"Sommer" : Gute Laune gegen das Schietwetter

„Wir gehen sowieso gerne ins Museum“: Bettina Weniger (von rechts) aus Oldenburg in Oldenburg, ihre Mutter Barbara Meier-Plambeck und ihre Kinder Nicolai (9) und Tineke (5) probierten den Fingerwebstuhl im Museum Tuch+Technik aus – während Regenschauer aufs Dach prasselten.
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„Wir gehen sowieso gerne ins Museum“: Bettina Weniger (von rechts) aus Oldenburg in Oldenburg, ihre Mutter Barbara Meier-Plambeck und ihre Kinder Nicolai (9) und Tineke (5) probierten den Fingerwebstuhl im Museum Tuch+Technik aus – während Regenschauer aufs Dach prasselten.

Neumünsteraner und Touristen nehmen den lauen Sommer mit Gelassenheit / Ausflüge werden mit Regenschirm gemacht / Ansturm im Museum

shz.de von
29. Juli 2015, 08:00 Uhr

Neumünster | Immer wieder dicke graue Wolken, dann ein Schauer, einen Moment lang blinzelt die Sonne durch, ehe der nächste Guss herunter prasselt: Von Sommerwetter kann zurzeit keine Rede sein. Die einen schauen zweifelnd zum Himmel oder nehmen’s auf die leichte Schulter, die anderen freuen sich. „Die Leute rennen uns zurzeit die Bude ein, wir hatten heute doppelt so viele Besucher wie letzten Dienstag“, freut sich Karin Ruhmöller vom Museum Tuch + Technik.

„Wir gehen sowieso gerne ins Museum, und meine Mutter ist gebürtige Kielerin, die wollte schon immer hierher“, sagt Bettina Weniger aus Oldenburg in Oldenburg mit einem Blick zu Barbara Meier-Plambeck aus Bremen. Ihre Kinder Nicolai (9) und Tineke (5) probieren begeistert den Finger- und den Handwebstuhl aus. „Wenn man das sieht, kann man besser erklären, wie was funktioniert“, sagt Nicolai. Dann rappelt ein Webstuhl bei einer Vorführung los – darauf hat die Familie gewartet und schaut sich das neugierig an.

Draußen gibt’s den nächsten Schauer auf die Mütze. Mit Regenschirm bummeln Sandra Wenzel aus Braunschweig mit Sohn Aaron (10), dessen kleiner Schwester und ihren Eltern, die sie in Neumünster besuchen, über den Großflecken. „Bei so einem Wetter gucke ich viel Fernsehen, fahre manchmal Roller. Und ich bin Lego-Fan“, sagt Aaron. Trotz des Wetters ist auch noch ein Ausflug in den Tierpark und nach Büsum geplant. „Mit den richtigen Klamotten kann man auch am Strand spazieren gehen“, sagt Sandra Wenzel.

„So ein Schietwetter, aber was soll’s, wir machen uns über das Wetter lustig und posten jeden Tag lustige Fotos auf What’s App. Wenn es Strippen regnet, freut sich die Geschäftswelt, dann gehen wir gerne shoppen“, sagen Anja Aust (48) aus Tungendorf und Christine Oswald (51) aus Einfeld. Die Freundinnen arbeiten beide als Kommissioniererinnen im Arzneimittel-Großhandel und schauen sich witzige Karten an. Die verbreiten gute Laune: Ein grinsender Frosch sagt „Keep on smiling“, eine Bulldoggen-Karte hat den Titel „Nicht die Öhrchen hängen lassen“.

Natascha und Paul Busch aus der Stadtmitte lassen sich die Laune nicht verderben: „Man soll den Glauben nicht aufgeben, aber ist das noch Sommer? Ich habe noch keine Antwort gefunden“, sagt Paul Kusch und lacht: „Ich gehe aus stummem Protest ohne Jacke.“

Regenjacke ist das Stichwort für Britta Stölten, Inhaberin der Passbild-Station am Großflecken: „Ich sehe das Wetter eher positiv, die Leute kommen dann eher zum Shoppen, außerdem bin ich immer optimistisch.“ Kundin Ruth Paulsen (63) aus Gadeland zeigt sie ihre farbenfrohen Regenjacken, die sie im Laden mitverkauft, in dem auch "Der kleine Floh" zu finden ist.

Draußen sitzen nur die mit Dach über dem Kopf – so wie Doris Lau und die Anwälte Stefan Lehmann und sein Sohn Dr. Jasper Lehmann vor dem Eiscafé Venezia auf der Kieler Brücke. „Das ist schon extrem, aber an sich ist das Wetter typisch für Schleswig-Holstein. Wir hatten ja schon ein paar sonnige Tage. Aber es fehlt das Terrassenwetter, wir würden lieber im Garten sitzen“, sagen sie. Drinnen serviert Inhaberin Maria Frassetto Puzzini (70) Hanni Schwebel-Horst (56) und ihrer Nichte Anja (22) Amarena- und Spaghetti-Eis. „Das Wetter ist schon etwas grenzwertig, aber es nützt ja nichts. Wir ziehen halt die Gummistiefel an“, sagt die Hohnerin. Die Chefin des Eisladens nimmt es positiv: „Das Wetter kann man nicht herumkommandieren, aber trotz Baustelle ist es bei gutem Wetter rappelvoll, meine Stammkunden kommen immer. Deswegen bin ich auch schon seit fast 50 Jahren hier in Neumünster.“

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