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Runder Geburtstag : Heilsamer Lesestoff seit 30 Jahren

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Evangelische Krankenhausbücherei feiert ihr rundes Bestehen mit einem Empfang und zwei Lesungen.

shz.de von
erstellt am 20.Apr.2017 | 12:00 Uhr

Neumünster | Liebesroman, leichte Lektüre zum Ablenken, kurze Geschichten als Literatur-Häppchen und auch manchmal Comics sind bei den Patienten im FEK als Lesestoff sehr beliebt. „Aber auch Fallada ist sehr gefragt“, sagt Elke Timm. Sie war von Anfang an dabei, als die Evangelische Krankenhausbücherei gegründet wurde. Doch die 20 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen machen weit mehr als nur Bücher verteilen – sie haben ein Ohr für die Patienten und helfen auch mal mit einem tröstenden Wort oder Rat weiter. Die Bücherei feiert jetzt ihr 30-jähriges Bestehen.

„Man hört einfach erstmal zu, viele sprechen über ihre Krankheit, von ihrem Leben, was sie bedrückt“, sagt Hilke Ahrendt. Die 70-Jährige Wittorferin ist seit 1993 dabei: „Ich hatte immer schon einen Draht zum FEK, habe außerdem selber gerne gelesen.“ Je ein Zweierteam besucht ein Jahr lang fest eine zugeteilte Station. Auch wenn Patienten schnell wechseln, lernen die Bücher-Damen diejenigen besser kennen, die länger bleiben. Besucht werden alle Stationen von der Kinder- bis zur Geriatrie- und Palliativstation.

Die Klientel geht quer durch alle Bevölkerungsschichten vom Kleinkind bis zum betagten Senioren – was schon eine gewisse Menschenkenntnis bei den Bücher-Frauen voraussetzt. „Bei Kleinkindern leihen sich Eltern Bilder- oder Kinderbücher zum Vorlesen aus. In der Psychiatrie sind die Bibel, der Koran oder auch medizinische Ratgeber beliebt. Gut gehen auch Krimis, besonders die nordischen mit Lokalkolorit. Gern gelesen sind auch Biografien oder auch mal Goethe und Schiller. Wir versorgen die Patienten auch mit aktueller Literatur“, sagt Elke Timm. Aktuell verfügt die Bücherei über 5800 Bücher, Spiele, Hörbücher und andere Medien – auch in Türkisch, Polnisch, Russisch, Arabisch. Versorgt werden bis zu 600 Patienten; ausgeliehen wird auch an die FEK-Mitarbeiter, die die Bücher mit nach Hause nehmen dürfen.

Bücher haben eine heilsame Wirkung: Sie vertreiben die Langeweile in einer Situation, in der so mancher gerade voller Sorgen auf eine Diagnose oder auf eine Therapie wartet. „Wir besuchen die Menschen und bringen ihnen etwas. Es ist gut, dass Patienten lesen, denn Bücher öffnen Horizonte“, sagt Elke Timm. „Man macht das, weil man selbst gerne liest und anderen das vermitteln möchte“, sagt Bücher-Frau Cornelia Wannagat.

Das war auch früher schon so: „In einem Keller voller Regale fing es vor 30 Jahren mit der Patientenbücherei an, wir waren zu sechst. Wir fuhren über die Stationen mit Bücherwagen, die der Schlosser des Krankenhauses zusammenmontiert hatte. Wir hatten ein halbes Jahr Bücher zusammengetragen, immerhin 1750 Stück“, erinnert sich Elke Timm, die seit 1993 die Bücherei leitet. Die Idee hatte die Krankenschwester Sabine Scheuermann, die das Konzept aus Lübeck mitbrachte. Nach dem Start wuchs der Medienbestand rasant durch viele Spenden von Service-Clubs und anderen Unterstützern. Die Ausleihzahlen boomten. Aktuell gehen sie zurück – eine Folge von Internet & Co.

Gefeiert wird der runde Geburtstag mit einem Empfang für geladene Gäste, außerdem mit einer Lesung von Günther-Jauch-Kandidatin Meike Winnemuth aus ihrem Bestseller „Das große Los“ am Mittwoch, 26. April, um 19.30 Uhr im Patientencafé (Anmeldung: Tel. 4 05 10 26). Eine zweite Lesung von Mitarbeiterinnen findet am Donnerstag, 27. April, um 19.30 Uhr in der Krankenhausbücherei (Altbau, Haus C) statt. Bei beiden Lesungen ist der Eintritt frei.

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