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Holsteinischer Courier

24. Oktober 2017 | 03:23 Uhr

Spieletest : Hand aufs Herz macht Spieler froh

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Angehende Erzieher der Elly-Heuss-Knapp-Schule testeten 18 neue Spiele im Selbstversuch und fanden schnell ihre Favoriten

von
erstellt am 19.Dez.2013 | 17:00 Uhr

Manchmal ist es im Spiel wie im richtigen Leben: Die schlichtesten Ideen sind die besten. Sarah (19), Franziska (26), Solveig (19), Marie (20) und Sharina-Denise (20), allesamt angehende Erzieherinnen der Elly-Heuss-Knapp-Schule, staunten jedenfalls nicht schlecht, als sie jetzt in ihrem Klassenraum an der Bachstraße den Pappkarton mit dem roten Herzchen öffneten: Ein kleines rotes Herz aus Schaumgummi und ein Stapel Karten mit bunt gedruckten Fragen? - Naja, man hat schon schönere Spielaufmachungen gesehen. Aber schon nach den ersten Spielrunden wird klar, dass die Erfinder offenbar einen Volltreffer gelandet haben. Der Spieleifer nimmt mit jeder neu gestellten Frage zu, das Gelächter am Spieltisch auch. Immer schneller schlagen die jungen Frauen jetzt aufs rote Herz mitten auf dem Tisch, um wortlos aber lautstark Fragen zu beantworten: Die linke Hand heißt Ja, die rechte Nein. Der Spaß macht sich selbstständig, so wie es bei einem guten Spiel sein sollte. Die Frauen sind sich einig: Volle Punktzahl für „Hand aufs Herz“.

Den Spielspaß haben die jungen Frauen nicht nur so zum Spaß. Als angehende Erzieher wollen sie wissen, welches Spiel für künftige Einsätze im Kindergarten, Hort, Heim oder Jugendzentrum taugt und welches nicht. Deshalb trafen sie sich mit ihren Klassenkameraden jetzt einmal mehr zum großen Spieletest. Jeweils zum Jahresende nehmen sich die Schüler dazu die Vorschlagsliste der Jury für das jährlich ausgelobte „Spiel des Jahres“ vor und erproben im Praxistest, was die Spiele wirklich hermachen: Taugt die Spielidee? Ist die Aufmachung ansprechend? Wie belastbar sind Spielfiguren und Spielplan? Stimmt die Ansage auf dem Karton? Sind die Spielregeln verständlich , oder dauert schon der Aufbau länger als das Spiel selbst? Und nicht zuletzt: Wie groß ist der Spaßfaktor, und für wen ist das das Spiel geeignet? Da lassen sich jede Menge Plus- und Minuspunkte verteilen.

Und längst nicht immer liegen dabei die großen, üppig ausgestatteten Kollektionen vorn. So konnten die Testspieler etwa dem neuen Fantasy-Spiel „Die Legenden von Andor“ – von der „Spiel des Jahres“-Jury als Kennerspiel des Jahres gelobt – nur einen bedingten Spielspaß abgewinnen: Ihre Kritik: Zu kompliziert und oft sehr früh mit absehbarem Ausgang. Eher etwas für passionierte Viel- als für Familienspieler.

Warum dagegen „Hand aufs Herz“ trotz seiner eher spärlichen Ausstattung gute Noten bekommt, kann Testspielerin Franziska Dahlke gut begründen. Das Spiel fordere Verstand und Reaktion, trainiere spielerisch die Koordination von Hirn und Hand und bringe so Bewegung ins Spiel. „Clevere Fragen führen außerdem dazu, dass man viel über die Mitspieler erfahren kann“, sagt die angehende Erzieherin.

Dickes Lob gibt es von den Spieletestern diesmal auch für das „Spiel des Jahres“. An „Hanabi“ (jap. Feuerwerk) hat den Schülern vor allem die kompromisslose Aufforderung zur Teamarbeit gefallen. Bei dem schlichten Kartenspiel sehen nur die Mitspieler die eigenen Karten und dürfen Hinweise geben. Nur gemeinsam kann das große Feuerwerk gezündet werden. Eine Erfahrung fürs Leben.

 

 

Für den Courier haben die Elly-Heuss-Knapp-Schüler von den 18 getesteten Spielen vier ausgewählt, die sie hier vorstellen:

 

HANABI

Das Wort „Hanabi“ kommt aus dem Japanischen und bedeutet Feuerwerk. Ziel des Spieles ist es, gemeinsam ein Feuerwerk zu entfachen. Dabei ist jeder Einzelne auf die Hinweise seiner Mitspieler über die Bedeutung seiner Karten angewiesen. Der Clou: Keiner kennt seine eigenen Karten! „Hanabi“ kann nur gemeinsam gewonnen werden, ein Teamspiel.

Das Kartenspiel ist klein und handlich und kann daher überall mit hingenommen werden. Die Spielanleitung ist verständlich aufgebaut und ermöglicht einen schnellen Spielstart. Zu leicht? Es gibt noch zwei weitere Spielvarianten. Alles ist allem ist „Hanabi“ ein kommunikatives und kooperatives Kartenspiel, das ein konzentriertes Zusammenspiel fördert. Mit einer Spieldauer von ca. 30 Minuten eignet es sich hervorragend für eine längere Pause im Schulalltag. Ich finde es wichtig, im Zeitalter der sozialen Netzwerke Gesellschaftsspiele zur Förderung der Kommunikation und Teamarbeit einzusetzen. Den höchsten pädagogischen Wert erzielt man, wenn es mit Mehreren gespielt wird, dann macht es mir auch am meisten Spaß.

Pia Schimanski


Hanabi, Verlag Abacus-Spiele, 2-5 Spieler, ab 8 Jahren, ca. 30 Min., Preis: ca. 7 Euro.

 

DIE LEGENDEN VON ANDOR

Wer sich die „Legenden von Andor“ kauft, bekommt für sein Geld gut was geboten. Das Fantasy-Brettspiel ist üppig ausgestattet. Spielplan und Figuren sind liebevoll gestaltet. Das Spiel selbst verlangt viel Durchhaltevermögen. Von den ersten verwirrenden Schritten lässt sich der Neuling meist frustrieren, was sich im Laufe des Spiels aber ändert, da es letztlich doch einer einleuchtenden Spielidee folgt, die durchaus viel Spaß bringen kann. Leider können sich im Spiel oft schon recht früh Situationen ergeben, in denen klar wird, dass das Spiel nicht mehr zu gewinnen ist. Das kann eine Herausforderung, aber auch frustrierend sein.

Das Spiel ist eher für Vielspieler ab 14 Jahren geeignet. Bei denen kann sich allerdings auch schnell Langeweile einstellen, weil die vorgegebenen Legenden nach mehrmaligem Spielen bekannt sind und es keine neuen Überraschungen mehr gibt. Dennoch ist „Andor“ ein tolles Spiel für alle, die sich von seinen Tücken nicht gleich entmutigen lassen. Eine recht schöne Ergänzung fürs Spieleregal.

Franziska Dahlke

 

Die Legenden von Andor, Kosmos-Verlag, 2 - 4 Spieler, ab 10 Jahren, ca. 90 Minuten, Preis: ca. 40 Euro. Die Legenden von Andor wurden zum Kennerspiel des Jahres 2013 gewählt.

 

 

HAND AUFS HERZ

Partyspiel trifft Allgemeinbildung: Die Aufmachung des Spiels ist einfach aber modern gehalten. Der Karton gibt ein Herz aus rotem Schaumstoff und einen Stapel Spielkarten mit kniffligen Fragen her, die mal die Allgemeinbildung testen, mal die Mitspieler aus der Reserve locken sollen. Die Fragen werden ohne Worte beantwortet: Die rechte Hand auf dem Herzen in der Tischmitte bedeutet Ja, die linke Hand Nein. Wer besonders flott und richtig reagiert, kassiert die meisten Punkte.

Das ist fix erklärt, so dass die Spieler bald loslegen können. Das Spiel ist für Gruppen jeden Alters geeignet, besonders wenn die sich spielerisch noch näher kennenlernen wollen. Aber auch im engen Freundeskreis ist der Spaßfaktor garantiert. Empfohlen wird das Spiel für Kinder ab 10 Jahren, meiner Meinung nach können einige Fragen diese Altergruppe allerdings überfordern: 13 Jahre sollten die Spieler schon sein.

„Hand aufs Herz“ ist also eine spaßige Herausforderung für die Hirn-Hand-Koordination, die unserer Testgruppe jede Menge Spielspaß bereitet hat.

Solveig Petersen

Hand aufs Herz, Verlag Zoch, 3 - 8 Spieler, ab 10 Jahren, 30 Minuten, Preis: ca. 15 Euro.

 

LA BOCA

Darum geht ’s: In wechselnden Teams müssen jeweils zwei Spieler gemeinsam ein kleines Ensemble aus verschiedenfarbigen Klötzen bauen. Aber jeder sieht nur die nachzubauende Ansicht seiner Seite. Deshalb müssen sich die beiden Baumeister laufend absprechen, um herauszufinden, welches Teil wohin kommt. Das alles gegen die Zeit!

Das gemeinsame Lösen der Aufgaben mit immer wieder anderen Baupartnern macht einfach Spaß und ist eine tolle neue Spielidee. Der Spielverlauf ist hektisch, wuselig und aufregend. Kommunikation und Teamwork ist angesagt. „La Boca“ hat keine lange Aufbauphase und ist durch schnelle Spielzüge perfekt auch für schnelle Spielrunden zwischendurch. Es ist sowohl für Familien als auch für Jugendliche geeignet – allerdings nicht für Alleinspieler. Man benötigt mindestens drei Spieler, damit der Teamwechsel funktioniert. Ein kleiner Haken: Geht ein Bauteil verloren, können die Bauten nicht mehr originalgetreu nachgebaut werden. Für mich ist es dennoch ein tolles Spiel und sehr gut geeignet für ältere Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene.

Hanna Thuresson

 

La Boca, Kosmos-Verlag, 3 - 6 Spieler, ab 8 Jahren, ca. 40 Minuten, Preis: ca. 33 Euro.

 




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