtlinge vielleicht anders und bieten gerne unsere humanitäre Hilfe an.“

Treetzen erinnerte in seinem Festbeitrag an die Mahnung der Eltern- und Großelterngeneration: „Macht aus der Fremde eure neue Heimat, lasst aber die Heimat nicht zur Fremde werden“. Die Fahne der Schlesier aus dem Jahr 1925 und die Pommernfahne von 1927 belegten, dass bereits in den 20er-Jahren Textilarbeiter aus Schlesien und Pommern in Neumünster tätig und aktiv waren.

Unter den Gästen konnte Willi Treetzen mit Sieglind Zarbock und Georg Fellmann von der Landsmannschaft Nieder- und Oberschlesien sowie den Pommern llse Preuß, Ruth Pries und Ewald Wussow sogar noch fünf Gründungsmitglieder von 1949 begrüßen. Dem Oberbürgermeister überreichte Treetzen ein Exemplar seiner Dokumentation „Flüchtlinge und Vertriebene in Neumünster“ für das Stadtarchiv. Für Propst Stefan Block, der mit Pastorin Simone Bremer die Andacht hielt, hatte Treetzen einen Zeitungsartikel aus dem Jahr 1953. Er beschreibt den Weg der Arnswalder Glocken, die einer Einschmelzung im Krieg auf dem Hamburger Glockenfriedhof entgingen und heute im Turm der Anscharkirche läuten.

Im August steht für den Bund der Vertriebenen und seine Landsmannschaften bereits die nächste Gedenkstunde an. 1954, also vor 60 Jahren, wurde die Kreisgemeinschaft Lötzen gegründet, für die die Stadt Neumünster die Patenschaft übernahm. Auch das soll gebührend gefeiert werden.

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