Grossenaspe : Hat der Gülle-Unfall weitere Folgen?

Die Biogasanlage in Brokenlande steht im Verdacht, Auslöser eines großen Umweltschadens in der Hardebek-Brokenlander Au zu sein. Doch die Experten sind noch uneins.
Die Biogasanlage in Brokenlande steht im Verdacht, Auslöser eines großen Umweltschadens in der Hardebek-Brokenlander Au zu sein. Doch die Experten sind noch uneins.

Ein Abwasserpilz macht Teile der Hardebek-Brokenlander Au für Lebewesen unbewohnbar. Experten suchen jetzt nach der Ursache.

shz.de von
12. Juni 2014, 12:00 Uhr

Grossenaspe | In zwei Bachläufen im Umfeld der Biogasanlage in Brokenlande blüht seit Anfang Juni ein sogenannter Abwasserpilz und macht durch sauerstoffzehrende Bakterien die Hardebek-Brokenlander Au für Lebewesen unbewohnbar. Schnell lag die Vermutung nah, dass der Pilz durch den Gülle-Unfall Ende Januar, bei dem rund zwei Millionen Liter aufgrund eines defekten Ventils ausliefen, (der sh:z berichtete) verursacht wurde. Doch mittlerweile gehen die Expertenmeinungen hinsichtlich des Auslösers auseinander.

Peter Eggers, Vorsitzender des Sportangel-Vereins (SAV) Hardebek, hat den kilometerlangen Pilzbefall der Wasserläufe beim Landessportfischer-Verband (LSFV) gemeldet sowie bei der zuständigen Wasserbehörde in Bad Segeberg angezeigt. Seitdem betreiben sowohl die Segeberger Umweltpolizei als auch die Wasserbehörde und ein Biologe des LSFV hier Ursachenforschung.

„Dieser Abwasserpilz kommt so in der Natur nicht vor. Er entsteht durch die langfristige Einleitung von Gülle oder ähnlichen Stoffen. Ein Zusammenhang mit dem Gülle-Unfall liegt nahe. Der Pilz kann jedoch auch durch ein neuerliches Ereignis entstanden sein“, erklärte Eggers. „Ob die Verunreinigung für den Menschen gefährlich ist, steht noch nicht fest. Vom Angeln und Verzehr der Fische wurde uns jedenfalls dringend abgeraten“, berichtete er. Mittlerweile hat sich die zunächst leuchtend rote Farbe der Auswüchse in ein Braun verwandelt. „Wir hoffen jetzt, dass die Kräfte der Natur die Regeneration ermöglichen werden“, so Eggers weiter.

Auf Anfrage bestätigte Armin von Anshelm von der Wasserbehörde das Andauern der Untersuchungen. Allerdings gestalteten sich diese schwierig, da sich in Fließgewässern die Gegebenheiten ständig änderten. „Wir sind dort tätig. Fest steht, dass auf rund 4,5 Kilometer Länge schwere Schädigungen vorhanden sind. Kleinstlebewesen, wie zum Beispiel Krebse, sind in diesem Bereich abgestorben. Die Wiederbesiedlung wird sicherlich Monate, wenn nicht Jahre dauern“, erklärte er. Tote Fische habe man bisher nicht gefunden, da Fische bei Sauerstoffmangel im Wasser einfach weiterziehen. Einen Zusammenhang mit dem Gülle-Unfall sieht der Fachmann hingegen nicht. „Das ist nicht logisch, da die Schäden in nördlicher Richtung sowie in Fließrichtung der Bäche zur Biogasanlage liegen“, so Armin von Anshelm. „Die Wasserqualität direkt an der Anlage ist zwar noch belastet, aber es gibt hier keine Anzeichen des Abwasserpilzes“, erläuterte er seinen Standpunkt.

Christian Saul, Betreiber der ARA-Biogasanlage, äußerte sich vorsichtig zu den neuen Vorwürfen. „Wir wollen uns da nicht rausreden, aber wir werden zunächst abwarten, was die Ermittlungen ergeben“, sagte er. „Sollte die Ursache des Umweltschadens im Zusammenhang mit der Biogasanlage stehen, werden wir jedoch natürlich auch die Verantwortung dafür übernehmen“, versicherte er.

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