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Gebäude am Teich : Haus Nummer 7 ist auf Fels gebaut

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Das Gebäude am Teich Nummer 7 hat eine wechselvolle Geschichte. Lange war es das Domizil der SPD Neumünster. Einmal vernichtete ein Feuer die Räume.

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erstellt am 05.Apr.2014 | 12:30 Uhr

Seit rund 100 Jahren steht das Haus Am Teich Nummer 7 fest auf Fels gebaut. Jetzt wird es dem Bau der Holsten-Galerie weichen müssen. Wann das Gebäude mit der wechselvollen Geschichte genau erbaut wurde, ist nicht ganz klar. „Es wurde kurz vor dem Ersten Weltkrieg von einem Zahnarzt namens Möller errichtet“, erinnert sich Rechtsanwältin Heide Mader (66), die lange Jahre im Erdgeschoss eine Rechtsanwaltskanzlei hatte und deren Ehemann Gernot (73) der letzte Besitzer des unteren Stockwerks vor dem Verkauf an ECE war.

Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg kauften der Courier-Verleger Karl Wachholtz und seine Frau Ilse das dreigeschossige Gebäude. Als am 7. April 1945 das benachbarte Courier-Haus am Gänsemarkt durch Bomben zerstört wurde, blieb das Haus Nummer 7 nahezu unversehrt. Daraufhin wurden Teile des Verlages dort untergebracht. Im oberen Teil des Gebäudes wohnte weiterhin der Zahnarzt Möller. 1950, als das Courier-Haus zum Teil wieder aufgebaut war, wurde auch der ausgelagerte Bereich des Wachholtz-Verlages an den Gänsemarkt zurück geholt.

In die nun freie Wohnung im Untergeschoss Am Teich Nummer 7 zog dann der Sohn des Besitzers, Ulf Wachholtz, mit seiner Frau Dr. Gisela. „Die Wohnung war damals aber nicht sehr groß. Es fehlte ja noch der komplette Anbau am Haus“, beschreibt Heide Mader die Unterschiede. „Dafür gab es aber einen Garten. Da konnten wir zumindest mal die Tür aufmachen und die Kinder zum Spielen rausschicken“, sagt Dr. Gisela Wachholtz. Im September 1952 zog im Erdgeschoss die SPD ein und blieb dort für 28 Jahre bis zum August 1980. Später eröffnete das türkische Lokal „Bosporus“.

1979, nach dem Tod von Ilse Wachholtz, ging das Gebäude an Juliane Marsian-Aabakke. Ende der 80er-Jahre brach im Haus ein Feuer aus und richtete immensen Schaden an. Das Gebäude musste aufwändig renoviert werden. Gleichzeitig wurde im hinteren Bereich angebaut. Danach zog kurzfristig eine Unternehmensberatung ein.

1991 eröffnete dann Heide Mader ihre Anwaltskanzlei im Erdgeschoss – erst zur Miete, 1993 wurde das Haus dann etagenweise verkauft. Während unten die Juristin mit Kollegen arbeitete, wohnte über der Kanzlei ein älteres Ehepaar. Im zweiten Stock war die Betriebs- und Verwaltungsgesellschaft von Hermann Marsian angesiedelt. Vor drei Jahren zogen die Kollegen von Heide Mader mit der Kanzlei an die Bahnhofstraße.

An ihre Jahre am Teich Nummer 7 erinnert Heide Mader sich gern. „Es ist ein schönes Haus, wenn auch nach vorne hin recht laut. Die Fenster zum Teich hin konnte man wegen des Verkehrs kaum öffnen – besonders, als das Kopfsteinpflaster noch da war“, sagt sie. Der kleine Garten hinten war hingegen sehr schattig, wurde aber im Sommer von Kollegen in der Pause dennoch geschätzt.

Außerdem hat das Haus manche Besonderheit. So gibt es zum Beispiel noch eine alte Schiebetür mit kunstvollen Fenstern. Allerdings war die in den letzten Jahren stets in einer Wand verborgen, weil der große Raum zur Straße hin geteilt werden musste.

Eine Seltenheit zeigt sich auch im Keller. In den niedrigen Räumen ist deutlich zu sehen, dass das Haus direkt auf Felsen gebaut wurde. An der Teichseite ist sogar ein zirka ein Meter hoher Stollen in Richtung Wasser getrieben worden. Welche Funktion der Gang ursprünglich hatte, ist unklar. Sicher ist laut Ralf-Joseph Schnittker, Leiter des Fachdienstes Gebäudewirtschaft und Tiefbau der Stadt, dass der kleine Stollen bereits Teil eines Gebäudes war, das vor dem jetzigen Haus an dieser Stelle stand.

Ob der ungewöhnliche Stollen möglicherweise als Ablauf bei Überschwemmung diente, weiß niemand mehr. Zumindest hat der dunkle Gang einst wunderbar genau in diesem Sinne funktioniert, als bei Heide Mader einmal das Wasser ziemlich hoch im Keller stand. „Am nächsten Tag war alles wieder abgelaufen“, erzählt sie.

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