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Holsteinischer Courier

17. Oktober 2017 | 00:33 Uhr

Abriss : Heilig-Kreuz-Kirche ist Geschichte

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Das Gebäude in Tungendorf ist abgerissen / Glocken und andere religiöse Gegenstände finden in Afrika, Polen und Siegen eine neue Heimat

shz.de von
erstellt am 15.Apr.2015 | 05:45 Uhr

Neumünster | Es war gestern ein bewegender Moment für die Mitglieder der katholischen Gemeinde: Ab morgens um 8 Uhr rückte ein Bagger im XXL-Format an, um den Turm und das Kirchenschiff der Heilig-Kreuz-Gemeinde in Tungendorf am Veilchenweg abzureißen. Pfarrer Peter Wohs war schon morgens vor Ort, um den historischen Tag mitzuerleben. „So etwas macht man nicht gerne, aber wir müssen realistisch bleiben. Wir konnten es nicht mehr rechtfertigen, das Gebäude aufrecht zu erhalten“, sagte er. 2013 war die 52 Jahre alte Kirche mit einem Abschiedsgottesdienst entweiht worden.

Anlieger und Kirchengemeindemitglieder kamen den ganzen Tag über, um Erinnerungsfotos zu knipsen und dabei zu sein. Martina Woltmann (56) ist seit 25 Jahren in der Gemeinde tätig. Sie verdrückte ein paar Tränen, als Holger Diestel, der Fahrer des sogenannten 80-Tonnen-Longfront-Baggers der Firma Tespe aus Lüneburg, mit seiner Schere Stück für Stück den Turm „abknabberte“. „Ein Stück Heimat geht verloren, das ist schon bitter. Damit verlieren wir nach Einfeld die zweite Kirche“, sagte die Einfelderin bewegt, die damit die 1992 abgerissene St. Josef-Kapelle an der heutigen Straße Op de Geest meint. Für sie war ein kleines Trostpflaster, dass die zweite geschlossene Kirche St. Bartholomäus am Wernershagener Weg zur Kita umgebaut wird (der Courier berichtete). Auch für den Baggerfahrer war es ein besonderer Tag: „Ich habe noch nie eine Kirche abgerissen“, sagte der 51-jährige Maschinist. Auch Architekt Markus Leenen vom Baureferat des Erzbistums Hamburg war ab 8 Uhr morgens vor Ort, machte Fotos und verfolgte den Abriss. „Die Kirche ist für das Archiv dokumentiert worden, alle kirchlichen Gegenstände wurden vorher ausgeräumt“, betonte er.

Alles, was verwendet werden kann, findet eine neue Heimat, erklärt Pfarrer Peter Wohs. Die Walcker-Orgel mit zwölf Registern spielt jetzt in der Kirche der katholischen Gemeinde im polnischen Lutomiersk bei Lodz. Die drei Glocken sind bereits an katholische Gemeinden in Tansania und Äthopien geschickt worden. Kreuz und Taufbecken tun in einer katholischen Gemeinde im afrikanischen Togo ihren Dienst; der Kontakt kam über Pastor Orphée-Honorat Aghahey von der St.-Josef-Gemeinde in Heide zustande. Die wertvollen Fenster wurden ausgebaut und werden zurzeit von der Firma Schneemelcher in Quedlingburg im Harz gereinigt und sollen nach Siegen bei Dortmund reisen. Dort plant die polnische Gemeinde eine Kapelle für internationale Begegnungen von Jugendlichen, in die die Fenster eingebaut werden sollen. Weitere Gegenstände wie Kerzenständer, liturgische Kleidung und Geräte wurden auf St. Maria-St. Vicelin sowie die Gemeinden in Nortorf und Flintbek verteilt. Eine Marienfigur („Pieta“), die Maria mit dem gekreuzigten Jesus zeigt, wird vom Holzwurmschäden befreit und soll in St. Maria-St.Vicelin „einen würdigen Platz“ bekommen, so Wohs.

Und was passiert jetzt? Der 41-jährige Käufer aus Schleswig-Holstein, der seinen Namen nicht in der Zeitung genannt haben möchte, hat Wurzeln im Großraum Neumünster und möchte im Pastorat, das nicht abgerissen wird, „bezahlbare Wohnungen für Familien“ einrichten. Für das Grundstück hat er noch keine Pläne, möchte aber etwas machen, „das sich in den Stadtteil einfügt“.

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