Rechnungen : Handwerker leiden unter sinkender Zahlungsmoral

Die Ingenieure Karl-Heinz Schlemmer (links) und sein Sohn Frank sind Geschäftsführer von Krebs & Suhr. Sie haben immer wieder mit Außenständen zu kämpfen, loben jedoch ausdrücklich die vorbildliche Zahlungsmoral der Neumünsteraner.
Die Ingenieure Karl-Heinz Schlemmer (links) und sein Sohn Frank sind Geschäftsführer von Krebs & Suhr. Sie haben immer wieder mit Außenständen zu kämpfen, loben jedoch ausdrücklich die vorbildliche Zahlungsmoral der Neumünsteraner.

Neumünsteraner Firmen haben viel mit Rechnungen zu tun, die spät oder gar nicht bezahlt werden.

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18. Juli 2014, 07:30 Uhr

Neumünster | Die schlechte Zahlungsmoral einiger Kunden sorgt bei Neumünsteraner Handwerksbetrieben immer wieder für Probleme. Wenn alles planmäßig läuft, erhalten die Betriebe nach getaner Arbeit ihr Geld. Und wenn nicht? Dann steht das neue Gebäude, aber der Betrieb, der es gebaut hat, muss möglicherweise schließen.

In Neumünster sind etwa 470 Handwerksbetriebe ansässig, einer von ihnen ist das mittelständische Bauunternehmen Krebs & Suhr. „Außenstände sind in der Tat ein Problem, das uns außerordentlich beschäftigt. Unsere Branche ist davon geprägt, in Vorleistung für Material und Personal zu gehen“, sagt Geschäftsführer Frank Schlemmer und erklärt den Ablauf: „In der Regel fangen wir an zu bauen und können nach etwa drei bis vier Wochen die erste Abschlagsrechnung stellen. Es gibt Auftraggeber, die zahlen am nächsten Tag, und es gibt welche, die lassen Monate verstreichen.“

Auch Installateur und Heizungsbaumeister Jens Schönberg hat mit ausbleibenden Zahlungen zu kämpfen: „Ob 50 Euro oder Beträge im vierstelligen Bereich – die Zahlungsmoral ist bisweilen miserabel. Manchmal warte ich zehn Wochen, bis nach der zweiten Mahnung das Geld eintrudelt“, erzählt der Inhaber eines Kleinbetriebs mit drei Angestellten. Eine Maßnahme, die Probleme zu vermeiden, hat bisher kaum gegriffen: „Meine Frau hatte die Idee, Kleinbeträge unter 100 Euro sofort abzukassieren. Aber wenn ich eine Waschmaschine anschließen soll, gehe ich nicht mit der Frage ins Haus: ’Haben Sie Geld da?’ Und so passiert es immer wieder, dass Leute sich etwas reparieren lassen und anschließend um eine Rechnung bitten, deren Bezahlung sie dann ewig hinauszögern“, sagt Schönberg.“

Lösungen hat er bislang nicht parat: „Ich habe wenig Möglichkeiten. Gehe ich zu massiv vor, bin ich den Kunden los. Andererseits habe ich dennoch schon manches mal einen Anwalt einschalten müssen.“

Verbessert werden soll die Situation künftig durch eine neue EU-Richtlinie. Der Bundestag hat Anfang Juli einen Gesetzentwurf auf den Weg gebracht, der das Handwerk vor schlechter Zahlungsmoral schützen soll. Vorgesehen ist darin unter anderem eine Zahlungsfrist innerhalb von 30 Tagen.

Jens Schönberg kann darüber nur müde lächeln: „Das bringt doch nichts. Da hält sich eh keiner dran“, sagt der Handwerksmeister. Auch die beiden Geschäftsführer von Krebs & Suhr glauben nicht, dass sich durch die Umsetzung der EU-Richtlinie grundlegend etwas ändern wird: „Das Problem ist der Prozess im Vorfeld der Zahlungsaufforderung, die Formalitäten, die eingehalten werden müssen. Daher hilft uns diese Richtlinie nicht wirklich“, stellen beide fest.

Das wäre aber für viele Betriebe offenbar nötig, denn verzögerte oder ausbleibende Zahlungen sind im Handwerk häufig der Grund für Insolvenzen. Laut Statistischem Landesamt haben in Neumünster im ersten Quartal 2014 vier Unternehmen aus dem Baugewerbe pleite gemacht. Die Gründe dafür sind sicher vielfältig und hängen nicht nur mit der schlechten Zahlungsmoral zusammen. Doch das Problem ist durchaus präsent.

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