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Holsteinischer Courier

20. Oktober 2017 | 07:24 Uhr

Rickling : Halfmann-Saal behält den Namen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Landesverein will Infotafel und Auseinandersetzung mit der Historie anregen.

shz.de von
erstellt am 14.Feb.2014 | 07:15 Uhr

Darf der Bischof-Halfmann-Saal noch so heißen? Diese Frage beschäftige die Ricklinger und den Landesverein für Innere Mission. Vorgestern wurde entschieden: Der Name bleibt, aber es wird eine Tafel mit Erläuterungen angebracht.

Der Saal, der zur Ausbildungsstätte Fichtenhof auf dem Gelände des Landesvereins für Innere Mission in Rickling gehört, ist nach dem ehemaligen Bischof von Holstein, Wilhelm Halfmann (1896–1964), benannt. Halfmann ist nach der Veröffentlichung des neuen Buches von Dr. Stephan Linck, Gedenkstättenbeauftragter der Nordkirche, als Wegbereiter der Nationalsozialisten in die öffentliche Diskussion geraten. Linck beschäftigt sich in seinen Recherchen unter dem Titel „Neue Anfänge?“ mit dem Umgang der Evangelischen Kirche mit der NS-Vergangenheit und ihrem Verhältnis zum Judentum.

Ausgelöst wurde durch die Veröffentlichung jetzt auch eine Diskussion über die Benennung des Bischof-Halfmann-Saals. Der Saal hatte den Namen als Ehrung nach dem Tod Halfmanns 1964 erhalten, da dieser von 1945 bis 1964 dem Vorstand (Vorsitzender seit 1957) des Landesvereins angehörte und als Dozent und Prüfer für die Ausbildung von Diakonen verantwortlich zeichnete.

Der Vorstand des Landesvereins hat sich auf seiner Sitzung am Mittwoch nun mit den Ausführungen von Stephan Linck befasst. Wie die Pressesprecherin des Landesvereins, Regina Rocca, erklärte, stelle sich der Landesverein als Teil der Kirche offen seiner Vergangenheit. Dazu gehöre es jedoch auch, sich ein über die Berichterstattung hinausreichendes Bild über Personen wie Halfmann zu machen. „Darum hat der Vorstand unter dem Vorsitz von Landesbischof Gerhard Ulrich, der auch das Geleitwort zum Buch von Stephan Linck geschrieben hat, beschlossen, Mitglieder und Mitarbeiter zu Vorträgen und Diskussionen einzuladen“, sagte sie.

Vertiefende Informationen sollen Dr. Klauspeter Reumann, von dem die detaillierteste Darstellung der kirchlichen Vorgänge in Schleswig-Holstein zwischen 1933 und 1945 stammt, als auch Stephan Linck vermitteln.

Da Umbenennungen auch die Gefahr beinhalten, sich so der problematischen Aspekte eigener Geschichte zu entledigen, und weil eine Benennung auch eine Art Gedächtnisspeicher sei, die zu Auseinandersetzungen führen könne, entschied sich der Vorstand letztlich gegen eine Umbenennung. Die Namensgebung soll nun aber in den Räumlichkeiten des Saales durch eine fundierte, angemessene Erläuterung auf einer Informationstafel ergänzt werden.

Eine solche Lösung findet auch Bürgermeister Christian Thomann (ABR) gut. Bereits im Vorfeld zur Vorstandssitzung hatte er eine solche Erklärung der Zusammenhänge bevorzugt. „Man kann nicht so tun, es sei nichts gewesen. Deshalb gilt es, hier auch der damaligen Entscheidung Rechnung zu tragen“, sagte Thomann.

Die jetzt getroffene Lösung wird auch von Diakon i. R. Hartmut Kühl aus Rickling gelobt. Die Kirche müsse sich ihrer Vergangenheit stelle. „Kirche hatte in dieser Zeit kein Mitgefühl. Halfmann hat zu seinen Lebzeiten keine Bereitschaft gezeigt, seine Ansichten zu korrigieren. Dass sich der Landesverein jetzt offen mit diesen Erkenntnissen auseinandersetzt, ist gut und richtig“, lobte er den Vorstandsbeschluss. Dennoch wäre ihm persönlich die Umbenennung lieber gewesen. „Wir haben heute ein anderes Geschichtsbewusstsein, das ein neues Licht auf die Historie wirft. In diesem Zusammenhang sollte man sich auch die Freiheit nehmen, Namen unter Umständen abzusetzen. Ich hätte die Umbenennung in „Fichtenhof“ besser gefunden“, erklärte der Kirchenmann, der auch selbst seine diakonische Ausbildung im Fichtenhof erhielt.

Eine Auseinandersetzung mit dem Thema erwartet der im Ältestenrat
der Partei Aktive Bürger Rickling (ABR) mitwirkende 69-Jährige jedoch jetzt auch von den Bürgern. „Das geht
nicht nur den Landesverein etwas an. Schließlich wird der Saal auch von den Bürgern genutzt. Und somit sind diese nun auch aufgefordert, sich mit der Person Halfmann zu beschäftigen“, erklärte er.


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