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Bürgerentscheid : Handel wirbt für den offenen Großflecken

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Einkaufszentrum und Durchfahrsperre seien eine „doppelte Hypothek“

von
erstellt am 17.Apr.2014 | 05:30 Uhr

Neumünster | Mit einem riesigen Transparent und dem Slogan „Eine Initiative der Innenstadt! Offener Großflecken für unsere lebendige Innenstadt“ wirbt ein Quartett aus Stadtmarketing-Verein, Einzelhandelsverband, Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Kiel sowie Karstadt für seine Position. Die Neumünsteraner sollten beim Bürgerentscheid am 25. Mai „Nein“ ankreuzen und sich gegen eine Durchfahrsperre am Großflecken entscheiden, lautet die Empfehlung auf dem neun mal sechs Meter großen Plakat an der Karstadt-Fassade. Wegen der Aktion gab es am Dienstagabend in der Ratsversammlung bereits kritische Kommentare von SPD und Grünen (der Courier berichtete).

„Das ist eine Gemeinschaftsaktion, weil wir alle der Meinung sind, dass der Großflecken offen bleiben muss“, sagte Karstadts Filialgeschäftsführerin Christin Krümmel. Man wolle niemanden überreden, sondern den Bürger aufklären – etwa durch Faltblätter, die nach Ostern in der Innenstadt verteilt werden sollen. Die Erfahrungen mit dem Verkehrsversuch im vergangenen Jahr seien negativ gewesen: „Alle Händler haben Einbußen gehabt.“

Ähnlich äußerte sich die Geschäftsführerin des Einzelhandelsverbands Nord, Monika Dürrer. „Unsere Position ist klar: Der Einzelhandel ist gegen eine Durchfahrsperre. Das bringt keine Frequenz“, sagte sie. Der Großflecken sei schon jetzt mit Tempo 20 verkehrsberuhigt. „Wir müssen eher überlegen, welche anderen Maßnahmen zur Steigerung der Attraktivität möglich sind“, sagte sie und nannte drei Aspekte: einen besseren Verkehrsfluss, gut erreichbare Parkplätze und ein gutes Baustellenmanagement in der Stadt.

„Wir haben unsere Kontra-Position gegen eine Sperrung schon 2013 vertreten“, sagte Apotheker Matthias Neumann, der Vorsitzende und Sprecher des Vereins Stadtmarketing Neumünster. Aus Sicht der hier vertretenen Händler und Unternehmen habe der Verkehrsversuch bestätigt, dass die Innenstadt für eine Schließung nicht geeignet sei. „Es gibt keine sinnvolle Verkehrsalternative, und die Menschen stimmen mit den Füßen ab“, sagte Neumann. Aufenthaltsqualität heißt für ihn, „wenn möglichst viele Menschen in der Innenstadt sind“, sagte Neumann zum Courier.

„Für uns als IHK ist das keine parteipolitische Frage, auch kein Wahlkampf, sondern eine Sachfrage“, machte Rainer Bock deutlich. Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer und Leiter der Neumünsteraner IHK-Niederlassung sieht den Bürgerentscheid kritisch. „So problematisch der Verkehrsversuch 2013 war, so problematisch ist jetzt ein Bürgerentscheid ohne Verkehrsversuch“, sagte er. Die Erinnerung sei weg, es entscheide nur das Bauchgefühl.

„Wir haben unsere Position pro Offenlassen mit einer weichen Verkehrsberuhigung seit zweieinhalb Jahren bei verschiedenen Anlässen immer wieder diskutiert und uns dazu auch mehrfach öffentlich festgelegt. Unsere Haltung ist unverändert“, sagte Bock. Da sich die Innenstadt mit dem ECE-Einkaufszentrum ganz neu positionieren müsse, sei eine Sperrung des Großfleckens kritisch zu sehen. Das seien „zwei totale Neuerungen auf einen Schlag und eine doppelte Hypothek für den Großflecken“, der es noch schwer genug haben werde.

Aus Sicht der Industrie- und Handelskammer „braucht der Großflecken den Handel und auch eine gewisse Bewegung, sprich: Verkehr, um wahrgenommen zu werden“, sagte Rainer Bock. Seiner Meinung nach ist der Großflecken auf der falschen Straßenseite verkehrsberuhigt. „Denn leider steht die Sonne auf der anderen Seite“, so Bock.

 

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