Grossenaspe : Großenasper lehnen AKW-Schutt ab

Minister Robert Habeck (links) warb auf der Einwohnerversammlung in Großenaspe für das Konzept, den belasteten Bauschutt aus dem Rückbau der drei schleswig-holsteinischen Kernkraftanlagen auf die sieben im Land infrage kommenden Deponien zu bringen.
Minister Robert Habeck (links) warb auf der Einwohnerversammlung in Großenaspe für das Konzept, den belasteten Bauschutt aus dem Rückbau der drei schleswig-holsteinischen Kernkraftanlagen auf die sieben im Land infrage kommenden Deponien zu bringen.

Umweltminister Robert Habeck stand während der Einwohnerversammlung 300 Anwohnern Rede und Antwort.

shz.de von
20. Juli 2016, 08:00 Uhr

Großenaspe | Die geplante Einlagerung von belastetem Bauschutt aus dem AKW-Rückbau stößt in den Gemeinden an den sieben infrage kommenden Standorten im Land auf großes Misstrauen (der Courier berichtete). Das bekam Dr. Robert Habeck, Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (Melur) auch am Montagabend auf der Einwohnerversammlung in Großenaspe zu spüren.

Mehr als 300 Besucher hatten sich zu der Informationsveranstaltung im Saal von Timms Gasthof eingefunden. Denn schon seit Wochen wird das Thema in der Gemeinde heiß diskutiert. Und in einer vom CDU-Ortsverband initiierten Unterschriftensammlung, die am Abend dem Minister übergeben wurde, hatten sich bereits vorab rund 1600 Einwohner gegen die Einlagerung des Schutts auf der örtlichen Deponie ausgesprochen.

Dennoch wurden die Ausführungen des Ministers sowie der Mitarbeiter seines Ministeriums und des Landesgeschäftsführers des BUND, Ole Eggers, aufmerksam verfolgt. Die Zuhörerschaft machte allerdings auch keinen Hehl daraus, dass sie den Plänen des Ministeriums mehr als skeptisch gegenübersteht. Der Argwohn richtete sich dabei letztlich weit weniger gegen die Aussagen der Vortragenden, vielmehr wurde die allgemeine Befürchtung deutlich, von der Politik mit falschen Versprechungen und der Verharmlosung der Sachlage „irgendwann an der Nase herumgeführt“ zu werden.

„Wer garantiert uns, dass bei den Messverfahren nicht geschummelt wird? Und wer steht dafür gerade, wenn doch etwas passiert? Schließlich liegt unser Wasserwerk gleich nebenan“, lautete zum Beispiel eine Frage aus dem Publikum. Ebenso wurden die Vermutung des Werteverlustes der Immobilien und das Verhindern der gemeindlichen Entwicklung durch einen enormen Attraktivitätsverlust ins Feld geführt.

„Wir haben diesen Dreck am Hals, und es ist eine allgemein gesellschaftliche Aufgabe, uns diesem Problem zu stellen. Wir versuchen jedoch, mit diesen Veranstaltungen und den Plänen des Ministeriums die größtmögliche Transparenz und erreichen und so weit mehr an Sicherheit herauszuholen, als es der rechtliche Rahmen vorgibt. Aber wenn dieses Vorhaben kippt, wird sich das Ministerium auf diesen zurückziehen“, setzte Robert Habeck dem entgegen. Ein „Einfrieren“ der Anlagen komme für ihn nicht infrage. „Denn damit verschieben wir das Problem nur in die Zukunft und damit in die Verantwortung unserer Kinder“, führte er unter der Zustimmung aus dem Publikum weiter aus.

Letztendlich war es für den Minister kein leichter Auftritt. Am Ende herrschte so etwas wie allgemeine Ratlosigkeit im Saal. Festzustellen war allerdings, dass die Mehrzahl der Großenasper den Bauschutt definitiv nicht haben will. Über die Fortführung der Ministerpläne soll nun am 21. Juli ab 18.30 Uhr im Landeshaus in Kiel noch einmal öffentlich diskutiert werden.

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