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Gerichtsbericht : Haushaltshilfe steckte edlen Schmuck ein

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Das Gericht verurteilte eine Frau zu einer Bewährungsstrafe.

Neumünster | Sie war nur vier Monate als Haushaltshilfe für eine Unternehmerfamilie in der Nähe von Neumünster tätig. Gestern wurde die junge Frau (24) vom Schöffengericht wegen Diebstahls und Betrugs verurteilt. Im Sommer 2014 soll sie ihrem Arbeitgeber laut Anklage 17 Schmuckstücke im Gesamtwert von über 400  000 Euro gestohlen und rasch bei einem Juwelier sowie einem Pfandhaus in der Stadt zu Geld gemacht haben.

Die junge blonde Frau aus dem Kreis Segeberg stand das erste Mal vor Gericht. Unumwunden gab sie gestern zu, sich damals am teuren Schmuck der Unternehmerin bedient zu haben. „Dass ich das gemacht habe, will ich nicht abstreiten. Das war sehr dumm. Aber ich hatte große finanzielle Probleme. Ich war so verzweifelt“, schilderte die Angeklagte ihr Motiv und bat um Entschuldigung. Sie berichtete, wie kurz zuvor ihr Vater nach langer Krankheit gestorben war. Weil sie aufgrund der Belastung zu viele Fehlzeiten hatte, legte ihr alter Arbeitgeber ihr die Kündigung nahe – der gut bezahlte Job in leitender Funktion war weg. Doch Mietschulden, Versicherungen und weitere laufende Kosten drückten. Auch als sie im Mai 2014 die neue Stelle antrat, reichte das Geld hinten und vorne nicht.

Eigentlich hatte die neue Haushaltshilfe in den Schlafräumen ihrer Arbeitgeber nichts zu suchen. Doch als sie mal Wäsche hochbrachte, sah die Angeklagte nach eigenen Angaben „zwei goldene Ringe auf dem Sekretär. Ich hab sie genommen und dann versetzt. Ich habe gar nicht groß nachgedacht“, sagte sie. Beim Juwelier und im Pfandhaus fragte offenbar niemand genauer nach. „Ich habe einfach gesagt, der Schmuck gehöre mir“, so die Frau. Drei Mal griff sie laut Geständnis zu. Dabei blieb unklar, ob sie den Schmuck stets vom Sekretär nahm oder gar heimlich den Safe öffnetet. Fünf mal versilberte sie die teuren Stücke, darunter einen goldenen Armreif mit Saphiren und eine mit Brillanten verzierte Armbanduhr. Für die Besitzerin, die als Zeugin auftrat, hatten die Stücke nicht nur finanziellen, sondern auch ideellen Wert. Einige waren Geschenke. Dass die Diebstähle schnell aufflogen, ist einem Zufall zu verdanken. Der Hamburger Juwelier, der die Unikate hergestellt hatte, erkannte seine Arbeit wieder, als das Pfandhaus ihn bat, den Wert einzuschätzen. Er informierte die Familie. Die schaltete sofort die Polizei ein.

In seinem Urteil würdigte das Gericht nicht nur den immensen Schaden, den die Frau anrichtete, sondern kritisierte auch den „Missbrauch des Vertrauens“. Gleichzeitig hielten die Juristen ihr zugute, dass sie den Wert des Schmucks wohl kaum abschätzen konnte – „es war Ihnen aber sicher klar, dass es kein billiger Modeschmuck war“, so der Richter.

Er verurteilte die Frau zu einem Jahr und neun Monaten Haft, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurden. Ein Bewährungshelfer wird ihr zur Seite stehen. Als spürbare Reaktion muss die Frau 200 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Der Staatsanwalt hatte zwei Jahre Haft auf Bewährung gefordert, der Verteidiger auf anderthalb Jahre plädiert. Ihre Schmuckstücke wird die Unternehmerin nicht alle wiedersehen. Zum Teil wurden sie eingeschmolzen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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erstellt am 08.Mär.2016 | 08:00 Uhr

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