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Holsteinischer Courier

18. August 2017 | 01:38 Uhr

Weihnachten : Heiligabend bei Familie Pastor

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Zwischen Kanzel und Bescherung: Für Pastor Ole Kosian ist heute ein harter Arbeitstag, darum fällt die Familienweihnacht etwas anders aus.

Neumünster | An Weihnachten 2010 erinnert sich Katrin Kosian (37) noch genau: „Ich habe damals den Fehler gemacht, an Heiligabend mit der Familie gemeinsam den Baum schmücken zu wollen“, sagt sie und schmunzelt. „Das mag in anderen Familien funktionieren, aber nicht, wenn man einen Pastor als Mann hat.“ Ole Kosian ist seit 2010 Pastor in der Erlöserkirchengemeinde in Gadeland und hat traditionell am 24. Dezember gut zu tun. Tochter Ella (10) bringt es auf den Punkt: „Wir feiern anders Weihnachten als die anderen.“

Um 7 Uhr klingelt heute der Wecker von Ole Kosian. Während seine Frau, Ella und die Söhne Per (6) und Birk (2) sich nochmal in die Kissen und Familienhund Nike in das Körbchen kuscheln, trinkt der gebürtige Oldenburger den ersten Kaffee. Einige weitere werden noch folgen. „Je später der Tag, umso stärker wird die Mischung“, sagt er und steckt sich, wenn es gut läuft, noch schnell einen der vielen selbstgebackenen Kekse in den Mund. „Ich muss aufpassen, dass er überhaupt was isst. Das vergisst er meistens“, sagt Katrin Kosian und grinst. Dann geht ihr Mann von der Pastorenwohnung zum ersten Mal die wenigen Schritte rüber in die Kirche.

Mikrofon prüfen, Licht ausrichten, Gesangszettel falten und auslegen, Stühle schleppen. „Ich genieße die Ruhe in dieser Zeit der Vorbereitung, ehe es ab dem Nachmittag voll wird“, sagt er. Wie in den vergangenen Jahren rechnet Ole Kosian auch diesmal wieder mit bis zu 250 Besuchern pro Gottesdienst, bei der Christmette um 23.30 Uhr immerhin noch mit 120.

Gleich um 14 Uhr ist er dran, hält nach dem Krippenspiel mit Pettersson und Findus die Predigt. Dann ist die gesamte Familie dabei. Ole Kosian weiß, dass die Leute auf Weihnachten eingestimmt werden wollen und trotzdem aktuelle Ereignisse wie der Terror in Deutschland nicht ausgeblendet werden dürfen. „Selbstverständlich gehe ich auf das ein, was in Berlin passiert ist“, sagt er.

Um 15.30 Uhr tritt er mit Tochter Ella in dem von den Pfadfindern und Jugendlichen eingeprobten Stück „Wegen Überfüllung geschlossen“ auf. Anschließend wird aus dem Pastor dann der Ehemann und Papa.

Zuhause ist Bescherung und das Weihnachtsessen – oder umgekehrt: „Wir richten uns da nach den Kindern. Haben sie Hunger, gibt es erst Essen. Sind sie aber so aufgeregt wegen der Geschenke und können eh nichts essen, machen wir erst die Bescherung“, sagt Katrin Kosian, die den Vormittag für letzte Vorbereitungen nutzt. Sie deckt den Tisch festlich für selbstgebackene Brötchen, Fisch- und Käseplatte.

Der Weihnachtsmann spielt bei den Kosians übrigens wie Wunschzettel keine Rolle. Die Geschenke liegen bereits seit Tagen eingepackt auf dem Wohnzimmerschrank. „Die Kinder wissen, dass wir ihnen etwas schenken, weil wir sie lieb haben“, sagt Ole Kosian. Auch von den Kindern bekommen er und seine Frau etwas; dabei sind die Kleinen sehr kreativ. „Im vergangenen Jahr ist Per durch die Wohnung gelaufen und hat Dinge eingepackt, die wir gerne haben“, erzählt Katrin Kosian. So gab es für sie etwa ein Malzbier, für Papa eine Vanille-Cola. Besuch kommt in diesem Jahr nicht, aber viele Gemeindemitglieder klingeln nochmal an der Tür, wünschen „Frohe Weihnachten!“ und bestaunen die skandinavisch und ausschließlich in rot und gold verzierte Nordmanntanne im Wohnzimmer. Das Schmücken ist übrigens Chefinnensache: „Das muss ich machen, sonst sieht das nicht aus“, sagt sie lächelnd.

Um 22 Uhr, wenn zumindest die kleinen Kinder im Bett sind, schaltet Ole Kosian wieder in den Dienstmodus, wie er sagt. Die Christmette steht an. Im Anschluss wird traditionell noch mit den Kollegen und Mitarbeitern angestoßen. Wenn er dann um weit nach Mitternacht im Bett liegt, kann auch der Pastor sich erholen. Bis zum neuen Jahr hat er nach Weihnachten erstmal Urlaub.

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erstellt am 24.Dez.2016 | 13:00 Uhr

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