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Gerichtsbericht : Haftstrafe für den Dealer im Hintergrund

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Das Schöffengericht verurteilte einen Polen zu drei Jahren Haft.

von
erstellt am 06.Mai.2016 | 10:00 Uhr

Neumünster | Das Sache war raffiniert organisiert: Laut Anklage soll ein Mann (35) aus Polen über rund anderthalb Jahre regelmäßig Drogengeschäfte in Neumünster abgewickelt haben. Und das offenbar, ohne dabei selbst großartig in Erscheinung zu treten. Für die Absprachen mit den Kunden vor Ort und die Abwicklung der Finanzen hatte er demnach einen Vermittler. Das Rauschgift lieferte er schon mal mit dem Taxi, wobei ein Dritter die Tasche mit der Ware trug und übergab. Termine wurden kurzfristig per Handy oder direkt vereinbart – immer wieder wechselten die Orte. Doch trotz des Agierens im Hintergrund musste sich der Mann jetzt vor dem Schöffengericht verantworten.

Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft verkaufte der Angeklagte zwischen Juli 2013 und November 2014 an verschiedenen Plätzen regelmäßig größere Mengen Marihuana an einen Neumünsteraner (29). Als die Polizei dem Käufer auf die Schliche kam und die Wohnung des jungen Mannes in Faldera durchsuchte, packte der offenbar aus – und nannte den Namen seines Lieferanten sowie seine Telefonnummer. Immerhin hatten die Ermittler gerade fast 500 Gramm Marihuana aus dem jüngsten Deal mit dem Polen sowie 40 Gramm Amphetamine im Keller des Falderaners gefunden, die der nur für den Lieferanten aufbewahrt haben will.

Gleichzeitig tauchte der Angeklagte als Lieferant für einen weiteren Neumünsteraner (34) auf, der offenbar in größerem Stil als Vermittler zwischen dem Polen und weiteren Abnehmern fungierte. Um Klarheit zu bekommen, beantragten die Ermittler eine sogenannte Innenraumüberwachung, das heißt: Sie verwanzten den Mercedes des Vermittlers und hörten auch seine Telefone ab. Mit Erfolg: Mehrere konspirative Gespräche wurden abgefangen, bei denen es um Drogenmengen, Preise und Übergabemodalitäten ging.

Namen der Kuriere wurden nicht genannt. Stattdessen fielen Sätze wie „Der Junge ist unauffällig. Mein Kollege ist ein bisschen breiter mit Glatze. Er kommt mit dem Fahrrad.“ Mal wurde die Bestellung in einer Wohnung übergeben, mal auf der Straße.

Am Abend des 10. März 2015 war eine Übergabe an der Ecke Justus-von-Liebig-Straße/Max-Eyth-Straße geplant. Der Vermittler hatte alles mit dem Käufer (38) geklärt. 800 Gramm Marihuana sollten den Besitzer wechseln.

Das Geld sollte in zwei Raten vom Vermittler separat gezahlt werden, einmal 3750 Euro, einmal 500 Euro. Der Käufer radelte also nach eigener Schilderung zum Treffpunkt. Wenig später kamen zwei Männer in einem Taxi vorgefahren – offenbar war einer davon der Angeklagte. Ein dritter – bis heute unbekannter – Mann drückte dem Neumünsteraner eine Tasche in die Hand. Als der mit den Drogen davon radelte, schlug die Polizei zu.

So eindeutig, wie sich die Sache nach diversen Zeugenaussagen für die Staatsanwaltschaft und das Gericht darstellte, war die Lage für den Verteidiger nicht. Unter anderem bemängelte er, dass bei den Gesprächsüberwachungen stets eine eindeutige Zuordnung seines Mandanten fehle. Auch hätte ein Zeuge den Polen nie gesehen, ein anderer ihn nicht wiedererkannt. Deshalb forderte der Anwalt einen Freispruch.

Das Gericht folgte jedoch im Wesentlichen der Auffassung der Staatsanwaltschaft. Es betonte in seinem Urteil die Glaubwürdigkeit vieler Zeugen. Dass der alleinerziehende Vater, der in Polen lebt und als Maurer arbeitet, bereits einschlägig vorbestraft ist, fiel negativ ins Gewicht.

Letztendlich verurteilte das Gericht den Angeklagten wegen unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln in elf Fällen zu einer dreijährigen Freiheitsstrafe. Vorerst konnte der Mann den Gerichtssaal aber noch mal verlassen. Denn das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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