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Traditionspflege : Handwerker feierten die 50. Amtsköste

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Lage im Handwerk ist gut, aber die Baustellen in Neumünster werden als Zumutung empfunden

Neumünster | „In Ehrbarkeit, Wahrhaftigkeit, Gerechtigkeit!“ Mit diesen Worten beginnen traditionell Veranstaltungen des Handwerks, und so eröffnete Kreishandwerksmeister Michael Kahl am Donnerstagabend auch die Amtsköste. Es war eine ganz besondere Ausgabe, denn bereits zum 50. Mal hatte die Kreishandwerkerschaft Mittelholstein sich Gäste aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens eingeladen, um bei einem rustikalen Abendessen miteinander ins Gespräch zu kommen. Knapp 90 Gäste waren ins Hotel Prisma gekommen.

Das Handwerk sieht zwar einige Entwicklungen mit großer Sorge, besonders aus Richtung Politik und Bürokratie, hat wirtschaftlich aber keinen Grund zur Klage. „Die Stimmung bei den meisten Kolleginnen und Kollegen ist nach wie vor hervorragend. Die Binnennachfrage ist unverändert hoch, und davon profitieren wir. Umsatz, Auftragsbestand und Beschäftigtenzahlen steigen“, sagte Michael Kahl. Neumünster sei im Aufwind und habe einen wachsenden positiven Bekanntheitsgrad.

Kahl: „Dieses zarte Pflänzlein ist aber noch zerbrechlich und darf nicht durch Klein-Klein-Entscheidungen von Politik und Verwaltung aufs Spiel gesetzt werden.“ Die Verkehrsführung rund um den Bahnhof und die vielen Baustellen empfänden nicht nur viele Handwerker als Zumutung. „Ich verstehe auch nicht, dass eine Buchenhecke mitten auf dem Kuhberg gärtnerisch gepflegt werden muss, obwohl sie die Sicht für Autofahrer und den Verkehrsfluss behindert“, stichelte Kahl.

Auf die Kritikpunkte ging Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras in seinem Grußwort nicht ein, aber er lobte das Handwerk: Das sei ein wichtiger Pfeiler der Gesellschaft, die 3670 Betriebe in Neumünster und Segeberg bildeten das Rückgrat der Wirtschaft, und mit seinen 2350 Lehrlingen leiste es einen wichtigen Beitrag zur beruflichen Qualifizeriung. Tauras verwies darauf, dass 2013 immerhin 35 Prozent aller Bau-Aufträge der Stadtverwaltung an Neumünsteraner Unternehmen gegangen seien. „Das könnten gern noch mehr sein, aber das ist vergaberechtlich nicht immer ganz so einfach“, sagte Tauras.

Günther Stapelfeldt, Präsident der Handwerkskammer Lübeck, bestätigte die durchweg gute Lage des Handwerks, warnte aber auch vor Problemen. Die angespannte Lage in der Ukraine, Sanktionen von EU und Russland, Bürgerkrieg in Syrien – das alles seien Risiken, die die Wirtschaft auch schnell in Bedrängnis bringen könnten.

Übrigens: Michael Kahl ist erst der fünfte Gastgeber der Amtsköste. Erfunden hat sie 1965 Christian-Friedrich Peter (Kreishandwerksmeister von 1963 bis 1988). Auf ihn folgten Hans Jürgen Will (1988 bis 1993), Jürgen Koepsell (1993 bis 2006) und Manfred Arp (2007 bis 2011). Seit vier Jahren amtiert jetzt Kahl. Die erste Amtsköste fand im Oktober 1965 im Saal der Kreishandwerkerschaft an der Holstenstraße statt.

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