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Rickling : Halfmann-Diskussion: Zentrale Fragen bleiben weiter offen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Dr. Stephan Linck sprach über sein Buch „Neue Anfänge?“.

shz.de von
erstellt am 11.Apr.2014 | 07:00 Uhr

Rickling | Die Ricklinger Diskussion um Bischof Wilhelm Halfmann und den nach ihm benannten Saal bleibt spannend: Auch bei der zweiten Vortragsveranstaltung, zu der der Landesverein für Innere Mission am Mittwochabend eingeladen hatte, gab es für die mehr als 80 Teilnehmer keine wirkliche Klarheit über den wegen seiner möglichen Nazisympathie in die Kritik geratenen Kirchenrepräsentanten.

Geladen hatte der Landesverein den Verfasser des Buches „Neue Anfänge? – Der Umgang der Evangelischen Kirche mit der NS-Vergangenheit und ihr Verhältnis zum Judentum“, Dr. Stephan Linck. Sein Buch hatte die Diskussion angeschoben.

Linck berichtete über seine Recherchen, in denen er, nach dem ausgewerteten Material an Korrespondenzen und Dokumenten zu dem Schluss kommt, dass Halfmann als Wegbereiter der Nationalsozialisten und Förderer der SS bezeichnet werden kann. Es bleibe jedoch unklar, ob er dabei opportun in seiner Zeit gehandelt habe, oder ob er seiner Überzeugung folgte. „Es gibt Belege dafür, dass er die Schuld der Kirche eingestand. Er äußert sich jedoch an anderer Stelle dennoch gleichzeitig in antisemitischen Formulierungen“, berichtete Linck. Zu einer Mitgliedschaft in der NSDAP gebe es jedoch bis dato keinen Beweis.

Innerhalb der Zuhörerschaft waren die Meinungen zur möglichen Umbenennung des Bischof-Halfmann-Saales am Ende geteilt. So wurde zum einen der Entscheidung des Landesvereins, den Saal in seiner bestehenden Benennung zu belassen, um die Historie nicht zu verdrängen, im Grundsatz zugestimmt. Zum anderen machten sich jedoch auch Zuhörer dafür stark, Halfmann diese Würdigung seiner Person abzuerkennen. „Ich sehe das aus der Sicht der Opfer. Wie würde sich wohl ein Auschwitzüberlebender dabei fühlen“, führte zum Beispiel Bernhard Weber aus Segeberg dazu ins Feld. Und auch der Ricklinger Diakon i. R. Hartmut Kühl stellte in seinem Beitrag die Frage, ob bei der jetzigen Kenntnislage eine solche Ehrung für Halfmann noch gerechtfertigt sei.

Letztlich wird nun im Vorstand des Landesvereins weiter diskutiert werden. „Die Informationen und Hintergründe sowie die daraus abgeleiteten Schlüsse sind so vielfältig, dass man diesem Prozess jetzt Luft lassen muss“, hieß dazu aus dem Kreis der Verantwortlichen, die sich jedoch weiterhin eingehend mit der Thematik beschäftigen werden.


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