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Böcklersiedlung : Hartes Ringen um die Sparkassenfiliale

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Bankchefs halten Schließung für unumgänglich. Anwohner pochen auf den gemeinnützigen Auftrag der Sparkassen. Beratung im Altenheim?

von
erstellt am 04.Dez.2013 | 05:00 Uhr

Eines muss man der Sparkasse Südholstein lassen – sie kämpft um ihre Kunden, auch wenn sie ihnen unangenehme Wahrheiten verkünden muss: Sparkassenvorstand Ralph Schmieder persönlich machte sich am Montagabend auf den Weg in den Stadtteilbeirat Böcklersiedlung-Bugenhagen, um gemeinsam mit seinem Direktor Privatkunden, Oliver Eggerstedt, vor knapp 30 Anwohnern die Schließung der Filiale an der Max-Richter-Straße zu rechtfertigen.

Wie berichtet plant die Sparkasse einen herben Schnitt in ihr Filialnetz: Insgesamt elf der derzeit 47 Standorte im Geschäftsbereich Neumünster, Segeberg und Pinneberg sollen schließen – auch um die Sparauflagen des Sparkassenverbandes zu erfüllen. In Neumünster sind drei von neun Filialen betroffen. Bis zum 15. März nächsten Jahres sollen neben der Geschäftsstelle an der Max-Richter-Straße auch die Filialen in der Gartenstadt und in Brachenfeld-Ruthenberg zumachen – zum großen Unwillen der betroffenen Anlieger. Erst am vergangenen Freitag hatten fast 900 Bewohner der Böcklersiedlung mit ihren Unterschriften gegen die Schließung ihrer Filiale protestiert.

Schmieder zeigte in der Beiratssitzung zwar Verständnis für den Groll der Kunden („Es ist ganz klar eine Verschlechterung“), blieb jedoch in der Sache hart. Fakt sei eben auch, dass sich viele Minifilialen überlebt hätten, argumentierte der Sparkassenchef. Hätten die Menschen früher noch regelmäßig zwei bis drei Mal in der Woche in ihrer Filiale „zwischen Bäcker und Schlachter“ das Einkaufsgeld abgehoben, sei das heute eher die Ausnahme. Schmieder zitierte aus einer Erhebung, wonach acht von zehn Deutschen ihre Filiale noch maximal einmal im Monat betreten – eine Folge der Verlagerung standardisierter Bankgeschäfte ins Internet und der Geldautomaten und Service-Points in den großen Einkaufszentren.

Als Sparkassenchef müsse er das Gesamtbild im Auge behalten, sagte Schmieder und da sei Neumünster noch vergleichsweise gut versorgt. In der Fläche hätten viele Kunden bis zu zehn Kilometer und mehr bis zur nächsten Filiale, sagte Schmieder. In Norderstedt gebe es bei vergleichbarer Einwohnerzahl und Fläche nur drei Filialen.

Die Anlieger aus der Böcklersiedlung, einige auch aus der benachbarten Gartenstadt, wollten sich damit nicht zufrieden geben und erinnerten Schmieder an den gemeinnützigen Auftrag der Sparkassen.

SPD-Ratsherr Volker Andresen regte den Einsatz eines Sparkassenbusses an, wie er etwa von der Sparkasse in Kiel durch die Lande geschickt wird. Schmieder konterte das mit den hohen Kosten für einen solchen Spezialbus: „Das gibt es bisher nur auf dem Land.“ Andere Zuhörer schlugen vor, die Wohnungsbaugesellschaften in die Pflicht zu nehmen: Sie sollten der Sparkasse mit günstigen Mietkonditionen entgegenkommen, wenn die Sparkasse im Gegenzug einen Beitrag zur Stützung der Infrastruktur im Quartier leiste.

Immerhin einen Baustein zu einer besseren Versorgung trotz Filialschließung hatten die Sparkassenmanager dann doch im Gepäck: In der Sparkasse denke man derzeit über die Einführung fester Beratungsstunden zum Beispiel in Seniorenheimen oder ähnlichen Einrichtungen nach, sagte Sparkassenmanager Oliver Eggerstedt. Derzeit suche man noch Kooperationspartner. Die Berater, so das Angebot, könnten dann auch kleine Serviceleistungen mit übernehmen.

Der Stadtteilbeirat will sich jetzt gleichwohl dafür stark machen, dass zumindest eine (unbemannte) Servicestation im Stadtteil erhalten bleibt. Einstimmig schloss sich der Beirat einer bereits in der Gartenstadt verabschiedeten Resolution an, in der die Ratsversammlung aufgefordert wird, ihren Einfluss auf die Sparkasse geltend zu machen.

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