Großer Jubel für Shin-Heae Kang

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10. Februar 2011, 03:59 Uhr

Bordesholm | Mit einem überwältigenden Erfolg begann die Reihe der Bordesholmer Frühjahrskonzerte, die traditionell in der Christuskirche mit einem Solo am Flügel startete. Die noch junge, aber mittlerweile in Bordesholm durch einige Konzerte schon bestens bekannte Shin-Heae Kang lieferte in einer atemberaubenden Darbietung ihr ganz persönliches Meisterstück ab - zur Freude der 250 Zuhörer.

Eine unbestrittene Könnerin ist sie sowieso, die in Kiel geborene 23-Jährige mit koreanischen Wurzeln. Konzerte in der ganzen Welt mit internationalen Orchestern pflastern bereits die künstlerische Laufbahn der bescheiden gebliebenen Künstlerin. Es mag die intime Atmosphäre in Bordesholm sein, die die junge Künstlerin zu Höchstleistungen zu beflügeln scheint.

Als fingerfertige Pflichtübungen benutzte Shin-Heae Kang die beiden anspruchsvollen Sonaten "f-Moll Andante moderato K 466" und "E-Dur Andante commodo K 380" des Bach-Zeitgenossen Domenico Scarlatti, als Ouvertüre zu einer wahnsinnigen Tastenschau, die im Verlauf des langen Nachmittags ihresgleichen suchen musste. Die halbstündige "Sonate Nr. 21 C-Dur op. 53" von Franz Liszt sowie Robert Schumanns "Fantasie C-Dur op. 17" sind Werke voller unterschiedlichster Fantasien, Lautstärken und Emotionen. Das ist gerade richtig für eine unerschrockene Tasten-Akrobatin wie Shin-Heae Kang, die die gesamte Klaviatur von oben nach unten, von hinten nach vorne und irgendwie von Geisterhand zu bedienen scheint.

Leise Zwischentöne bildeten an diesem Nachmittag des Überschwangs eher die Ausnahme, auch bei der "Rhapsodie Espagnole" von Franz Liszt regiert majestätischer, gleichwohl sympathischer Größenwahn, den das Ausnahmetalent diesmal mit Fug und Recht für sich beanspruchen darf.

Stehende Ovationen und großer Jubel beendeten nach über zwei Stunden dieses eindrucksvolle Konzert.

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