Fachkräftemangel : Handwerk will Flüchtlinge in Ausbildung bringen

Kreishandwerksmeister Michael Kahl
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Kreishandwerksmeister Michael Kahl

Kreishandwerksmeister Michael Kahl begrüßt Vorstoß auf Bundesebene / „Ein Beitrag zur Integration und zur Stützung der Wirtschaft“

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09. Januar 2015, 07:30 Uhr

Neumünster | Könnte das Handwerk den dringend ersehnten Nachwuchs künftig aus der Landesunterkunft für Flüchtlinge in Boostedt rekrutieren?

Noch ist das Zukunftsmusik, für Insider aber offenbar durchaus eine Perspektive: Kreishandwerksmeister Michael Kahl stellte sich gestern nachdrücklich hinter den Vorschlag von Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer, jungen Flüchtlingen den Zugang zu einer Ausbildung in Deutschland zu erleichtern. Angesichts von über 30 000 unbesetzten Lehrstellen im deutschen Handwerk fordert Wollseifer ein begrenztes Bleiberecht für ausbildungswillige Flüchtlinge in Deutschland. Viele der aus dem Irak oder Syrien gekommenen Menschen brächten großes praktisches Geschick mit, unterstreicht Wollseifer (der Courier berichtete).

Michael Kahl vermutet, dass es unter den nach Deutschland strömenden Flüchtlingen ein „großes Potenzial hochmotivierter junger Leute“ gibt, die in Deutschland gerne lernen und arbeiten würden. „Diese hohe Motivation sollten wir nutzen“, sagt der Kreishandwerksmeister. Erleichterungen beim Bleiberecht könnten hier die richtigen Anreize setzen, glaubt Kahl. „Die Ausbildung von jungen Flüchtlingen könnte sowohl ein Beitrag zur fließenden Integration als auch zur Abschwächung des Fachkräftemangels in Deutschland sein“, sagt Kahl.

Das Handwerk leidet seit Jahren unter einem massiven Nachwuchsmangel, der sich durch den demografischen Wandel in den kommenden Jahren noch verschärfen dürfte. Die Zahl der Stellenbewerber sei in fast allen Gewerken in den vergangenen Jahren stetig zurückgegangen, klagt Kahl. Unter denjenigen, die sich noch um eine Ausbildung im Handwerk bewerben, seien zudem immer mehr nicht oder schwer Ausbildungsfähige, sagt der Kreishandwerksmeister.

Auch auf dem Arbeitsmarkt sei der Fachkräftemangel kaum aufzufangen, ergänzt Carsten Bruhn, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Mittelholstein. Er verweist darauf, dass beispielsweise bereits die Hälfte der Poliere auf dem Bau älter als 50 Jahre ist. Gerade auf kleinere Unternehmen könnten hier Probleme zukommen.

Auch Bruhn hält den Vorschlag Wollseifers daher für eine mögliche Perspektive, dem Fachkräftemangel zu begegnen. Die Politik müsse dafür aber entscheidende Rahmenbedingungen schaffen und zum Beispiel die Sprachförderung intensivieren oder für eine ausreichende Mobilität der Auszubildenden sorgen, so Bruhn.

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