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Jacoby-Bürgergilde : „Gute Werte in die neue Zeit tragen“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Traditionsbewusst und gleichzeitig aufgeschlossen für Neues will Philipp Oldehus als neuer Kapitän die Jacoby-Bürgergilde führen.

shz.de von
erstellt am 07.Mai.2016 | 09:15 Uhr

Neumünster | Er kennt sie noch, die jubelnden Leute, die am Straßenrand standen, als die Gilde nach dem Vogelschießen wieder in die Stadt marschierte. Einige Jahre ist das schon her. „Heute aber verlässt niemand mehr extra das Haus, um die Gildebrüder wieder willkommen zu heißen“, sagt Philipp Oldehus. Deshalb wird es den Einmarsch nach dem Vogelschießen am 18. Mai auch erstmals nicht mehr geben. Stattdessen treffen sich die Mitglieder der Jacoby-Bürgergilde zu einer kleinen, aber feinen Feierstunde an der Gilde-Eiche auf dem Kleinflecken. Und dort wird der 56-jährige Konditormeister das Regiment offiziell übernehmen. Am Donnerstag wählten seine Gildebrüder ihn in geheimer Wahl auf der Generalversammlung zum Kapitän und Nachfolger von Fritz Jensen.

Philipp Oldehus ist seit 1988 bei der Jacoby-Bürgergilde und seit 1993 Vorsitzender der Aufnahmekommission. Doch er wurde quasi in die altehrwürdige Institution hineingeboren und, anders als seine Brüder, von ihr „infiziert“, wie er sagt. Nicht nur sein Großvater Fritz Schlüter gehörte der Gilde an. Auch sein Onkel und Schwager sowie Vater Heinrich waren Mitglied in der nach den Kirchen zweitältesten Vereinigung in Neumünster. Heinrich Oldehus war es auch, der 1966 mit Gerhard Schümann die Gildebier-Verkostung einführte. „Die beiden sind einfach zur Holsten-Brauerei gegangen und haben gesagt, dass sie das Bier probieren müssen, ob es zum Trinken taugt“, erinnert sich Philipp Oldehus schmunzelnd. In den Jahren darauf schloss sich der gesamte Vorstand an.

Solche Traditionen liegen dem schlanken Zwei-Meter-Mann am Herzen, der in fünfter Generation die 1851 eröffnete Konditorei und das berühmte Café am Großflecken leitet. „Wichtiges muss wichtig bleiben“, sagt er bestimmt. Die Gilde orientiere sich nun einmal am preußischen Regiment mit Uniform, Bezeichnungen und ihren Zügen. Diese äußere Form verdeutliche aber auch den Zusammenhalt in der reinen Männergesellschaft. Denn: „Gilde ist nicht nur Geselligkeit und Spaß, sondern auch Ernsthaftigkeit und soziales Engagement.“ Stirbt ein Mitglied, werden acht Gildebrüder abkommandiert, um bei der Beerdigung mit dabei zu sein. Der „Witwentröster“ kümmert sich um die Hinterbliebene, es gibt ein Sterbegeld, mit dem ein Großteil der Beerdigung bezahlt werden kann. Dieser Aspekt kommt noch von früher, schließlich wurden die Gilden mal für die gegenseitige Hilfe bei Brand und Tod gegründet. Kein Wunder also auch, dass sich die Jugendfeuerwehr regelmäßig über Spenden freuen darf, die zum Beispiel vom jährlichen Glühweinverkauf stammen. Aktuell unterstützt die Gilde zudem zwei Kinder aus benachteiligten Familien und sponsert ihnen den Musikunterricht an der Musikschule.

All das will Philipp Oldehus festigen, gleichwohl sind ihm die Veränderungen in der Gesellschaft bewusst. „Ich will die guten Werte in die neue Zeit tragen“, sagt er. Der Gilde-Friedhof Jacoby-Garten geht bereits auf seine Idee zurück, ebenso der veränderte Ablauf beim Vogelschießen in diesem Jahr. „Wir müssen uns anpassen, ohne das aufzugeben, was die Gilde ausmacht“, sagt er. Und wer weiß: Vielleicht begrüßt der neue Chef in seiner nicht festgelegten Amtszeit ja auch den ersten aus Syrien geflohenen Kaufmann, der in Neumünster erfolgreich sein Geschäft leitet. „Man muss über alles nachdenken.“ Nur eines wird bleiben: „Es muss ein Christ sein, denn wir gründen uns auf den christlichen Glauben.“

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