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Justiz : Haftfähig: Sextäter bleibt hinter Gittern

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der 73-jährige Pädophile aus Neumünster muss seine Strafe jetzt absitzen. Die Nachbarschaft atmet auf.

shz.de von
erstellt am 19.Okt.2013 | 07:30 Uhr

Neumünster | Diese Nachricht ließ gestern viele Eltern aufatmen: Der wegen Kindesmissbrauchs verurteilte 73-jährige Rentner aus Neumünster ist jetzt erst einmal keine Gefahr mehr: Er bleibt im Gefängnis und muss jetzt seine Strafe absitzen.

Der einschlägig Vorbestrafte war am Mittwochmorgen von der Polizei abgeholt worden. Er kam in die Justizvollzuganstalt an der Boostedter Straße (der Courier berichtete). Ein Anstaltsarzt untersuchte den Mann auf seine Haftfähigkeit. „Es gibt keine ärztlichen Bedenken. Er bleibt weiter in Haft“, sagte Birgit Heß, Sprecherin der Staatsanwaltschaft in Kiel, gestern auf Courier-Anfrage.

Damit ist ein langer Weg vorerst zu Ende. Denn der Rentner hatte gegen seine Verurteilung zu vier Monaten Berufung eingelegt, doch das Landgericht erhöhte sogar noch auf acht Monate. Der Mann ging in die Revision, befand sich dann für haftunfähig, kam aber drei Terminen beim Amtsarzt nicht nach. Vor seinem Haus war ständige Polizeipräsenz.

Die Nachricht von der Inhaftierung sorgte gestern in der Umgebung für (vorläufiges) Aufatmen, zumal der Rentner auch nach seiner Verurteilung selbst in Gegenwart von Polizei weiterhin Kinder ansprach. „Das ist äußerst beruhigend, jetzt haben wir Ruhe“, sagte gestern Dietrich Mohr, Leiter des Familienzentrums Ruthenberger Rasselbande, das unweit der Wohnung des Täters liegt. „Ich bin jetzt entspannt. Es geht dem Mann ja um Jungen im schulpflichtigen Alter. Aber Jungen vertrödeln sich ja auch schon mal, da bin ich persönlich mit dem Rad hinterhergefahren“, sagte Mohr. Er lobt: „Es war eine tolle Zusammenarbeit mit der Kripo, sie hat uns aufgeklärt und beraten. Wir haben einen Gewaltpräventionstrainer gebucht und mit unseren Kindern das Nein-Sagen geübt, um sie stark zu machen.“

Jurgis Prasse (40) wohnt ganz in der Nähe und hatte den Rentner täglich im Blick. Die Gefühle des zweifachen Vaters sind gemischt, auch wenn die Erleichterung überwiegt: „Ich bin heilfroh, dass er weg ist. Schön, dass er im Knast ist. Aber ich finde es peinlich und beschämend, dass es 14 Monate gedauert hat.“ Prasse hat die Prozesse genau verfolgt und das, was der Mann trotz Verurteilung tat. Prasse: „Der hat eine notorische Beratungsresistenz.“ Seine Bedenken: „Mich stört, dass mit den weiteren anhängigen Verfahren abgewartet wurde, bis die Revision durch war. Wie werden die weiteren Auflagenverstöße geahndet?“ Außerdem frage er sich, ob es wirklich bei acht Monate Haftstrafe bleibt: „Was ist, wenn er wegen guter Führung vorzeitig entlassen wird? Erfahren wir das dann? Steht die Polizei dann wieder da?“

Eine Anliegerin (63), die gestern unweit des Wohnhauses des Täters spazieren ging, hat den Courier-Bericht „mit Freuden“ gelesen. Sie berichtet von einem Ereignis vor einigen Tagen, das die Tochter einer Freundin miterlebte: „In einem Supermarkt hat der Mann einem kleinen Jungen hinter ihm in der Schlange gesagt: ,Du Kleiner, Du willst mit mir flirten.’“

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