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Info-Veranstaltung : Großflecken: Die Angst vor der Baustelle

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Stadtplaner stellten ihre Ideen von einer attraktiven Innenstadt vor / Viele Bürger bleiben skeptisch / Marktbeschicker fürchten um freie Stellflächen

Neumünster | Von Grünachsen, Pavillon-Skulpturen, Freitreppen und linearen Fontänenreihen war am Mittwochabend in der Stadthalle viel die Rede. Fast zwei Stunden lang nahmen sich die von der Stadt beauftragten Landschaftsplaner Zeit, um wortreich und eloquent ihre Ideen von einem modernen, ansprechenden Großflecken vorzustellen. Die rund 250 interessierten Besucher zeigten sich dennoch wenig beeindruckt. Vielfacher Tenor aus den Besucherreihen: Geht  ’s nicht auch eine Nummer kleiner?

„Ich denke, die Stadt muss sparen, können wir uns das überhaupt leisten?“, brachte etwa Barbara Wietung (45) aus Brachenfeld auf den Punkt, was im Anschluss an die Präsentationen in vielen kleinen Runden diskutiert wurde. Zwar machten die Planer um die Kosten für ihre Ideen einen großen Bogen, aber auf der Homepage der Stadt, auf der die Entwürfe skizziert werden, schwanken die Kosten zwischen 3,7 und 10 Millionen Euro (www.neumuenster.de, Drucksache 0573/2013/DS).

Zur Unruhe bestand indes kein Anlass: Ute Spieler, Leiterin im Fachdienst Stadtplanung, hatte in Vertretung für den erkrankten Oberbürgermeister bereits eingangs klargestellt, dass noch nichts entschieden sei. Die Informationsveranstaltung diene dazu, die Bürger auf den aktuellen Stand der Überlegungen zu bringen. Sie verwies auf den Ratsbeschluss vom Dezember 2014, die Neugestaltung des Platzes nach 25 Jahren in Angriff zu nehmen. „Wir stehen aber noch ganz am Anfang der Planungen“, beruhigte Spieler vorsorglich. Weitgehend Einvernehmen gebe es aber über den Handlungsbedarf.

Drei Planungsbüros aus Kiel (BHF), Lübeck (TGP) und Hamburg (WES) hatte die Stadt im vergangenen Mai aufgefordert, Ideen zur Neugestaltung zu entwickeln. Für den verhinderten Vertreter von BHF stellte Stadtplaner Bernd Heilmann dessen Konzept vor: Das setzt vor allem auf eine optische Unterteilung des lang gestreckten Platzes. BHF schlägt dazu einen unterfahrbaren Pavillon auf dem nördlichen Platz (in Höhe C & A), viele grüne Inseln sowie eine zusätzliche Baumreihe vor den Geschäften auf der Rathausseite vor. Die soll den Allee-Charakter der Straße unterstreichen und den östlichen Fußgängerbereich zugleich besser von der Fahrbahn abgrenzen. Großflächige Wasserspiele sollen zusätzliche Blickfänge bieten.

Die Laufbereiche vor den Geschäften wollen die BHF-Planer mit einer Mischung aus großen und kleinen sandfarbenen Granitplatten belegen. Seine Kollegen setzen hier mehr auf gelbe oder auch rote Klinkerflächen, wie sie etwa auf dem Kleinflecken liegen.

Alle drei Planer sprechen sich für breite Aufpflasterungen aus, die den Fußgängern an mehreren Stellen die Querung der Fahrbahn erleichtern sollen. Gemeinsam ist den drei Entwürfen auch, die Anbindung zum Gänsemarkt/Holstengalerie mit einem breiten Boulevard vor den Geschäften auf der Rathausseite zu verbessern.

Tonio Trüper (TGP) mahnte vor allem, dem Verkehr nicht zu viel Raum zu lassen, um die Wirkung von offenen Cafés, Sitzecken, Wasserspielen und Flaniermeilen nicht zu torpedieren. Den Parkstreifen zur Platzseite hat er gestrichen, den Radweg möchte er verlegen, um die Allee zwischen den bestehenden Baumreihen für Flaneure zurückzugewinnen. Die beiden kleinen Pavillons möchte er abreißen („Sie stören den Eintritt in die Lütjenstraße“), stattdessen mit weiteren Brausebuden Akzente setzen. Trüper, aber auch sein Hamburger Kollege vom Büro WES, Michael Kaschke, schlagen vor, das bestehende Granitpflaster des Großfleckens zu kappen und abzuschleifen, um es fußgängerfreundlicher zu machen. Kaschke sieht vor allem im Bereich der Bastion am Teich großes Potenzial zur Verschönerung und plädiert für eine großzügige Freitreppe zum Teichrand.

Eine Bewertung der verschiedenen Präsentationen fiel nicht leicht. Zu den wenigen, die sich in der kurzen Diskussionsrunde trauten, gehörte Stefan Wegener, Sprecher der Wochenmarktbeschicker. Nur im zuletzt vorgetragenen Konzept von WES werde auf die Belange der Marktbeschicker eingegangen, „in den anderen ist der Platz für uns nicht mehr nutzbar“, befürchtet Wegener. Auch Bäckermeister Stefan Andresen, in der City gleich mit drei Geschäften vertreten, bekam für seinen Einwurf viel Applaus: Er begrüßte die Bemühungen der Stadt, den Großflecken nach 25 Jahren „aufzufrischen“, warnte aber vor Umsatzeinbußen durch jahrelange Baustellen. Die Stadt dürfe den Handel nicht überfordern.

Hans-Henning Vieth kritisierte deutlicher: Alle drei Entwürfe beinhalteten de facto den Versuch, „die Verkehrsberuhigung durch die Hintertür doch noch durchzusetzen“. Dies sei im Bürgerentscheid aber klipp und klar abgelehnt worden, ärgerte er sich.

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erstellt am 18.Mär.2016 | 08:00 Uhr

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