Projekt : Großer Zuspruch für Neumünsters Bürger-Bibel

Viele Einsendungen sind nicht nur Handschriften, sondern wurden auch mit Illustrationen und Bildern geschmückt. Pastorin Simone Bremer zeigt ein solches Exemplar.
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Viele Einsendungen sind nicht nur Handschriften, sondern wurden auch mit Illustrationen und Bildern geschmückt. Pastorin Simone Bremer zeigt ein solches Exemplar.

Über 60 Einsendungen für das handgeschriebene Werk zum Stadtjubiläum / Viele schicken mehrere Seiten mit liebevollen Zeichnungen / Zuschriften sind weiterhin willkommen

shz.de von
06. Januar 2015, 12:00 Uhr

 Die Resonanz ist überwältigend: Die Zuschriften für die Bürger-Bibel füllen bei Pastorin Simone Bremer einen dicken Ordner, ein zweiter Ordner steht bei ihrer Kollegin Angelika Doege-Baden-Rühlmann. „Es sind inzwischen über 60 Einsendungen, insgesamt schätzungsweise 200 Seiten, denn viele schicken mehrere Seiten oder sogar kleine Ordner“, sagt die Pastorin der Vicelinkirchengemeinde. Noch bis Februar läuft das Projekt, dessen Ergebnis im Rahmen der 888-Jahr-Feier präsentiert werden soll.

„Die Resonanz ist erfreulich und größer als erwartet. Die Menschen nehmen die Bibel wieder zur Hand, auch wenn sie sie lange nicht in der Hand hatten“, sagt die Pastorin. Die Menschen erinnerten sich an ihren Trauspruch,  überlegten, welcher Vers ihnen in einer Lebenslage geholfen hatte, weiß sie aus Erzählungen: „Das Projekt führt dazu, dass Menschen ihren religiösen Sehnsüchten freien Lauf lassen. Sie erzählen, wie sie in der Bibel geblättert haben, vielleicht sich auch mal geärgert, vor allem aber gefreut und Erstaunliches entdeckt haben.“ Es gebe auch Teilnehmer, die nicht in der Kirche seien, sich aber eine ausleihen.

Das Alter der Schreibenden geht vom Kleinkind bis zum über 80-Jährigen, auch die Sprache beschränkt sich nicht auf Deutsch: „Es gibt auch  polnische, englische, französische, russische  und rumänische Einsendungen“, sagt Pastorin Simone Bremer. Zur Geburtsgeschichte  malte eine Vierjährige die Krippe mit dem Jesuskind. Eine Zehnjährige gestaltete gemeinsam mit ihrem Großvater einen Regenbogen zur Geschichte von Noah und der Arche. Ihr Opa schrieb: „Und Gott sprach: Das ist das Zeichen des Bundes, den ich geschlossen habe zwischen mir und euch und allem lebendigem Getier.“

Es gibt besonders beliebte Stellen – wie zum Beispiel  den 13. Vers des 1. Korinther-Buches, das sogenannte Hohelied der Liebe: „Wenn ich mit Menschen- und mit Engelszungen redete und hätte die Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz“ – mit dem bekannten Ende „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei, aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“ Oder die Offenbarung des Johannes: „Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde, (...) und Gott wird abwischen alle Tränen, (...) denn das Erste ist vergangen.“

 An solchen Zitaten sei spürbar, wie sich die Menschen den Bibel-Inhalten zuwendeten, sagt die Pastorin.  „An den Schwellen des Lebens ist die Bibel etwas, mit dem sich Menschen stärken und sich ausrichten, Orientierung, Hoffnung und Trost bekommen.“ Die Bibel als Ratgeber in allen Lebenslagen  von der Geburt bis zum Tod – das entdeckten die Menschen durch dieses Bibelprojekt. Eine 65-Jährige schickte den Psalm 91: „Der Du wohnst im Schutz des Höchsten, weilst im Schatten des Allmächtigen“ – ein Vers, der Gott als Burg und Zuflucht schildert. „Gott als Schöpfer liegt vielen Menschen sehr nah“, schildert Simone Bremer sichtlich gerührt.

Auch Jugendliche haben sich mit der Bibel beschäftigt  – so wie eine 14-Jährige, die ein schlichtes Zitat mit Schönschrift schrieb: „Lasst Euch nicht verführen! Schlechter Umgang verdirbt gute Sitten“ – dieses Zitat aus dem 1. Korinther, Kapitel 15, Vers 33 passt zeitlos auch in die Moderne mit den Versuchungen der medialen Neuzeit wie Computer-Daddeln, Twittern und Facebooken  und ähnlichem.

Ein besonderes Stück lieferte ein Pastor im Ruhestand – die Geschichte des Propheten Elia aus dem Alten Testament, der des Lebens einfach müde ist und von Engeln wieder auf den Weg gebracht wird. Die Verse verzierte der Verfasser mit Zeichnungen, einzelne Buchstaben werden passend zum Wort kunstvoll zu kleinen Einzelbildern. „Das ist eine mutmachende Durchhaltegeschichte“, sagt Simone Bremer, die auch viele Rückmeldungen  von Personen bekommen hat, dass sie parat stehen, falls mehr Bibelzitate gebraucht werden.

Auch falls Bibelzitate doppelt eingeschickt wurden, werden alle  in das Projekt einfließen, sagt Simone Bremer. Alle Einsendungen werden nach dem 15. Februar gesichtet und „kanongerecht“ – der Bibelchronologie folgend – sortiert und dann zu einem Buch oder zwei Büchern gebunden. Es wird nur ein  Originalexemplar geben, das auf dem Festgottesdienst zum Stadtjubiläum am 26. April um 10 Uhr präsentiert und an den Oberbürgermeister übergeben wird. Es soll später auch auf Reise durch die Kirchengemeinden  gehen.

Einsendungen sind   weiterhin herzlich willkommen und können in den Gemeindebüros der Vicelinkirche, Mühlenhof 42, und der Anscharkirche, Am Alten Kirchhof 4, abgegeben werden.

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