Unternehmensverband Mittelholstein : Gute Geschäfte und wachsende Sorge

Die Unternehmensverbands-Vorstände Jens van der Walle und Ulf Michel freuen sich über die guten Ergebnisse der Konjunkturumfrage, sehen aber auch Probleme auf die Unternehmen in der Region zukommen.
Die Unternehmensverbands-Vorstände Jens van der Walle und Ulf Michel freuen sich über die guten Ergebnisse der Konjunkturumfrage, sehen aber auch Probleme auf die Unternehmen in der Region zukommen.

Der wirtschaftliche Aufschwung in Neumünster ist weiter stabil. Dennoch sieht der Unternehmensverband Mittelholstein Wolken am Horizont.

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20. August 2018, 15:38 Uhr

Die Konjunktur brummt, die Steuern sprudeln, die Arbeitslosigkeit sinkt – dennoch hängt der Himmel für die Wirtschaft in Neumünster nicht nur voller Geigen. Denn je besser die Geschäfte laufen, desto stärker macht sich auch der Fachkräftemangel bemerkbar. Das verdeutlichte gestern der Vorstandsvorsitzende des Unternehmensverbands Mittelholstein, Jens van der Walle, nachdem er von den positiven Ergebnissen der aktuellen Konjunkturumfrage berichten konnte.

„Die Unternehmen in Neumünster und Umgebung blicken auf ein erfolgreiches erstes Halbjahr 2018 zurück“, sagte er. Die Umfragewerte aus dem Frühjahr hätten sich bestätigt. Das Wachstum am Wirtschaftsstandort Neumünster setze sich fort.

An der Erhebung beteiligten sich 114 Unternehmen mit insgesamt 12 735 Beschäftigten aus Neumünster und Umgebung. 95 Prozent beurteilen die gegenwärtige Geschäftslage als gut oder befriedigend. Erfreulich sei auch die gemeldete Umsatzerwartung, so Jens van der Walle. „92 Prozent unserer Mitgliedsunternehmen erwarten im nächsten halben Jahr gleichbleibende oder sogar bessere Umsätze. Dadurch wachse auch die Investitionsbereitschaft. Insgesamt 87 Prozent kündigten an, ihre Investitionen im Vergleich zum Sommer 2017 zu erhöhen oder zu halten.

Gleichzeitig wird aber branchenübergreifend das Angebot an Fachkräften als unbefriedigend und schlecht erachtet. Weil zudem ein Drittel der Unternehmen beabsichtigt, die Anzahl der Mitarbeiter zu erhöhen, wiegt das besonders schwer. Der positive Trend auf dem Arbeitsmarkt in Neumünster werde zwar auch durch die Sommerpause nicht durchbrochen. Der Ausbildungsmarkt zeige sich aber nicht ganz so positiv. Zwar haben zum 1. August viele Schulabsolventen ihre Ausbildung aufgenommen. Doch einer gestiegenen Zahl an Ausbildungsstellen stehe eine sinkende Zahl an Bewerbern gegenüber.

Der UV-Vorsitzende mahnte die Stadt, sich nicht von den derzeit guten Finanzdaten blenden zu lassen. Neumünster stehe finanziell so gut wie nie zuvor da. Die Stadt weise einen Rekordüberschuss von 38,8 Millionen Euro aus. Allein die Gewerbesteuereinnahmen lagen 2017 bei 50,5 Millionen Euro. Das werde allerdings nicht ewig so bleiben. Daher sei eine Fortsetzung der Ausgabendisziplin und Erweiterung der Einnahmenbasis wichtig.

Der stellvertretende Vorsitzende Ulf Michel bekräftigte seine Forderung, den Wirtschaftsstandort Neumünster durch eine Hochschulanbindung zu stärken. Studenten würden Jobs und Praktika-Plätze suchen und ihr Wissen und Know-how sowie ihren Drang nach Veränderung mitbringen. „Den Unternehmern würde es dadurch zukünftig leichter fallen, hoch qualifiziertes Personal an den Standort zu binden,“ sagte er.

Eine Hochschulanbindung in der dualen Pflegeausbildung an die Fachhochschule Kiel sei zum Greifen nahe, betonte Michel zudem. Auch eine Anbindung im Bereich Logistik wäre aus seiner Sicht wünschenswert, da Neumünster mit rund 30 Logistikunternehmen zentrale Drehscheibe des Warenverkehrs im Land sei und mit gut 5000 Arbeitsplätzen zu einem der Jobmotoren zähle.

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