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Rückkehr zu G9 : Gymnasien sehen CDU-Pläne skeptisch

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der Vorstoß einer verbindlichen Rückkehr zum G9-System sorgt in Neumünster für Irritationen. Die Schulen fürchten Unruhe und hohe Kosten.

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erstellt am 04.Feb.2017 | 08:00 Uhr

Neumünster | Die Nord-CDU will im Fall eines Sieges bei der Landtagswahl im Mai das Abitur nach neun Jahren wieder verbindlich an allen Gymnasien einführen. In Neumünster stoßen die Pläne des Landesvorsitzenden Daniel Günther allerdings auf wenig Gegenliebe. Die Schulleiter der Holstenschule, der Immanuel-Kant-Schule (IKS), der Alexander-von-Humboldt-Schule und der Klaus-Groth-Schule (KGS) betrachten den Vorstoß mit Skepsis.

„Das wird eine große Unruhe an die Schule bringen“, befürchtet IKS-Leiterin Elke Jönsson. Denn obwohl der Start im Jahr 2008 etwas holprig verlaufen sei, habe sich das G8-System etabliert: „Wir haben im Sommer den ersten G8-Jahrgang erfolgreich verabschiedet. In den vergangenen Jahren hat sich viel verändert. Das Gymnasium ist inzwischen nicht mehr das, was es vor der Umstellung war“, sagt Elke Jönsson und weist auf die zahlreichen Prozesse hin, die im laufenden Betrieb stattgefunden haben. „Wir haben unsere Fachinhalte angepasst und pädagogische Konzepte entwickelt, um die Kinder dort abzuholen, wo sie stehen. Diese Konzepte und Inhalte müssten im Fall einer Rückkehr zu G9 erneut umgearbeitet werden“, sagt die Schulleiterin. Das koste nicht nur Zeit, sondern auch viel Geld, weil auch sämtliche Lehrmaterialien auf G8 umgestellt worden sind.

Auch an der Parkstraße betrachtet man die Pläne der CDU mit Skepsis. Die KGS hatte 2001 beim Turbo-Abitur eine Vorreiterrolle im Land eingenommen. „Für uns als alte G8-Schule hat sich das System eingespielt. Wir sind da auf sicheren Pfaden und haben bewiesen, dass wir es hinkriegen“, sagt Schulleiter Jörg Jesper. Er hat vor allem den pädagogischen Aspekt im Blick: „Beide Systeme funktionieren, aber nicht immer für die gleichen Schüler. Für manche ist ein weiteres Schuljahr hilfreich, für andere nicht. Man muss allen gerecht werden, das stelle ich mir in diesem Fall schwierig vor.“

Arno Engelmann, Leiter der Holstenschule, ist von dem Vorstoß der CDU überrascht: „Es wundert mich sehr, dass mit dieser Idee versucht wird, politisches Profil zu schärfen. Die Schulen haben sich so viel Mühe gegeben, damit die Umstellung gelingt – und sie ist gelungen. Wenn es die politische Vorgabe ist, setzen wir sie um. Aber es tut mir weh für alle Kollegen, deren Arbeit nicht angemessen gewürdigt und in gewisser Weise sogar abqualifiziert wird, wenn wir das Rad wieder zurückdrehen.“

Doris Weege, Leiterin an der Alexander-von-Humboldt-Schule in Einfeld, will erstmal Gelassenheit walten lassen: „Wir sind der Meinung, dass wir den Umbruch damals richtig gut gemeistert haben. Jetzt müssen wir abwarten, wir können die Entscheidung ja sowieso nicht beeinflussen.“ Skeptisch ist sie dennoch: „Es wird immer der Bildungsfrieden als Prinzip beschworen. Da muss man schon die Frage stellen dürfen, wie viele Umbrüche in kurzer Zeit man dem System Schule noch zumuten kann.“

Ähnlich sieht es ihr Oberstufenleiter Sven Schmidt, der 2016 den doppelten Abiturjahrgang betreut hat: „Das Argument der fehlenden Studierfähigkeit kann ich nicht mehr hören. Das hat nichts mit G8 oder G9 zu tun. Wir haben bei unseren Schülern keine signifikanten Leistungsunterschiede festgestellt.“

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