Hoppelpflaster : Großflecken-Architekt lässt mit sich reden

Seit dem Umbau 1988/1991 sieht der Großflecken so aus. Grundsätzliches wird sich daran in absehbarer Zeit nicht ändern, aber der Architekt will offenbar kleine, sinnvolle Veränderungen nicht mehr grundsätzlich blockieren.
Seit dem Umbau 1988/1991 sieht der Großflecken so aus. Grundsätzliches wird sich daran in absehbarer Zeit nicht ändern, aber der Architekt will offenbar kleine, sinnvolle Veränderungen nicht mehr grundsätzlich blockieren.

Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras traf sich mit Dieter Rogalla, um über die größten Hindernisse des Platzes zu sprechen

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22. Juli 2014, 12:00 Uhr

Neumünster | Seit fast einem Vierteljahrhundert gibt es immer wieder Diskussionen über den Großflecken und gelegentlich sogar Streit zwischen der Stadt und dem Architekten ihrer guten Stube. Nun kommt etwas Bewegung in die Sache, und das scheint einer alten Kulturtechnik zu verdanken zu sein: Man hat miteinander geredet. Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras hat mit seinen wichtigsten Baufachleuten dem Architekten Dieter Rogalla einen Besuch abgestattet.

„Wir hatten ein konstruktives und sehr anregendes Gespräch“, sagte Tauras zum Courier. Gemeinsam mit dem Leiter der Stadtplanung, Bernd Heilmann, und Bauamtsleiter Ralf-Joseph Schnittker war er nach Hamburg gefahren und hatte dem 82-jährigen Rogalla die Sorgen der Neumünsteraner mit dem Platz geschildert, besonders mit der Pflasterung. Zur Vorbereitung des Gesprächs war Rogalla inkognito in Neumünster gewesen und hatte sich „seinen“ Platz genau angeschaut. Er machte Tauras klar, dass er noch immer sehr viel von der Grundstruktur des weiten, offenen Großfleckens sowie von der Straßenführung hält. In diesen Dingen würde Rogalla wohl jederzeit auf sein Urheberrecht pochen und Veränderungen ablehnen.

Bei seinem Besuch waren dem Architekten aber auch die tiefen Rillen und die Stolperfallen im Pflaster aufgefallen. „Herr Rogalla hat hier keine Betonhaltung. Er verschließt sich nicht unseren Überlegungen, den Platz in Teilen oder komplett neu zu pflastern. Besonders am Übergang in die Lütjenstraße gibt es ja ganz offensichtlich einen Bedarf“, sagte Tauras. Das hatte auch der Bauausschuss so gesehen (der Courier berichtete). Möglicherweise könne man auch über eine Änderung der Radwegeführung nachdenken, hatte Rogalla seinen Besuchern signalisiert. Die Bauverwaltung will nun in Absprache mit Rogalla einen Vorschlag samt Kostenschätzung erarbeiten, der den Gremien der Ratsversammlung vorgelegt werden soll, sagte Tauras.

Dieter Rogalla war Mitte der 1980er-Jahre schon so etwas wie ein Star-Architekt, als er den Wettbewerb zur Neugestaltung des Großfleckens gewann. Er baute Plätze, Wohnhäuser, Banken, Bürobauten und die Deutsche Botschaft in Moskau. Sein Siegerentwurf für den Großflecken wurde von 1988 bis 1991 umgesetzt. Wenige Jahre später verteidigte Rogalla auf einer Podiumsdiskussion das schon damals ungeliebte Hoppelpflaster: Stöckelschuhe seien gar nicht gesund; die Neumünsteranerinnen sollten gefälligst in Turnschuhen zum Einkaufen gehen.

Wegen der Größe des Platzes, der ausgeprägten Struktur und der quasi künstlerischen Gestaltung fällt der Platz unter den Schutz des Urheberrechtsgesetzes – ähnlich wie literarische Werke oder Musikstücke. Die Stadt hätte nur die Chance, das Werk des Künstlers zu zerstören, den Platz also komplett neu zu gestalten. Tauras: „Aber das will ja keiner.“ Das Urheberrecht erlischt übrigens erst 70 Jahre nach dem Tode des Urhebers.

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