Diamantene Hochzeit : Gute Nerven sind der Schlüssel zum Glück

Albert und Traute Rade haben 1955 in der Anscharkirche geheiratet und wirken noch immer glücklich wie am ersten Tag.
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Albert und Traute Rade haben 1955 in der Anscharkirche geheiratet und wirken noch immer glücklich wie am ersten Tag.

Albert (84) und Traute Rade (81) aus Tungendorf feiern heute ihre diamantene Hochzeit. Angefangen hat alles auf einer Tanzveranstaltung in der ehemaligen Reichshalle.

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02. Juli 2015, 06:30 Uhr

Neumünster | Liebe auf den ersten Blick war es bei Traute und Albert Rade wahrlich nicht. Denn eigentlich hatte der heute 84-jährige Albert ein Auge auf die Schwester der jungen Frau geworfen. „Die hatte allerdings schon einen Freund, deshalb habe ich Traute zum Tanzen aufgefordert“, erinnert er sich schmunzelnd. Aus dem „Notnagel“, wie Albert Rade es heute beschreibt, wurde seine spätere Ehefrau. Inzwischen ist das Paar seit 60 Jahren verheiratet und feiert heute diamantene Hochzeit.

Kennen gelernt haben sich die beiden gebürtigen Neumünsteraner im November 1952 auf besagter Tanzveranstaltung in der Reichshalle. „Danach hat er mich nach Hause gebracht und gefragt, ob er wiederkommen darf“, erinnert sich Traute Rade (81). Er durfte. Am Wochenende ging es nun regelmäßig zum Tanzen. „Die Tonhalle war damals die Nummer 1, da gingen die etwas Besseren hin“, sagt Traute Rade. Ihr Mann ergänzt schmunzelnd: „Wenn wir etwas trinken wollten, sind wir allerdings meistens in den Holstenkeller gegangen, da waren die Getränke billiger.“

Im Laufe der Zeit wurde bei den beiden aus Zuneigung Liebe. Im Mai 1954 verlobte sich das Paar, ein Jahr später wurde in der Anscharkirche geheiratet. Im Elternhaus von Albert Rade in der Franz-Wieman-Straße bezogen sie eine kleine Wohnung – mit Plumpsklo und ohne fließend Wasser. 1956 wurde Sohn Frank geboren, 1959 folgte Stephan.

1959 zog das Paar in den Asternweg nach Tungendorf, wo es noch heute lebt. Das Haus hat Albert Rade als gelernter Maurer selbst mit aufgebaut. Als er seinen Beruf aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste, ließ er sich umschulen und fing 1970 als technischer Angestellter bei der Baugenossenschaft Holstein an. Seine Frau, gelernte Pelz- und Handschuhnäherin, arbeitete unter anderem bei der Firma Mehrens und nähte dort Wäsche. Viele Jahre war sie zudem als Bürokauffrau und Hauswirtschafterin tätig.

Zu den großen Leidenschaften des Paares gehört das Reisen. Eine ihrer Touren werden die beiden noch lange in Erinnerung behalten. „Wir haben eine Kreuzfahrt in die Karibik gemacht. In der zweiten Nacht bekam ich einen Herzinfarkt“, erinnert sich Albert Rade. Weil das Personal darauf nicht eingestellt war, wurde das Ehepaar auf der Insel St. Martin von Bord gebracht. „Dort kam ich ins Krankenhaus und musste aufgrund von Platzproblemen kurzzeitig auf der Entbindungsstation liegen“, sagt Albert Rade schmunzelnd. Ein Arzt aus Deutschland holte ihn schließlich ab und brachte ihn nach Hause. „Er ist Business Class geflogen, ich durfte hinten sitzen“, sagt Traute Rade zwinkernd.

Dass die Rades nach 60 Jahren noch immer glücklich miteinander sind, verdanken sie vor allem ihren guten Nerven, sagen sie. „Außerdem muss man durch manche Dinge einfach durch“, sagt Traute Rade. Ihr Mann ergänzt: „Ganz wichtig ist Toleranz. Und manchmal ist es besser, sich einfach umzudrehen und zu gehen, als alles zu zerreden.“

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