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Reformationstag und Halloween : Gruseln contra Glauben

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Nicht alle Pastoren sind von Halloween genervt. Die Polizei warnt vor dem Umgang mit echt aussehenden Waffen.

shz.de von
erstellt am 30.Okt.2015 | 12:00 Uhr

Neumünster | Viele Kinder und Jugendliche lieben Verkleidungen, für manche Erwachsene ist es dagegen der blanke Horror: Morgen Abend werden in der Stadt wieder Halloween-Gruppen durch die Straßen ziehen und „Süßes oder Saures“ fordern. In den Vorjahren kam es dabei immer wieder zu Sachbeschädigungen und Belästigungen. In der evangelischen Kirche in Neumünster ist der Brauch aus Irland umstritten. Schließlich wird im Gedenken an die Reformation der Kirche durch Martin Luther zeitgleich der Reformationstag gefeiert.

Stefan Bemmé, Pastor der Anscharkirche, Martina Ulrich, Pastorin der Versöhnungsgemeinde in der Gartenstadt, und Pastor Hans-Christian Hübscher aus der Luthergemeinde Tungendorf haben unterschiedliche Ansichten, ob sich die beiden Feste vereinbaren lassen. Während Bemmé in jungen Jahren bei Halloween mitgelaufen wäre, lehnt Hübscher das aufgesetzte Gruseln vehement ab (siehe unten).

Die Polizei ist laut Sprecher Sönke Petersen ohnehin sonnabendabends mit mehr Streifenwagen als sonst im Stadtgebiet unterwegs: „Wir haben ein Auge auf das Geschehen.“ Bei Sachbeschädigungen oder Bedrohungen sollten die Bürger sofort die 110 rufen. Das Tragen von täuschend echt aussehenden Waffen sei verboten, mahnt Petersen: „Es muss alles ein Spaß bleiben und so auch erkennbar sein.“

Im Jahr 2017, dem 500. Jahr des Beginns der Reformation, soll der 31. Oktober übrigens einmalig ein gesetzlicher Feiertag sein.

Stefan Bemmé: „Halloween öffnet die Sinne für Engel“

Wie sehr nerven Sie Kürbisfratzen und Gruselmasken am Reformationstag?

Überhaupt nicht. Ich hätte als Junge in dem Alter auch mitgemacht. Es ist wichtig, mit dem „Bösen“ auch spielerisch umzugehen. Bei Erwachsenen verlagert sich das nur, sie sehen oder lesen dann Krimis.

Eigentlich soll der Reformationstag den Menschen die Befreiung von Ängsten schenken. Konterkariert Halloween mit dem Geisterglauben das?

Befreiung von Ängsten ist wichtig, denn Ängste nehmen zu – genau wie depressive Krankheitsbilder. Doch ein Reformationsgedenken allein befreit nicht von Ängsten. Und wer weiß? Vielleicht öffnet eine Halloweenkultur später im Leben die Sinne für Engel und noch später den Sinn für die Frage, wer denn Engel schickt und mit welcher Macht  sie versehen sind und ob ich nicht genau diese gute Macht brauche?!

Wenn am morgigen  Sonnabend kostümierte Kinder und Jugendliche an Ihrer Tür mit dem Spruch „Süßes oder Saures“ stehen, geben Sie dann Naschis?

Ja. Und zwar mit einem Lächeln. Dass Kinder überhaupt etwas tun und dann noch gemeinsam, das ist doch viel besser, als nur in den technischen Medien zu versinken.

Hans-Christian Hübscher: „Halloween ist Erpressung“

Wie sehr nerven Sie Kürbisfratzen und Gruselmasken am Reformationstag?

Die nerven mich nicht nur am Reformationstag. Warum muss man Hässlichkeiten überhaupt verbreiten? Für diesen Unfug habe ich überhaupt kein Verständnis.

Eigentlich soll der Reformationstag den Menschen die Befreiung von Ängsten schenken. Konterkariert Halloween mit dem Geisterglauben das?

Auf jeden Fall. Erschrecken und anderen Leute Angst einjagen, das ist genau das Gegenteil von dem, was der Reformationstag eigentlich vermittelt. Gerade die Kinder und Jugendlichen  bekommen dadurch ein völlig falsches Bild vermittelt.  Das ist bedauerlich. 

Wenn am morgigen  Sonnabend kostümierte Kinder und Jugendliche an Ihrer Tür mit dem Spruch „Süßes oder Saures“ stehen, geben Sie dann Naschis?

Als erstes antworte ich dann immer: Ich nehme etwas Süßes. Dann sind die Kinder erstmal baff, denn sie wollen mir ja nichts geben, sondern etwas haben. Aber nur mit dem Spruch bekommen sie bei mir nichts.  Das ist ja Erpressung. Sollten sie aber ein schönes Lied singen oder vielleicht sogar ein Gedicht aufsagen wie beim Rummelpott-Laufen, dann hole ich gerne auch mal ein paar Naschereien.

Martina Ulrich: „Bewusstes Ängstigen lehne ich ab“

Wie sehr nerven Sie Kürbisfratzen und Gruselmasken am Reformationstag?

Ich finde es ein wenig schade und bin darüber traurig, dass der Reformationstag dahinter in Vergessenheit gerät. Auf der anderen Seite kann  Halloween durch das Verkleiden auch ein Anstoß sein, sich wieder in die Mittelalter-Zeit von Martin Luther zurück zu versetzen, so wie wir das dieses Jahr in unserem Gottesdienst machen.

Eigentlich soll der Reformationstag den Menschen die Befreiung von Ängsten schenken. Konterkariert Halloween mit dem Geisterglauben das?

Wenn Eier geworfen oder Menschen bewusst geängstigt werden, dann lehne ich das konsequent ab. Das passt so gar nicht zum Reformationstag. Aber ich verstehe grundsätzlich auch die Freude der Kinder beim Halloween-Laufen. Sie sind mutig, wenn sie von Haustür zu Haustür ziehen. Und Mut gehört auch zur Reformation dazu, der Mut zum eigenen Überleben.

Wenn am morgigen  Sonnabend kostümierte Kinder und Jugendliche an Ihrer Tür mit dem Spruch „Süßes oder Saures“ stehen, geben Sie dann Naschis?

Ja. Wenn ich da bin,  habe ich  eigentlich immer Süßigkeiten oder auch Äpfel für die Kinder und Jugendlichen bereitstehen.

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