zur Navigation springen

Flüchtlinge : „Habt mehr Mut! Die tun nichts!“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Flüchtling Rabih Kateh berichtete in Hohenwestedt. Das Amt Mittelholstein will Hilfen organisieren.

shz.de von
erstellt am 13.Feb.2015 | 06:00 Uhr

Hohenwestedt | 120 Gäste waren offenkundig mehr, als die Amtsverwaltung bei ihrer „Informationsveranstaltung zur Situation der Asylbewerber im Amt Mittelholstein“ erwartet hatte. „Auf so viele Teilnehmer hatten wir gar nicht zu hoffen gewagt“, stellte Amtsdirektor Stefan Landt fest. „Heute gibt es Informationen dazu, was wir als Nachbarn für unsere neuen Nachbarn tun können“, erklärte Amtsvorsteher Peter Thomsen aus Arpsdorf zum Auftakt.

Petra Peters, Anja Matthiesen und Britta Kurbjuweit von der Amtsverwaltung informierten über die aktuelle Zahl der Asylbewerber im Amt sowie deren Leistungsansprüche. „Während der Dauer des Leistungsbezugs nach dem Asylbewerberleistungsgesetz besteht kein Anspruch auf Teilnahme an einem Sprachkurs“, erläuterte Petra Peters. „Es können von uns weder die Kosten für den Sprachkurs selber noch etwaige Fahrtkosten übernommen werden.“ Erst wenn der Asylantrag anerkannt worden ist, bekommen die Flüchtlinge einen Sprachkursus finanziert. Eine „unbefriedigende gesetzliche Regelung“, so Peters: „Wir alle wissen ja, dass für eine erfolgreiche Integration Deutschkenntnisse unabdingbar sind.“ Man müsse versuchen, „die Situation durch Sprachkurse von örtlichen Anbietern abzumildern – und da ist uns jedes Angebot willkommen.“ In den größeren Gemeinden des Amtes haben sich bereits entsprechende Initiativen entwickelt. Die Hohenwestedter Tafel bietet schon seit November 2013 Deutschunterricht für Asylsuchende an. In Aukrug unterrichtet Volker Petzold drei Mal die Woche Flüchtlinge aus Somalia, Eritrea, Syrien und aus dem Irak.

Das Amt sucht außerdem ehrenamtliche Paten, die den Asylbewerbern bei der Orientierung in ihrer neuen Lebenswelt zur Seite stehen und ihnen all das erklären, was für sie wichtig ist. Die Teilnehmer des Infoabends waren aufgerufen, ihr Betreuungsangebot in Rückmeldebögen einzutragen. Das Amt will Treffen der Paten organisieren.

Rabih Kateh trat im Ratssaal ans Rednerpult und erklärte die Lage der Flüchtlinge: „Ich wäre viel lieber in Beirut, aber ich kann leider nicht nach Beirut.“ Im Alter von elf Jahren musste Rabih Kateh seine Heimatstadt verlassen. Seit 1997 ist er in Deutschland. Seitdem habe sich in punkto Rechtstellung und Leistungsansprüche für Asylsuchende einiges verbessert. Seit Jahren schon engagiert sich Kateh als Dolmetscher und Betreuer für Flüchtlinge in Hohenwestedt und Umgebung. „Ganz wichtig ist es, ihnen zu erklären, dass sie sich die 360 Euro, die sie monatlich erhalten, für verschiedene Dinge aufteilen müssen“, betonte der Libanese. Die Einheimischen sollten mehr auf die Asylbewerber zugehen, wünscht sich Kateh: „Sagt doch mal: ‚Moin! Ich bin der Hans-Hermann!‘ Habt mehr Mut! Die tun nichts! Die haben Angst!“

 


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen