Pflegenotstand : „Gutes Personal wird immer knapper“

Alfred von Dollen
1 von 2
Alfred von Dollen

FEK-Chef Alfred von Dollen geht von weniger Bewerbern aus. Er fordert mehr Einfluss bei Tarifverhandlungen und mehr Geld vom Land

von
01. Juli 2015, 08:00 Uhr

Neumünster | Die angespannte Situation in der Krankenhauspflege wird sich nach Ansicht von Alfred von Dollen in den kommenden Jahren weiter zuspitzen. Es gebe nur zwei Möglichkeiten, die Situation zu verbessern, erklärt der Geschäftsführer des Friedrich-Ebert-Krankenhauses (FEK): „Die Arbeitgeber müssen mehr Einfluss in die Tarifentwicklung nehmen und das Land muss endlich wieder ausreichend Investitionsmittel zur Verfügung stellen.“ Derzeit arbeiten viele Krankenschwestern und Pfleger am Limit und machen Überstunden (der Courier berichtete).

Das FEK zahlt nach Tarif. Jede Gehaltserhöhung gehe zu Lasten des Personals, betont von Dollen. Denn: Das Geld ist mehr als knapp. „Die Fallpauschalen der Krankenkassen für die Behandlung reichen in vielen Bereichen nicht aus. Zuschüsse von der Kommune gibt es nicht. Wir müssen unsere Mittel für viele Investitionen selbst erwirtschaften“, so der Geschäftsführer. Besonders hart sei in dieser Situation, dass das Land – wie andere Bundesländer auch – die Mittel weiter knapp halte. „Das ist eine bundespolitische Entscheidung der großen Koalition. Ziel ist es, unrentable Kliniken, vor allem in Nordrhein-Westfalen, austrocknen zu lassen. Aber wir in Schleswig-Holstein haben ohnehin die schlechteste Krankenhausversorgung in der Republik“, kritisiert von Dollen. Zwei Drittel der Kliniken in Deutschland, so schätzt er, arbeiteten entweder privatwirtschaftlich, ohne Tarif oder würden von anderen Zuschüssen profitieren. „Es gibt auch eine andere Klinik in Schleswig-Holstein, die aus dem Tarif ausgestiegen ist. Die spart 5000 Euro pro Pflegekraft und Jahr. Das wären bei uns 2,5 Millionen Euro mehr“, rechnet er vor.

Doch dann stellt er klar: „Die vernünftige Bezahlung hat für mich oberste Priorität. Deshalb wird es einen Tarif-Ausstieg mit mir nicht geben.“ Dennoch locke weder die Bezahlung, noch die Arbeitsbelastung junge Menschen in den Job. Selbst auf dem Leiharbeitsmarkt fehlten Kräfte: „Gutes Pflegepersonal wird immer knapper.“ Zum ersten Mal würden in diesem Jahr voraussichtlich alle Absolventen der Pflegeschule komplett übernommen. „Ich habe aber die Befürchtung, dass einige aufhören, wenn sie in den Klinik-Alltag kommen.“ Ein Verkauf des FEK kommt für von Dollen trotz gelegentlicher Anfragen auch nicht in Frage: „Dann wächst der Druck aufs Personal weiter und 50 bis 100 Arbeitskräfte gehen verloren.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen