Neumünster : Gymnasien freuen sich auf G9

Alle vier Schulleiter aus Neumünster berichten von einer großen Akzeptanz bei Lehrern, Schülern und Eltern.

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07. Februar 2018, 07:47 Uhr

Neumünster | Wenn sich 725 Viertklässler aus Neumünster in den kommenden Wochen für eine weiterführende Schule entscheiden müssen, fällt für sie eine Variante flach: Das Abitur in acht Jahren (G8) wird es für sie an keiner Schule in der Stadt mehr geben. Alle vier Gymnasien haben beschlossen, in Zukunft ihre Schüler in neun Jahren zur allgemeinen Hochschulreife führen zu wollen.

Damit geht vor allem an der Klaus-Groth-Schule eine Ära zu Ende. Das Gymnasium an der Parkstraße war 2001 weit vor der offiziellen Einführung landesweit Pionier bei der Umstellung auf das Abitur nach acht Jahren (G8). „Das war damals eine Entwicklung aus freien Stücken“, erklärt Schulleiter Jörg Jesper. Ebenso freiwillig haben sich Lehrer-, Schüler- und Elternschaft jetzt dazu entschlossen, zum neunjährigen Abitur zurückzukehren. „Nach unserer langen, positiven G8-Phase war das erst einmal gar nicht so eindeutig“, so Jesper. Lange und intensiv wurde diskutiert und abgewogen. Vor allem die Schüler hatten Redebedarf. Letztendlich fiel das Votum der Lehrer recht eindeutig für G9 aus, während bei den Schülern und Eltern durchaus einige zu der kürzeren Schulzeit tendierten.

Für den Schulleiter ist das nicht überraschend. „Wir hatten auf unserem langen G8-Weg festgestellt, dass beides super funktioniert. Deshalb haben wir jetzt auch nicht gegen G8 gestimmt, sondern einen kleinen Vorteil in G9 gesehen“, sagt Jörg Jesper.

Der liegt seiner Meinung nach vor allem in einem spürbaren Zeitgewinn. „Das gewonnene Jahr gibt mehr Luft im Unterrichtsverlauf. Der Unterrichtstag wird verkürzt. Das gibt Raum für ein größeres Förder- und Zusatzangebot“, so Jesper.

Das sehen die Schulleiter der anderen drei Gymnasien ähnlich. Auch an der Immanuel-Kant-Schule, der Holstenschule und der Alexander-von-Humboldt-Schule blickt man durchaus stolz auf die G8-Jahre zurück. „Wir hatten auch bei G8 gute Abitur-Durchschnittsnoten, die von den G9-Resultaten kaum abwichen“, gibt Arno Engelmann, Schulleiter der Holstenschule, ein Beispiel. Dennoch entschieden sich die Vertreter der städtischen Gymnasien jetzt für das zusätzliche Schuljahr – und das recht eindeutig.

Wichtig war dabei auch ein Signal des Ministeriums: So sollen die Fachinhalte weitgehend bestehen bleiben, jedoch vertieft werden. „Wir haben jetzt mehr Muße und die Möglichkeit, Dingen stärker auf den Grund zu gehen. Zusätzlich binden auch viele weitere Anforderungen, die heutzutage an die an Schulen gestellt werden, Zeit – wie zum Beispiel neue Medien und Prävention“, sagt Elke Jönsson, Leiterin der Kant-Schule. Doch sie betont auch: „Das wird in Zukunft mit Sicherheit kein Trödel-Abitur werden, sondern anspruchsvoll bleiben. Wir bleiben ein Gymnasium.“

Neben der vertiefenden Arbeit wollen alle Gymnasien am Nachmittag einen Akzent auf Zusatzangebote setzen: Musische und mathematisch-naturwissenschaftliche Förderung oder Sport sollen dabei sein. Zwar gab es derartige Arbeitsgemeinschaften auch stets für G8-Absolventen, aber durch die deutlich längeren Unterrichtseinheiten waren laut Jörg Jesper viele Schüler am Nachmittag oft erschöpft und nicht mehr so aufnahmefähig.

Auch besonders begabte Kinder sollen sich in der verlängerten Schulzeit nicht langweilen müssen. „Die Begabtenförderung bleibt uns ein wichtiges Anliegen“, stellt zum Beispiel Doris Weege, Leiterin der Alexander-von-Humboldt-Schule, fest. Um die neunjährige Abiturzeit mit Inhalten und Leben zu füllen, wurden bereits Arbeitsgruppen gegründet. „Wir freuen uns auf G9. Der Wechsel wurde vom Ministerium bisher gut vorbereitet“, erklärt Doris Weege.

Einig sind sich alle vier Schulleiter darin, dass die Rolle rückwärts zu neun Jahren deutlich einfacher wird als einst die Umstellung zur verkürzten Schulzeit.

Lediglich ein Problem könnten die Gymnasien noch bekommen: Das zusätzliche Jahr könnte – abhängig von den Anmeldezahlen – weitere Räume und Lehrer erfordern. Doch sowohl der Schulträger als auch das Land haben bereits Hilfe signalisiert. Konkret wird das Problem ohnehin erst, wenn der erste 13. Jahrgang die Schulbank drückt.

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