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Martinskapelle Husberg : Heide Simonis stellte Märchen auf den Kopf

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die ehemalige Ministerpräsidentin las in der Martinskapelle in Husberg aus ihrem Buch.

Bönebüttel | Die Veranstaltungsreihe „Kultur in der Kapelle“ hatte einen hochkarätigen Gast geladen: Heide Simonis (70). Sie war die erste Ministerpräsidentin der Bundesrepublik und führte das Amt länger als ihre Vorgänger und Nachfolger.

Am Freitagabend war die ehemalige Landesmutter in der Martinskapelle in Husberg und las aus ihrem neuen Buch „Alles Märchen. Insider packen aus“ vor. Die rund 90 Besucher lauschten respektvoll-gespannt einer Auswahl aus dem insgesamt 15 Märchen umfassenden Buch. „Ich habe mit meinem Mann eineinhalb Jahre in Japan als auch in Afrika gelebt. Wir haben festgestellt, dass wir uns den Ländern über deren Märchen nähern können. In ihnen zeigt sich die Sehnsucht derer, die Kummer haben und die Wunschvorstellung, wie es besser sein könnte“, erläuterte die Autorin die Wahl des Genres. „Das habe ich auf Deutschland übertragen“, fügte sie hinzu. Dabei dreht sie bekannte Volksmärchen der Brüder Grimm auf den Kopf: Die einstige SPD-Spitzenpolitikerin, die sich auch durch besonderes soziales Engagement etwa für Sinti und Roma ausgezeichnet hat, lässt diejenigen zu Wort kommen, die in der traditionellen Überlieferung entweder schlecht da stehen, wie etwa die Stiefmütter, oder nicht zu Wort kommen, wie die Angestellten. Im Gegenzug entzieht sie den stets makellosen Helden ihr Ideal und bringt amüsant-überraschende Banalität in die Geschichten. Wer hat sich denn schon mal gefragt, wie unangenehm Dornröschens Atem nach Jahren des Schlafs riechen mag? Und dass der Prinz, eher vom leeren Portemonnaie als übervollem Herzen angetrieben, sie nur dank einer Schnupfnase küssen könnte?

„Die Lesung hat mir sehr gut gefallen. Besonders die Tatsache, dass sie die Märchen aus neuen Perspektiven erzählt hat,“ sagte Andrea Gripp aus Neumünster, die sich das Buch gekauft hatte und signieren ließ. Den ehemaligen Pastor der Kirche, Christian Kröger, sprach noch ein anderer Aspekt an: „Das Verhältnis zwischen Frauen und Männern ist interessant dargestellt. Eine gute und feinsinnige Unterhaltung.“

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