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Einsparungen : Gymnasien sollen 13 Stellen verlieren

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Schulleiter befürchten Stundenausfälle und hoffen auf eine Nachbesserung in Kiel. Einige Planstellen sind ohnehin zurzeit nicht besetzt.

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erstellt am 09.Apr.2014 | 08:00 Uhr

Neumünster | Die Zahl ist erschreckend: Wenn das Bildungsministerium nicht noch nachbessert, werden Neumünsters vier Gymnasien ab Sommer insgesamt 13 Lehrerstellen verlieren. Erklärt wird der drastische Einschnitt mit sinkenden Schülerzahlen. „Diese Reduzierung ist begründet durch einen deutlich über dem Landesdurchschnitt liegenden Schülerrückgang in Neumünster“, sagt Ministeriumssprecher Thomas Schunck.

Er stellte jedoch auch klar, dass es sich bei den Zahlen um einen „aktuellen Zwischenstand“ handele, der im Sommer noch nachgebessert werden könnte.

Am glimpflichsten kommt nach der ersten Hochrechnung aus Kiel das größte Gymnasium der Stadt, die Alexander-von-Humboldt-Schule, davon. Dort soll demnach nur eine knappe Stelle (0,9) wegfallen. Dennoch ist Schulleiterin Doris Weege mit der Reduzierung nicht zufrieden. „Ich hoffe, dass ich aus der Reserve noch eine Stelle bekomme“, sagt sie. Immerhin hat sie zurzeit ohnehin zwei freie Planstellen, die dringend besetzt werden müssen. Weil an ihrer Schule gegen den Trend die Schülerzahlen steigen (zurzeit 991, ab August zirka 1020), hofft sie, die derzeitig 60 Stellen zu halten. Auch wenn sie die Anpassungen an den demografischen Wandel durchaus versteht, gibt die Schulleiterin zu bedenken, dass die Schüler „durch die Schulen bestmöglich vorbereitet werden müssen“, was bei den Reduzierungen schwierig sei. Zusätzlich stelle die Zusammenführung von dem ein Jahr schnelleren Abitur (G8) und dem herkömmlichen G9-Jahrgang bis 2016 eine enorme Herausforderung dar. „Dennoch wird schon jetzt gekürzt und zwar über den demografischen Wandel hinaus“, kritisiert Doris Weege. Für ein großes Gymnasium seien fehlende Stellen durch Umverteilung noch besser zu verkraften. „Kleinere Schulen haben richtig Probleme“, so Doris Weege.

Auch ihr Kollege Reinhard Rahner, Schulleiter an der Klaus-Groth-Schule (zurzeit 866 Schüler, ab August 900 Schüler, 65 Lehrkräfte), ist mit der Stellenstreichung alles andere als einverstanden. Das Gymnasium soll laut Ministerium 3,2 Stellen verlieren. „Die Konsequenz wäre Unterrichtsausfall“, erklärt er und verweist auf zwei Lehrer, die in Pension gehen und wohl ohnehin nicht ersetzt werden. Gleichzeitig rechnet er ab Sommer mit rund 40 Schülern mehr. „Die endgültige Entscheidung fällt ja dann, wenn die realen Zahlen vorliegen. Ich bin bisher zuversichtlich, dass bei uns nicht viel wegfällt“, sagt er.

Arno Engelmann, Leiter der Holstenschule, setzt auch auf das Prinzip Hoffnung – auch wenn seine Schule mit fast fünf Stellen (4,8) am meisten Federn lassen müsste. „Diese Zahl ist natürlich illusorisch, aber noch nicht das letzte Wort“, meint er. Immerhin sei die Zahl von 1100 Schülern nach derzeitigem Stand nahezu gleich geblieben. Im Moment reiche die Lehrerschaft mit 60 Stellen genau aus.

Elke Jönsson, Leiterin der Immanuel-Kant-Schule mit zurzeit 750 Schülern und 60 Lehrern, weiß, dass an ihrem Gymnasium die Schülerzahl sinken wird. „Im 13. Jahrgang gehen vier Klassen raus, in der 5. Klasse fangen drei neu an. Dass wir das nicht mit dem gleichen Personal fahren können, ist klar. Wenn wir aber vier Stellen einbüßen sollten, wäre das zu viel. Letztendlich müssen wir aber mit den Zahlen arbeiten, die wir bekommen. Und das soll nicht auf dem Rücken der Schüler passieren“, sagt die Schulleiterin und ergänzt: „Das letzte Wort ist ja noch nicht gesprochen.“

Das bestätigt das Ministerium. „Es ist damit zu rechnen, dass es im Sommer noch Anmeldungen von Absolventen mit dem mittleren Schulabschluss geben wird. Wenn die Zahl bekannt ist, werden entsprechend weniger Stellen reduziert“, so Thomas Schunck.

Kommentar: Reduzierung ist ein absolutes Rätsel

Die neusten Anmeldungen haben es deutlich gezeigt: Die Gymnasien in Neumünster sind insgesamt stark nachgefragt. Im Vorjahr wollten dort 377 Kinder in die fünfte Klasse, für den  Sommer  sind es  376  Anmeldungen  – also nur ein Schüler weniger.  Wie das Ministerium  auf Grundlage dieser durchaus eindeutigen Daten zum jetzigen  Zeitpunkt auf eine Reduzierung um 13   Lehrerstellen  kommt, ist ein absolutes Rätsel.  Sollte da vielleicht jemand seine Hausaufgaben nicht ordentlich gemacht haben?

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