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Holsteinischer Courier

14. Dezember 2017 | 05:58 Uhr

Abschied : „Grundsatzentscheidung musste her“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Trainer Uwe Erkenbrecher wird Fußball-Regionalligist VfR Neumünster verlassen, um bei Landesligist MTV Gifhorn anzuheuern. „Es ist zwar die Abkehr vom Profifußball, aber eine reizvolle Aufgabe“, begründet der Coach.

shz.de von
erstellt am 20.Feb.2015 | 08:00 Uhr

Fast auf den Tag genau elf Monate nach Amtsübernahme von Trainer Uwe Erkenbrecher gab der VfR Neumünster am späten Mittwochabend bekannt, dass sich die Wege am Saisonende wieder trennen werden. Der 60-Jährige wird sich ab dem 1. Juli neuen Aufgaben widmen – in der Landesliga. Erkenbrecher wird Sportlicher Leiter und Trainer beim MTV Gifhorn, nahe seines Wohnsitzes Calberlah. Eine überraschende Entwicklung, hieß es doch noch am Mittwochmittag von Vereinsseite, dass man Gespräche bezüglich einer Vertragsverlängerung mit dem Trainer im März führen wolle. Nachmittags ruderte Vereinsvorsitzender Gerd Grümmer zurück, erklärte, man habe einer Vertragsverlängerung nun doch nicht zugestimmt und gehe von einem Abschied Erkenbrechers im Sommer aus. Wenige Stunden vor Mitternacht kam die offizielle Bestätigung der baldigen Trennung.

Auf Courier-Nachfrage stellte Erkenbrecher klar, dass er den Verein mit seiner Entscheidung keineswegs überrumpelt habe. „Die Verantwortlichen waren im Bilde, ich hatte Gerd Grümmer rechtzeitig informiert, überrascht kann also beim VfR niemand gewesen sein“, unterstrich der 60-Jährige, der betonte, dass er sich durchaus hätte vorstellen können, länger in der Schwalestadt zu bleiben. Allerdings, sagte Erkenbrecher auch: „Gespräche diesbezüglich erst im März zu führen, war mir zu spät. Und als dann die Anfrage aus Gifhorn kam, musste ich eine Grundsatzentscheidung treffen.“

Profi- oder Amateurfußball lautete die entscheidende Frage. „Fakt ist, dass wir beim VfR nicht so arbeiten können, wie ich es mir wünschen würde – die Situation ist äußerst schwierig. Aufwand und Ertrag stehen dann irgendwann in keinem Verhältnis mehr“, so Erkenbrecher weiter, der sich nun entschlossen hat, zwei Klassen tiefer eine neue Aufgabe zu übernehmen. „Der MTV ist ein ambitionierter Verein in der Nähe meines Wohnortes, dort lässt sich etwas aufbauen. Es ist zwar die Abkehr vom Profifußball, aber eine neue und sportlich reizvolle Aufgabe.“

Dass der VfR-Coach seine Zelte in der Schwalestadt aufgrund der schwierigen Rahmenbedingungen abbricht, sich gar an den vielschichtigen Problemen des Clubs aufgerieben habe, wollte er nicht weiter kommentieren. „Jetzt über irgendwelche Missstände zu sprechen, wäre kein guter Stil, denn wir befinden uns mitten im Abstiegskampf. Es geht jetzt nicht um mich, sondern in erster Linie um den Verein“, so der erfahrene Übungsleiter.

Befürchtungen, dass die Mannschaft oder einzelne Spieler sich im Abstiegskampf hängen lassen könnten, nachdem nun klar ist, dass im Sommer ein neuer Trainer an der Seitenlinie stehen wird, hat der gebürtige Niedersachse nicht. „Wer hier zukünftig das Zepter schwingt, ist völlig egal – noch bin ich hier der Trainer und das sind meine Spieler. Alles andere spielt keine Rolle, sonst dürfte es im Fußball keine Zeitverträge mehr geben. Ich bin mir sicher, dass wir unsere Kräfte bündeln und dem Saisonziel Klassenerhalt alles unterordnen.“

Zumindest Erkenbrecher hat nun frühzeitig Planungssicherheit und kann sich allein auf den Kampf um den Ligaverbleib konzentrieren. Die Verantwortlichen der „Veilchen“ indes sind weiter unter Zugzwang geraten. Denn aktuell hat Rasensport für die kommende Saison nicht einen einzigen Spieler unter Vertrag (Gespräche diesbezüglich laufen oder werden noch geführt) und muss sich nun zudem sowohl nach einem neuen Trainer als auch nach einem neuen Sportlichen Leiter umsehen (dessen Aufgaben hatte Erkenbrecher ebenfalls bei Amtsantritt übernommen). Und das in einer Phase, in der aufgrund der sportlich prekären Situation völlig unklar ist, in welcher Liga in der kommenden Saison gekickt wird.

Inwieweit Nikica Vrcic für einen dieser Posten in Frage kommt, ist unklar. Der hauptamtlich beschäftigte Co-Trainer des VfR habe zwar gewusst, dass Erkenbrecher ein Angebot aus Gifhorn vorliegt, wurde aber auch erst am Mittwoch informiert, dass eine Entscheidung gefallen ist. „Viel kann ich dazu also nicht sagen“, erklärte der 37-Jährige. Auf Nachfrage, ob er sich selbst den Job als Cheftrainer zutrauen würde, hielt sich Vrcic ebenfalls bedeckt. „Dazu möchte ich nichts sagen, nur so viel: Eine Anfrage des Vereins gab es bisher nicht.“

Es wartet also viel Arbeit auf Rasensport-Chef Gerd Grümmer, der für eine Stellungnahme bislang nicht zu erreichen war.

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