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Urteil Im Landgericht : Haftstrafe nach Drogenanbau im großen Stil

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Monatelang betrieb ein Mann (43) Hanfplantagen in Neumünster und Ehndorf im großen Stil.

shz.de von
erstellt am 22.Aug.2013 | 15:52 Uhr

Für drei Jahre und sieben Monate muss der Niederländer (43) in Haft, der im vergangenen Jahr über mehrere Monate im großen Stil Hanfplantagen in dem ehemaligen Bahnwärterhaus am Stoverseegen und in einem Einfamilienhaus am Großredder in Ehndorf betrieben haben soll (der Courier berichtete). Das entschied gestern das Kieler Landgericht nach zwei Verhandlungstagen. Allerdings darf der Familienvater die Strafe in seinem Heimatland absitzen. Grundlage für das milde Urteil war ein umfangreiches Geständnis des Angeklagten.

In einem Schreiben, das sein Rechtsanwalt verlas, räumte der Niederländer ein, im Dezember 2011 das Haus am Stoverseegen und später das in Ehndorf von demselben Makler gemietet zu haben. „Der Makler wusste aber von nichts“, betonte der Mann.

Offenbar wollte der Niederländer mit weiteren Mittätern die Drogen in Hamburg verkaufen. Weil es für die Einfuhr von Marihuana „hohe Strafen“ gibt, zog man offenbar den Anbau in der Nähe des Absatzmarktes vor. Und da der Angeklagte sich als Konsument mit dem Anbau gut auskennt, beteiligte er sich nach eigener Aussage quasi als Techniker an den Plantagen. „Die Strafen für den Anbau in Deutschland habe ich echt unterschätzt. In meiner Heimat haben wir da einen lockereren Umgang“, so der Mann.

„Ich habe die Anlagen aufgebaut und später auch gewartet“, teilte er im Prozess mit. Außerdem habe er die vietnamesischen Gärtner, die die Plantagen pflegten, mit Essen versorgt. Der Angeklagte bestritt jedoch vehement, dass die beiden Gärtner in den Häusern quasi gefangen gehalten wurden. „Sie erhielten Bezahlung, arbeiteten freiwillig und wussten, worum es ging“, ließ der Mann verlesen. Sein Anwalt verwies in diesem Zusammenhang auf zahlreiche Spuren in beiden Häusern, die sogar auf eine vietnamesische Bande schließen lassen könnten. Die beiden Gärtner, die damals an den Tatorten vorübergehend festgenommen worden waren, sind mittlerweile unauffindbar untergetaucht – möglicherweise in Schweden und Vietnam.

Die reichhaltige Ernte in Neumünster im Februar 2012 räumte der Angeklagte unumwunden ein: Zwölf Kilo Marihuana bester Qualität sollen zum Verkauf abgeholt worden sein. Die drei Gewalttäter, die am 2. Mai mit Waffen in das Haus am Stoverseegen eindrangen und einen Teil der zweiten Ernte (24 Kilo) mitnahmen, kannte er nach eigenem Bekunden nicht. Die restlichen Pflanzen gingen einen Tag später bei der Durchsuchung an die Polizei.

Die hatte nach Hinweisen beide Häuser längst observiert. Ein Ermittler des Landeskriminalamts schilderte als Zeuge, wie die Beamten das alte Bahnwärterhaus mit Wärmebildkameras untersuchten. „Das unbewohnt wirkende Haus strahlte auffallend viel Hitze ab“, berichtete er. Eine Videoüberwachung brachte schließlich mehr Details. Immer wieder tauchte demnach der Angeklagte mit einem Wagen mit Neumünsteraner Kennzeichen auf. Die unauffällige einheimische Nummer konnte er laut Polizei bekommen, weil er ein Büro an der Christianstraße als Wohnsitz angemeldet hatte. Weitere Ermittlungen ergaben, dass der Mann den Behörden in Ostdeutschland bereits einmal „als Lieferant von Betriebsmitteln für Cannabis-Plantagen“ aufgefallen war.

„Ich wollte die Verantwortung für die Tat übernehmen. Ich wusste, dass es in Deutschland keine Bewährung für mich gibt“, erklärte der Angeklagte gestern dem Gericht. Als er in Holland nach einer ersten Festnahme wieder frei war, habe er trotzdem „eine Tasche gepackt“ und sich in Deutschland gemeldet, so der Mann, der nicht vorbestraft ist.

Nach dem Urteil und einem halben Jahr Untersuchungshaft konnte er jetzt erst einmal zu seiner Lebensgefährtin und seiner Tochter (9) nach Emmen an der deutsch-niederländischen Grenze fahren. Vom dort aus muss er sich ein Mal pro Woche pünktlich bei der deutschen Polizei im 25 Kilometer entfernten Meppen melden, bis seine Haft in den Niederlanden beginnt.

Die Staatsanwaltschaft hatte drei Jahre und zehn Monate Haft wegen unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge gefordert. Der Verteidiger hatte auf anderthalb Jahre plädiert. Bereits nach dem ersten Verhandlungstag war die Strafe nach einem sogenannten Verständigungsgespräch zwischen Staatsanwaltschaft, Gericht und Verteidigung auf maximal vier Jahren und zwei Monaten begrenzt worden. Voraussetzung war ein umfangreiches Geständnis.


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