Arbeitsmarkt : Handel erweist sich als Job-Maschine

Schnäppchenjagd im Einkaufsdorf: Im DOC entstanden viele neue Jobs im Einzelhandel.
Schnäppchenjagd im Einkaufsdorf: Im DOC entstanden viele neue Jobs im Einzelhandel.

In Neumünster steigen die Chancen, eine Arbeit zu finden. Sorgen bereiten der Arbeitsagentur die Langzeitarbeitslosen ohne Ausbildung

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30. Januar 2015, 14:00 Uhr

Neumünster | Der Arbeitsmarkt hat sich in Neumünster im vergangenen Jahr sehr stabil und dynamisch gezeigt. „Die Arbeitslosigkeit ist im Jahresdurchschnitt leicht gesunken“, sagte Carsten Ludwig, der Leiter der Arbeitsagentur, gestern in seiner Jahresbilanz.

Im Durchschnitt waren 4430 Neumünsteraner arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenquote sank damit im Vergleich zum Vorjahr von 11,1 auf 10,9 Prozent. Neumünster bleibt damit aber Schlusslicht in Schleswig-Holstein. Der Blick auf die sogenannte Unterbeschäftigung verrät jedoch, dass die anderen kreisfreien Städte ähnliche Probleme haben und hier ganz dicht zusammen liegen. Die Kennziffer nennt das Ausmaß der tatsächlichen Nicht-Beschäftigung, da hier auch Menschen erfasst sind, die wegen Qualifizierungsmaßnahmen nicht in der offiziellen Statistik erfasst sind.

In Neumünster sind das gut 5600 Menschen, 210 oder 3,6 Prozent weniger als 2013. Neumünsters Quote liegt bei 13,5 Prozent. Lübeck weist hier ebenfalls 13,5 Prozent auf, Kiel 13,2 Prozent, Flensburg 13,1 Prozent. „Das ist für Neumünster der beste Wert seit 2009, aber das sind natürlich immer noch viel zu viele Menschen, die keine Arbeit haben“, sagte Ludwig.

Generell ist in Neumünster die Dynamik auf dem Arbeitsmarkt besonders groß, so Ludwig: Die Chance, in der Stadt und speziell im Einzelhandel Arbeit zu finden, ist in Neumünster größer als im mittelholsteinischen Umland. Ludwig sieht hier durch die Erweiterung des Designer-Outlet-Centers und den Bau der Holsten-Galerie „viele gute Signale“. Allein im DOC entstünden 400 neue Arbeitsplätze. Und auch das Innenstadt-Einkaufszentrum werde zur Hälfte aus neuen Geschäften und neuen Arbeitsplätzen bestehen. „Da wollen wir ran“, sagte Carsten Ludwig.

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist im vergangenen Jahr erneut um 1,7 Prozent auf jetzt knapp 34 800 gestiegen. Nahezu drei Viertel der neuen Jobs sind Vollzeitstellen. Und die entstehen vor allem im Handel, im Dienstleistungssektor und im Bereich Gesundheit und Soziales. Dieser Trend ist keine Eintagsfliege. „Seit 2005 sind fast 6000 zusätzliche Arbeitsplätze in Neumünster entstanden. Das ist ein Plus von 20 Prozent“, sagte Ludwig.

Ein wenig Wasser in den Wein musste der Agenturchef dann aber doch gießen. So bleibt die Langzeitarbeitslosigkeit eine große Herausforderung. Der Anteil derjenigen Menschen, die schon länger als ein Jahr ohne Arbeit sind, stieg gegenüber 2013 um satte 8 Prozent. „Fast jeder Zweite im Jobcenter ist langzeitarbeitslos“, sagte Ludwig. Inzwischen werden 78 Prozent aller Arbeitslosen vom Jobcenter und nur noch 22 Prozent von der Arbeitsagentur betreut. Die Gründe sind schnell erklärt: Fast 60 Prozent aller Arbeitslosen in Neumünster haben keinen Berufsabschluss und damit entsprechend geringe Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Bei der Altersstruktur gibt es zwei gegenläufige Trends: Für jüngere Menschen unter 25 Jahren entwickelte sich der Arbeitsmarkt positiv. Ihre Arbeitslosigkeit sank im Jahresmittel um 8 Prozent auf gut 500 Betroffene. Die Zahl der älteren Arbeitslosen ab 50 Jahren stieg dagegen um 4 Prozent auf 1250.

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